

Donald Trump hat seine angekündigten Strafzölle gegen acht europäische Staaten, darunter Deutschland, zurückgenommen. Nach einem „sehr produktiven Treffen“ mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte in Davos teilte der amerikanische Präsident dies am Mittwochabend auf seiner Plattform Truth Social mit. Trump begründete seine Entscheidung damit, dass beide bei dem Treffen „den Rahmen für ein künftiges Abkommen in Bezug auf Grönland und tatsächlich die gesamte Arktisregion geschaffen“ hätten. „Diese Lösung wird, wenn sie umgesetzt wird, für die Vereinigten Staaten von Amerika und alle NATO-Staaten von großem Nutzen sein“, schrieb Trump, ohne Details zu nennen.
Aus NATO-Kreisen erfuhr die F.A.Z. am Abend, dass Rutte einen Vorschlag mit zu dem Gespräch nahm, der neben der Einrichtung einer neuen Überwachungsmission der Allianz im hohen Norden auch die Übernahme von Militärbasen in Grönland durch die USA vorsieht. Über solche Überlegungen hatte die F.A.Z. schon am Dienstag exklusiv berichtet. Nun erfuhr die F.A.Z. von zwei Quellen aus NATO-Kreisen, dass sich dieser Plan am Vorbild der britischen Militärbasen auf Zypern orientiere.
Dort verfügt die Regierung in London über zwei Luftwaffenstützpunkte, Akrotiri und Dhekelia, die zum britischen Staatsgebiet gehören. Diese Gebiete blieben beim Vereinigten Königreich, als die Kolonie Zypern 1960 in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Ihr Status ist in dem Vertrag geregelt, mit dem die Republik Zypern geschaffen wurde. Die beiden Militärstützpunkte werden als britisches Überseegebiet geführt und stehen als „Sovereign Base Areas“ unter der Verwaltung des britischen Verteidigungsministeriums. Sie dürfen allein für militärische Zwecke genutzt, also nicht wirtschaftlich ausgebeutet werden. Und sie sind kein eigener Staat.
Washington unterhält nur noch einen Stützpunkt auf Grönland
Derzeit sind die USA nur auf einem Stützpunkt in Grönland präsent, der dem Weltraumkommando untersteht: der „Pituffik Space Base“, die früher „Thule Air Base“ hieß. Im Kalten Krieg unterhielt Washington insgesamt 17 Stützpunkte auf der Insel. Grundsätzlich haben sich die Regierungen in Kopenhagen und Nuuk dafür offen gezeigt, dass Washington seine militärische Präsenz wieder erhöht. Gemäß einer Vereinbarung von 2004 wäre das auch problemlos möglich.
Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen begrüßte am Abend in einer ersten Reaktion auf der Plattform X, dass der US-Präsident eine gewaltsame Einnahme Grönlands ausschließe und den Handelskrieg „pausiert“ habe. „Lassen Sie uns nun gemeinsam überlegen, wie wir den Sicherheitsbedenken der USA in der Arktis Rechnung tragen und gleichzeitig die roten Linien des Königreichs Dänemark respektieren können“, schrieb er. Rutte hatte den Plan bereits mit dem dänischen Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen und der grönländischen Außenministerin Vivian Motzfeldt bei ihrem Treffen am Montag in Brüssel erörtert, wie es in NATO-Kreisen heißt. Das Gespräch sei „gut verlaufen“.
Trump kündigte in seinem Post an, dass es weitere Gespräche über die Errichtung des geplanten Raketenabwehrsystems „Golden Dome“ geben werde. Mit den weiteren Verhandlungen über ein Abkommen zu Grönland beauftragte er Vizepräsident J.D. Vance, Außenminister Marco Rubio und den Sonderbeauftragten Steve Witkoff.
