Champions League: Bayer-Pleite gegen Piräus – erste Krise für Hjulmand – Sport

Besser als Bayer Leverkusen sind in dieser Welt wahrscheinlich nicht viele hochklassige Fußballvereine aus dem Jahr 2025 gegangen. Im Dezember qualifizierte sich der Konzernklub durch ein 1:0 in Dortmund für das Viertelfinale im DFB-Pokal. Man rettete im Match gegen Newcastle in der 88. Minute einen wichtigen Punkt für die Beförderung in der Champions League und gewann zum guten Ende beim Ligakonkurrenten RB Leipzig eines dieser Sechs-Punkte-Spiele, die so wertvoll sind wie der Diamant eines Maharadschas. Dankbar dachten die Bayer-Chefs Fernando Carro und Simon Rolfes bei ihren Jahresrückblicken an jenen Tag Anfang September, an dem ihnen Kasper Hjulmand zusagte, den Cheftrainerjob zu übernehmen. Eurosport verglich den überall gelobten dänischen Fußball-Lehrer mit dem Schöpfer: „Neues Leben eingehaucht“ habe er der Werkself.

Im Januar 2026 sieht die Lage allerdings ganz anders aus, und Hjulmand kann froh sein, dass er nicht Trainer von Real Madrid ist – weil er es dann womöglich nicht mehr lange bleiben würde. Nach Leverkusens 0:2-Niederlage am Dienstagabend bei Olympiakos Piräus wird dem Coach einhellig die erste Bayer-Krise attestiert, und das ist kein Befund, dem er mit guten Argumenten widersprechen könnte: Dass es im dritten Spiel des Jahres die dritte Niederlage gab, ist unangenehm genug. Noch unangenehmer ist das Zustandekommen der Bilanz: 1:7 Tore in drei Partien zeigen, dass weder Verteidigung noch Angriff auf dem gewünschten und zum Jahresende hin gewohnten Leistungsniveau sind.

Das 1:4 gegen den VfB Stuttgart am vorvergangenen Wochenende war offenbar kein knalliger Aussetzer, sondern ein Trendsetter. Mit der Folge, dass Bayer aktuell ein doppeltes Problem mit der Champions League hat: Falls das finale Gruppenspiel kommende Woche gegen Villarreal verloren gehen sollte, droht das abrupte Aus. Und in der Bundesliga hat man durch zwei Sechs-Punkte-Pleiten die Konkurrenz gestärkt – der Kampf um die Europa-Plätze für nächste Saison ist noch enger geworden. „Wir haben uns selbst unter Druck gesetzt“, resümierte Hjulmand in Piräus.

Bei Olympiakos, bisher ganz unten platziert in der langen Champions-League-Tabelle, lagen die Leverkusener nach nicht mal zwei Minuten hinten. Der Trainer wollte das keineswegs als Unfall bezeichnen, er schaute aufs große Ganze und sah, dass Antrieb und Richtung nicht stimmten: Statt vorwärts habe seine Elf rückwärts gespielt, klagte er. In der hintersten Linie geriet der französische Verteidiger Loïc Badé in Schwierigkeiten, die einen Eckstoß kosteten und nachfolgend das 0:1 brachten. Auf die persönlichen Fehler, Badés Unentschlossenheit und den ungenügenden Abschirmdienst von Angreifer Christian Kofane ging Hjulmand nicht ein: „Wir müssen unser Spiel besser spielen“, sagte der Coach, das Wort unser betonend.

Das Leverkusener Spiel hatte im Dezember fast wieder so gut funktioniert wie unter Hjulmands Vorvorgänger Xabi Alonso. Den Mittelpunkt im Getriebe bildeten zwei Spanier: Aleix García, 28, brillierte als Ballverteiler, Alejandro Grimaldo, 30, als Spielmacher. Auch am Dienstagabend hatten die beiden in ihren Rollen gute und sehr gute Szenen, aber sie streuten auch immer wieder ungenaue und unsaubere Zuspiele ein. Im Bayer-Spiel herrschte somit unübliche Hektik, Olympiakos wusste sich das zunutze zu machen. Der griechische Meister überließ den Gästen den Ball, hielt aggressiv dagegen und ließ die Tore wie Dolchstöße wirken: Just in der besten Phase der Leverkusener kurz vor der Pause, als Kofane und Lukas Vázquez große Ausgleichschancen hatten (und vergaben), schoss Piräus das 2:0.

Der Treffer entwickelte sich aus einem guten Konter und einer schlechten Verteidigungsleistung, die Hjulmands Selbstbeherrschung herausforderte: Knapp schaffte er es, die verantwortlichen Abwehrspieler Badé und Robert Andrich nicht beim Namen zu nennen. Den Rest schilderte er deutlich: „Wir sind zwei (Verteidiger) gegen einen (Angreifer) auf der letzten Linie, nicht eins gegen eins, nicht in Unterzahl. Das müssen wir schaffen!“ Von diesem 0:2 hat sich Bayer, trotz aufwendigen Bemühens, nicht mehr erholt.

Dem herrschenden Trend, mittels statistischer Werte das Spiel entschlüsseln zu wollen, trat Kasper Hjulmand mit seinem Fazit des Abends entgegen. Auf dem Papier habe Bayer 04 einen hohen Sieg erzielt: Ballbesitz, Pässe, Eckstöße, Torschüsse, Torchancen, xG-Rate, Pi im Quadrat – „wir haben die ganzen Daten gewonnen“, sagte der Trainer, „aber nicht die wichtigsten Daten.“ Tore hatte lediglich Piräus geschossen. In dieser Disziplin herrscht 2026 bei Bayer 04 noch massiver Nachholbedarf.