Spaziergang mit Hund in München: Der Feind am Himmel – Panorama

Mitten in … München

Ungewöhnlich frühe Gassi-Runde, um sieben Uhr verlassen wir schon das Haus, unten an der Isar fängt es gerade an zu dämmern. Der Jagdhund-Junior blickt sehnsüchtig einem auffliegenden Schwarm Krähen hinterher, da erscheint in seinem Blickfeld: der Mond. ENTSETZEN. Er führt minutenlang sein grollendstes, furchterregendes Bellen vor, vergeblich. Der Mond ist unbeeindruckt, er weigert sich zu fliehen. Es flieht stattdessen: der Hund. Unzählige 20-Meter-Sprints, das flötende und händefuchtelnde Frauchen hinterher. Dazwischen immer wieder der hoffnungsvolle Blick zurück. Aber der Mond, man glaubt es nicht: Er ist immer noch da!!! Resignation. Den Rest der Runde absolviert der Hund geduckt, mit eingezogenem Schwanz und regelmäßigem Kontrollblick zum Himmel. Recht hat er. Man weiß nie, wozu ein solch furchtloser Wintermond imstande ist. Tanja Rest

(Foto: Marc Herold)

Mitten in … Tokio

Die moderne Autoelektronik hat das Verhältnis zwischen Gast und Taxifahrer verbessert. Der Fahrer muss den Gast nicht mehr nerven mit der Aufforderung, sich anzuschnallen. Das übernimmt heute ein schnarrendes Alarmsystem. Gerade Taxifahrer in Japan finden das sicher gut, denn in Japan vermeidet man ja gerne jedes Streitrisiko. Und als Gast sollte man sich sowieso fügen. Also anschnallen. Aber das Schnarren hört nicht auf. Warum? Es sitzt doch sonst niemand auf dem Rücksitz. Ist die Gurtzunge nicht richtig eingerastet? Noch mal versuchen: abgurten, angurten. Es schnarrt immer noch. Der Taxifahrer tut so, als höre er nichts. Vielleicht hilft es, den Gurt des Nachbarplatzes zu schließen? Gedacht, getan. Das Schnarren hört auf. Vermutlich ein neuer japanischer Sicherheitsstandard: Es müssen auch Fahrgäste angeschnallt sein, die gar nicht da sind. Thomas Hahn

(Foto: Marc Herold)

Mitten in … Oetz

Im Skigebiet nicht Ski zu fahren, ist ähnlich peinlich, wie im Hallenbad nicht zu schwimmen. Man drückt sich am Rand herum, tunlichst bemüht, so auszusehen, als könnte man jederzeit mitmachen, möchte nur gerade nicht. Also lieber mit Schneeschuhen im Wald entlangstapfen, auch wenn dort streckenweise der Schnee fehlt und sich die Krallen in den braunen Boden graben. An einer Hütte endet der Trail, ein hilfsbereiter Herr weist den Weg zurück, an der Skipiste entlang. Er selbst scheint das bisher nicht versucht zu haben, denken sich die zwei Schneeschuhgänger, als sie am steilen Hang mit zitternden Beinen im Tiefschnee feststecken. Zum Unbehagen am Berg gehört immer auch ein Kind, das leichtfüßig vorbeispringt und einfach auf dem Po herunterrutscht. Immerhin gibt der Junge zu: Dieses Stück sei nichts für Achtjährige, frühestens mit zehn solle man es versuchen. Nadja Lissok

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