Konflikt um Grönland: Wie Dänemark Trump abschrecken will

Dänemark baut seine militärische Präsenz in Grönland weiter aus. Am Dienstag wurde eines der schlagkräftigsten Schiffe der Marine auf den Weg in die Arktis geschickt. Informationen des dänischen Rundfunks zufolge handelt es sich um die Luftverteidigungsfregatte Peter Willemoes. Diese ist demnach in der Lage, mit leistungsstarkem Radar große Gebiete zu überwachen.

Am Montagabend schon war in Grönland eine größere Gruppe dänischer Soldaten angekommen, unter ihnen Armeechef Peter Boysen. Dem Vernehmen sind waren auch Spezialeinheiten dabei. Offiziell verlautbart wurde zur Eigenschaft der Truppen nichts. Keine Angaben gab es auch dazu, um wie viele Soldaten es sich genau handelt. Das dänische Verteidigungsministerium gab an, es handele sich um einen „wesentlichen Beitrag“. Am Samstag hatte der Chef des Arktischen Kommandos, Søren Andersen, angegeben, rund 200 Soldaten seien in Grönland angekommen. Mit der neuerlichen Entsendung dürften es nun deutlich mehr sein.

„Demonstration, dass Grönland nicht einfach zu haben ist“

Offiziell sind die Soldaten Teil der Übung „Arctic Endurance”, zu der auch andere NATO-Staaten eine kleinere Zahl Soldaten entsandt haben. Die offizielle dänische Begründung lautet, damit stärke man die Sicherheit in der Arktis. Das Königreich zeige, dass es Verantwortung für die gemeinsame Sicherheit in der NATO übernehme, sagte Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen vorige Woche, als die Entsendung bekanntgegeben wurde. Schließlich hatte der amerikanische Präsident Donald Trump zuvor wiederholt kritisiert, Dänemark tue nicht genügend für die Sicherheit in der Arktis. Einen Angriff Amerikas nannte Poulsen da eine „sehr hypothetische Frage“.

Doch nach Einschätzung von dänischen Militärfachleuten dient die Entsendung auch der Abschreckung Amerikas. Nun ist die dänische Armee, trotz massiver Aufrüstung in jüngster Zeit, winzig im Vergleich zur amerikanischen. Dänemark könnte Grönland gegen Amerika nicht halten. Doch geht es aus Sicht der Fachleute vor allem darum, eine mögliche Intervention so schwierig und kostspielig, was die Folgen angeht, wie möglich zu machen. Es handele sich um eine „Demonstration, dass Grönland nicht einfach zu haben ist“, sagt Espen Salling Larsen, Militäranalytiker an der dänischen Verteidigungshochschule. „Die Einnahme Grönlands sollte nicht so leicht sein, wie die Venezuelas“, sagt Jon Rahbek-Clemmensen, der an der Verteidigungshochschule zur Sicherheit in der Arktis forscht.

Die Rahmenbedingungen in Grönland machen eine Verteidigung sehr schwierig. Tausende Soldaten dort könnten eher zum Schwachpunkt werden, da sie in der Kälte versorgt werden müssten. Notwendig zur Verteidigung sind vielmehr kleine, hoch spezialisierte Gruppen.

Dänemark schließt militärische Verteidigung nicht aus

Auf die Frage, wie Dänemark eine US-Invasion erschweren könne, antwortet Selling Larsen: „In Grönland geht es nicht um den Einsatz großer Landeinheiten, sondern vielmehr um die Kontrolle von Schlüsselpunkten sowie des Meeres- und Luftraums um Grönland herum.“ Es sei zwar höchst hypothetisch, aber unabhängig vom Angreifer wäre der Einsatz von Sicherheitskräften an wichtigen Einrichtungen wie dem Flughafen Kangerlussuaq wichtig. Der ist einer der wichtigsten militärischen und logistischen Drehkreuze Dänemarks in Grönland – dorthin ging Berichten zufolge zuletzt rund die Hälfte der dänischen Soldaten.

Wichtig sind nach Einschätzung von Verteidigungsfachleuten weiterhin kritische Punkte wie der Flughafen der Hauptstadt Nuuk sowie die Häfen. Um die Resilienz der örtlichen Strukturen zu sichern, muss demnach auch die Regierung der halbautonomen Insel geschützt werden, damit sie nicht auf einen Schlag ausgeschaltet werden kann. Auch das dürfte derzeit geschehen.

Die Grönländer müssten auf alle Möglichkeiten vorbereitet sein, sagte Grönlands Ministerpräsident Jens Frederik Nielsen am Dienstag. „Ein Einsatz militärischer Gewalt ist unwahrscheinlich, aber auch nicht ausgeschlossen“. Die Gegenseite, sprich Trump, habe dies deutlich gemacht. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen äußerte sich ähnlich. Da Trump den Einsatz militärischer Gewalt nicht ausschließe, „können wir ihn auch nicht ausschließen“, so Frederiksen am Dienstag.

Sorge über Amerikanische Truppen in Alaska

Dänische Soldaten würden um Grönland kämpfen, wenn auch vielleicht nicht lange, ist sich Kenneth Øhlenschlæger Buhl sicher. Der frühere Kommandant forscht an der Universität Süddänemark. „Nuuk kann mit relativ wenigen Streitkräften verteidigt werden, die jedem Angreifer das Leben schwer machen werden, und jede Kampfhandlung kann auch zu vielen zivilen Opfern führen“, sagt er. Die große Frage sei, was die anderen Kräfte, die derzeit auf Grönland seien, tun würden, etwa die Franzosen. Auch durch deren Präsenz werde der Einsatz für Trump hochgetrieben. Fraglich sei, wie der amerikanische Kongress auf tote dänische Soldaten und erst recht auf tote Militärangehörige aus anderen NATO-Staaten reagieren würde.

Dänemark sei auf die europäischen Verbündeten existenziell angewiesen, sagt auch Jon Rahbek-Clemmensen. Diese zeigten, dass jede Eskalation erste Konsequenzen hätte, auch für die NATO. Dass die 15 deutschen Soldaten, die vergangene Woche nach Grönland geflogen waren, nach zwei Tagen schon wieder abgezogen wurden, offiziell weil der Erkundungsauftrag schon wieder abgeschlossen war, bezeichnet Rahbek-Clemmensen als „schlechtes Signal“. Øhlenschlæger Buhl mutmaßt, dass Dänemark über Nacht Truppen nach Grönland verlegt habe, lege nahe, dass es Informationen gegeben haben könnte über eine bevorstehende amerikanische Intervention.

Für Unruhe sorgt in Dänemark in dem Zusammenhang, dass derzeit in Alaska etwa 1500 US-Soldaten bereitstehen, die zur 11. Luftlandedivision gehören und für Operationen in arktischen Gebieten ausgebildet sind. Darüber berichteten mehrere amerikanische Medien. Demnach sollen sie eventuell nach Minneapolis geschickt werden, als Antwort auf andauernde Demonstrationen.

Macron fordert eine neue NATO-Mission in Grönland

In Dänemark fürchten manche, das eigentliche Ziel könnte Grönland sein. Auch, als kürzlich ein amerikanisches Militärflugzeug des NORAD (North American Aerospace Defense Command) auf die bestehende amerikanische Basis Pituffik Space Base flog, entstand Unruhe. Dabei war der Flug mit den dänischen Streitkräften abgestimmt. Dass allein der Einsatz der 11. Luftlandedivision auf Grönland in Erwägung gezogen werde, zeige den „radikalen Vertrauensverlust“ in die Amerikaner in Dänemark, sagt Rahbek-Clemmensen.

Es gibt Militärfachleute in Dänemark, die annehmen, dass die USA Grönland nie militärisch besetzen würden. Andere sind sich nicht so sicher. Unterdessen werden Rufe lauter, Soldaten im Rahmen der NATO nach Grönland zu entsenden. Der französische Präsident Emmanuel Macron forderte die NATO am Mittwoch auf, eine Militärübung in Grönland zu organisieren. Macron will damit mehr NATO-Staaten dazu bringen, sich für die Sicherheit der strategisch wichtigen Insel zu engagieren.

Macron will zugleich Trumps Vorwurf entkräften, die Europäer seien nicht in der Lage, Grönland gegen Russland oder China zu verteidigen. Bereits im vergangenen September war auf Grönland das NATO-Manöver „Arctic Light“ mit 550 Soldaten aus Dänemark, Frankreich, Norwegen und Schweden abgehalten worden.