Berlinale-Programm 2026: Immerhin ein paar Stars – welche Filme laufen – Kultur

Berlinale-Chefin Tricia Tuttle hat am Dienstag in der Berliner Akademie der Künste das Wettbewerbsprogramm der 76. Festivalausgabe vorgestellt. Der offizielle Wettbewerb ist, eingerahmt von diversen Nebenreihen, das Kernstück des Festivals. Dieses Jahr konkurrieren 22 Filme aus 28 Ländern (da es sich teils um Koproduktionen handelt) um den Goldenen Bären. Davon sind laut Tuttle 20 Weltpremieren, die noch nirgendwo anders liefen.

Wie bei der Berlinale in den vergangenen Jahren leider üblich, muss man zunächst einmal damit anfangen, was nicht dabei ist – die ganz großen Spitzentitel des anstehenden Kinojahres, um die sich die drei großen europäischen Festivals traditionell reißen, zum Beispiel die neuen Filme von Christopher Nolan, Steven Spielberg oder Pedro Almodóvar. Denn die landen in der Regel mittlerweile eher in Cannes und Venedig (wenn sie denn überhaupt auf ein Festival gehen).

Die Berlinale hat aufgrund ihres Februartermins aber auch den schwersten Stand bei der Filmakquise. Für oscarträchtige Filme liegt sie im Festivalkalender maximal ungünstig. Denn wer für die Oscars im selben Jahr nominiert werden will, muss schon viel früher laufen, um berücksichtigt zu werden; und für die Oscarverleihung des Folgejahres ist es wiederum oft zu früh. Außerdem findet kurz zuvor, Ende Januar, das von Robert Redford gegründete Sundance Festival in Utah statt, das zumindest die großen Hollywoodstudios der Berlinale oft vorziehen.

Was aber nicht heißt, dass gar keine starbesetzten Filme in Berlin laufen werden. Juliette Binoche, Channing Tatum, Elle Fanning, Pamela Anderson, Amy Adams und Sandra Hüller werden im Wettbewerb mit neuen Werken vertreten sein. Auch Riley Keough kommt, die Schauspielerin ist die Enkelin von Elvis Presley.

Wim Wenders wird der Jurypräsident sein und nebenbei: immer mehr Frauen unter den Regisseuren

Bei neun der 22 ausgewählten Filme haben Frauen Regie geführt, was jetzt noch nichts über ihre Qualität aussagt, aber ein deutlich besserer Schnitt ist als bei den Wettbewerben anderer A-Festivals. Auch ein Anime-Film ist dabei, „A New Dawn“ des Japaners Yoshitoshi Shinomiya, der schon am Anime-Hit „Your Name“ beteiligt war.

Eins der Highlights dürfte İlker Çataks Drama „Gelbe Briefe“ sein. Der Berliner Regisseur war 2024 mit seinem hervorragenden Schulkammerspiel „Das Lehrerzimmer“ für den Oscar nominiert. Sein neues Werk ist eine deutsch-französisch-türkische Koproduktion. Die Handlung: Derya (Özgü Namal) und Aziz (Tansu Biçer) sind ein gefeiertes Künstlerehepaar aus Ankara und führen mit ihrer Teenager-Tochter ein erfülltes Leben, bis ein Vorfall bei der Premiere ihres neuen Theaterstücks alles verändert.

Über Nacht geraten sie ins Visier des Staates und verlieren ihre Arbeit und ihre Wohnung. Während sich Aziz mit Gelegenheitsjobs durchschlägt und an seinen Überzeugungen festhält, sucht Derya nach einem Ausweg, der sie finanziell unabhängig macht. Nach und nach vergrößert sich die Distanz zwischen dem Paar, bis sie sich zwischen ihren Wertvorstellungen und der gemeinsamen Zukunft als Familie entscheiden müssen.

Aus Deutschland sind im Wettbewerb außerdem die Berlinale-Veteranin Angela Schanelec vertreten, die das Drama „Meine Frau weint“ zeigt, sowie die Regisseurin Eva Trobisch mit „Etwas ganz Besonderes“. Trobisch zählt seit ihrem Missbrauchsdrama „Alles ist gut“ (2018) zu den wichtigsten Stimmen des deutschen Kinos.

Jurypräsident ist in diesem Jahr Wim Wenders, den Goldenen Ehrenbären fürs Lebenswerk bekommt die Schauspielerin Michelle Yeoh („Tiger & Dragon“, „Everything Everywhere All at Once“). Die Berlinale findet vom 12. bis 22. Februar statt. Eröffnet wird sie von der Tragikomödie „No Good Men“, dem dritten Spielfilm der preisgekrönten afghanischen Regisseurin Shahrbanoo Sadat.