Der Traum vom Weiterkommen in der Champions League ist ausgeträumt. Und Eintracht Frankfurt verabschiedet sich mit einem blamablen Auftritt bei Qarabag Agdam. Die Tore von Can Uzun (10. Minute) und Fares Chaibi per Foulelfmeter (78.) reichten nicht mal für einen Punkt.
Wer auch immer der neue Cheftrainer bei der Eintracht nach der Entlassung von Dino Toppmöller wird, es dürfte ihm bereits bewusst gewesen sein, dass einiges an Arbeit vor ihm liegt. Dennoch wurde der Auftritt in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku zu einem weiteren Beleg dafür und zeigte auch, wie sehr das Selbstvertrauen der Frankfurter gelitten hat. Und dass daran unter der Interimslösung Dennis Schmitt erstmal nichts geändert hat.
Uzun gleicht den Blitz-Rückstand aus
Und auch in Sachen Defensivschwäche hat der bisherige Trainer der Zweitvertretung, mit der er im vergangenen Sommer aus der Regionalliga in die Hessenliga abgestiegen ist, offenbar nicht viel bewirken können, wie sich schnell zeigte. Denn schon kurz nach dem Anstoß spielte sich Qarabag relativ unbedrängt durch die Frankfurter Hintermannschaft, flankte von der linken Seite, wo Kaua Santos erst noch stark gegen Leandro Andrade hielt, dann aber Camilo Duran aus wenigen Metern ins leere Tor einschob (4.).
Auch über dieses Tor hinaus war die Körpersprache der Gäste bedenklich, aber sie fingen sich immerhin nach dem Gegentor. Und das wurde belohnt, als Ritsu Doan erst am gegnerischen Strafraum den Ball verlor, Uzun sich ihn aber direkt zurückholte und aus 15 Metern flach mit dem linken Fuß durch die Beine seines Gegenspielers ins Tor schoss (10.).
Danach hatte die Partie viel Leerlauf, ehe Qarabag auch durch den Eindruck eines nicht allzu gefährlichen Gegners in den letzten zehn Minuten des ersten Halbzeits den Offensivgang einlegte und die Eintracht richtig unter Druck setzte. Santos konnte mit etwas Glück und einer starken Reaktion einen abgefälschten Schuss von Duran das Remis vorerst retten (37.), dann schoss Andrade aus zwölf Metern knapp über das Tor des SGE-Keepers (40.), der noch der beste Akteur seines Teams war.
Elfmeter-Situationen sorgen für plötzliche Hektik
Der erste Durchgang hatte vor allem dank Qarabag ein wenig Unterhaltungswert, weil die Gastgeber nach der Pause aber nicht mehr so gut am Ball waren, senkte sich der gegen Null – bis zur 75. Minute. Da forderte Qarabag nach einem Einsatz von Robin Koch Elfmeter, bekam den nicht und eine Minute später gab es den Pfiff im gegnerischen Strafraum. Ansgar Knauff war nach einem Check zu Boden gegangen und Chaibi erhielt die Chance, sein Team vom Punkt Richtung Sieg zu schießen.
Der gerade erst vom Afrika-Cup zurückgekehrte Mittelfeldspieler löste diese Aufgabe äußerst souverän, Frankfurt führte plötzlich, ohne besonders viel dafür getan zu haben (78.). Doch das nur zwei Minuten lang, denn die Aserbaidschaner kombinierten sich wieder über ihre linke Seite durch, nach einem Querpass drückte Duran den Ball aus drei Metern über die Linie zum schnellen Ausgleich (80.).
Frankfurt kann sich die K.o.-Runde abschminken
Eintracht brauchte unbedingt noch ein Tor, um sich die Chance auf die Playoffs aufrechtzuerhalten, doch es ging nach den wenigen aufregenden Minuten wieder fast gar nichts – und das änderte sich bis zum Abpfiff nicht. Stattdessen gab es sogar den nächsten ganz schlimmen Nackenschlag, in der 95. Minute sorgte Bahlul Mustafazada für Riesenjubel bei Qarabag und die nächste Pleite für die Eintracht, die mit nur vier Punkten endgültig aus der Champions League ausgeschieden ist.
Ein Fortschritt nach dem Toppmöller-Aus war überhaupt nicht zu sehen, nun muss Sportvorstand Markus Krösche möglichst schnell einen Cheftrainer (es gibt zum Beispiel Gerüchte um Marco Rose) installieren, damit der für die Wende sorgen kann. Bestenfalls gibt es die schon am Samstag in der Bundesliga gegen TSG Hoffenheim (15.30 Uhr), zum Schluss der Gruppenphase verabschiedet sich Frankfurt mit der Partie gegen Tottenham Hotspur (Mittwoch, 21 Uhr) aus der Champions League.

