
Weißes Winterlicht, blauer Himmel, Vogelzwitschern, das Rattern und Quietschen der S-Bahn – ansonsten Stille auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg. Hunderte sind gekommen, um Abschied zu nehmen von Rosa von Praunheim, dem Filmemacher, Dichter, Maler, Aktivisten, Chronisten des queeren Deutschlands. Der Regisseur Axel Ranisch kommt als Biene im schwarz-gelb gestreiften Kostüm mit Teleskopaugen angeflogen, Lars Eidinger wirkt im hochgeschlossenen schwarzen Mantel neben Volker Schlöndorff noch größer, als er ist, eine Transfrau mit elegantem Gesichtsschleier scheint einem Melodram entstiegen. Jemand hält ein selbst gemaltes Plakat mit dem Praunheim-Filmtitel Unsere Leichen leben noch. Viel Rosa in Form von Rosen, Krawatten, Mützen, High Heels. Auf dem blumenbedeckten Urnengrab liegt ein Teddy, daneben eine Regenbogenfahne und ein pink glitzernder Hut. Jemand ruft: „Nicht traurig sein, er hat bestimmt Spaß im Himmel!“ Die Beerdigung wird gefilmt für von Praunheims letztes Werk Eros und Tod, und es scheint, als könne sich dieser Menschenzusammenbringer da oben im Regiestuhl einfach zurücklehnen.
