Ein packendes Duell der Handball-EM zwischen Weltmeister Dänemark und Europameister Frankreich wurde vom momentan weltbesten Handballer entschieden. Füchse-Berlin-Star Mathias Gidsel war beim 32:29 (11:12)-Erfolg vor allem in der Endphase nicht zu stoppen und fügte den Franzosen die erste Turnierniederlage zu.
Damit meldet sich die Übermannschaft aus Dänemark im Kampf ums Halbfinale zurück, nachdem der Gastgeber am Dienstag in Herning völlig überraschend gegen Portugal verloren hatte. Auch gegen Frankreich mussten die 15.000 Fans in der Jyske Bank Boxen zittern, konnte sich aber auf ihren Welthandballer Gidsel verlassen: Der Linkshänder traf neunmal und bereitete fünf Tore vor.
„Es war ein unfassbarer Kampf. Ich bin echt stolz, dass wir das unter diesen Druck geschafft haben“, freute sich der Matchwinner, wohingegen Frankreichs Trainer Guillaume Gille die knappe Niederlage am Sportschau-Mikrofon naturgemäß anders einordnete: „Ist natürlich ärgerlich, weil wir über 60 Minuten einen Riesenkampf abgeliefert haben, aber leider war das nicht ausreichend heute. Wir wissen, dass wir uns jetzt keinen Ausrutscher mehr erlauben können“.
Emil Nielsen mit elf Paraden zum Spieler des Spiels gewählt
Unterstützt von einem ebenfalls treffsicheren Simon Pytlick (acht Treffer) und Torhüter Emil Nielsen (28% gehaltener Bälle) erkämpften sich die Dänen die ersten beiden Punkte in der deutschen Hauptrunden-Gruppe I und den dritten Tabellenplatz. Die Franzosen bleiben mit den beiden Punkten aus der Vorrunde auf dem zweiten Rang. Beim Titelverteidiger aus Frankreich konnte der starke Aymeric Minne (sieben Tore und fünf Vorlagen) die erste Turnierniederlage nicht abwenden.
Mit einer knapp achtminütigen Torlos-Phase ging die Partie für Dänemark gelinde gesagt suboptimal los. Während Hugo Descat auf Seiten der Franzosen in den ersten neun Minuten bereits dreimal traf, kam Welthandballer Gidsel mit null Toren aus zwei Versuchen, ähnlich wie seine Teamkollegen, nicht richtig in Schwung. Erst nach zehn Minuten fand der Weltmeister zu seinem unnachahmlichen Tempohandball.
Nielsen und Bolzinger kommen schwer in die Partie
Der erste Gidsel-Treffer krönte einen schnellen 3:0-Lauf der Dänen zum 5:4 (13.). In der Folge kamen auch die beiden Torhüter, Nielsen und Charles Bolzinger, besser in die Partie. Dika Mem fand in Barcelona-Kollege Nielsen aus dem Rückraum kein Mittel, Bolzinger luchste Johan Hansen auf der Gegenseite einen Siebenmeter ab. Allgemein spielten Strafwürfe eine wichtige Rolle in der ersten Hälfte.
Dänemarks Trainer Nikolaj Jakobsen haderte mit den einfachen Fehlern und der Abschlussquote seines Teams
Fünfmal (5/5) bekamen die Franzosen einen Siebenmeter zugesprochen, vier (3/4) waren es auf dänischer Seite. Daraus resultierte auch die frühe zweite Zeitstrafe für Abwehrchef Karl Konan, der damit nicht mehr so unbedarft in die Zweikämpfe gehen konnte. Ein Vorteil für den Olympiasieger, der vor allem aus dem Rückraum zulegen musste, wenn die zweite Niederlage in Folge vermieden werden sollte (20% Trefferquote).
Dänischer Rückraum hadert mit der eigenen Trefferquote
Nach einer erneut torlosen Phase von fünf Minuten vor der Pause, setzte Gidsel seinen ersten Wurf nach Wiederanpfiff passgenau unter die Latte zum erneuten Ausgleich (12:12). Je länger die Partie ging umso mehr wurde Nielsen zum Faktor, erneut parierte der Däne den freien Wurf vom glücklosen Mem, dann den Strafwurf von Melvyn Richardson. Bei der Equipe Tricolore übernahm in dieser Phase Minne Verantwortung.
Der zukünftige Flensburger fand mehrmals seine Mitspieler und war selbst fünfmal erfolgreich. Angetrieben vom Spielmacher erkämpfte sich der Titelverteidiger erneut das Momentum und ging mit 23:21 (48.) in Führung. Der bis dato unauffällige Emil Jakobsen drehte das Spiel mit fünf Toren in sechs Minuten und heizte das Publikum in Herning erneut an (27:26).
In den Schlussminuten drehte Gidsel auf, traf zweimal selbst, bereitete das Tor zum 32:29-Endstand von Niclas Kirkelokke vor – ein Ergebnis, das in der „Todesgruppe“ der Hauptrunde noch wichtig werden könnte.
