Ukraine-Krieg: ++ Selenskyj knüpft Davos-Besuch an Bedingungen – Lawrow erhebt neue Vorwürfe gegen die USA ++ Liveticker

Am Rande des Weltwirtschaftsforums in der Schweiz kommen US-Amerikaner und Russen zusammen, um über den Ukraine-Krieg zu sprechen. Beide Seiten loben das Treffen hinterher, Details werden nicht genannt. Mehr im Liveticker.

Zweistellige Minusgrade, Stromausfälle und eiskalte Wohnungen: Kiew erlebt den härtesten Winter seit Kriegsbeginn. Die Gespräche zwischen der Ukraine und den USA werden auf dem Weltwirtschaftsforum fortgesetzt.

Alle Ereignisse rund um den Krieg in der Ukraine und die internationale Sicherheitspolitik im Liveticker:

22:08 Uhr – Selenskyj: Mehr als eine Million Verbraucher in Kiew ohne Strom

Nach den schweren russischen Angriffen sind dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge mehr als eine Million Verbraucher allein in Kiew ohne Strom. Mehr als 4000 Hochhäuser in der Dreimillionenstadt seien ohne Heizung, sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft. Er forderte den Energieversorger Ukrenergo, die Regierung, regionale Behörden und Stadtverwaltungen – dabei explizit die der Hauptstadt – auf, jede Stunde an der Energieversorgung zu arbeiten.

Selenskyj kritisierte außerdem erneut die Flugabwehr. Die Arbeit der Luftstreitkräfte gegen die Kampfdrohnen der ursprünglich iranischen Bauart Schahed sei unbefriedigend, sagte er. Die Arbeit der Luftstreitkräfte müsse anders organisiert werden. Darüber sei mit Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow gesprochen worden, führte er aus und kündigte Konsequenzen an.

21:19 Uhr – Kreml-Gesandter Dmitrijew: „Konstruktive“ Gespräche mit Witkoff und Kushner in Davos

Der Kreml-Gesandte Kirill Dmitrijew spricht nach einem Treffen beim Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz von einem „konstruktiven“ Gespräch mit seinen US-Kollegen über eine Beendigung des Kriegs in der Ukraine. „Die Treffen sind konstruktiv, und immer mehr Menschen erkennen, dass Russlands Position richtig ist“, sagt Dmitrijew nach einem Treffen mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff und dem Präsidenten-Schwiegersohn Jared Kushner vor Journalisten.

Dmitrijew hatte zuvor im Onlinedienst X erklärt, dass er in Davos eingetroffen sei. Dazu postete er ein Friedenstauben-Emoji. Dmitrijew hatte für die russische Regierung im Dezember an Gesprächen in Florida mit den US-Gesandten Kushner und Witkoff über die Zukunft der Ukraine teilgenommen.

19:56 Uhr – US-Gesandter nennt Gespräche mit Kreml-Vertreter positiv

Die Gespräche zwischen den USA und Russland in Davos sind nach Einschätzung des US-Gesandten Steve Witkoff „sehr positiv“ verlaufen. Das meldet die russische Nachrichtenagentur RIA. Witkoff habe sich am Rande des Weltwirtschaftsforums gemeinsam mit Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, sowie mit dem Kreml-Vertreter Kirill Dmitrijew ⁠getroffen.

14:22 Uhr – Ukraine benötigt gut 600 Milliarden Euro für Armee

Für den Unterhalt der ukrainischen Armee sind nach Angaben der Regierung innerhalb der nächsten zehn Jahre mehrere Hundert Milliarden Euro notwendig. „Wenn sich die Situation nicht ändert, das heißt das aggressive Verhalten Russland bezüglich Europas und der Welt, dann kann das in den nächsten zehn Jahren bis zu 700 Milliarden US-Dollar (gut 600 Milliarden Euro) kosten“, sagte der für die EU- und Nato-Integration zuständige ukrainische Vizeregierungschef Taras Katschka bei einer Diskussionsveranstaltung beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Wirtschaftsminister Olexij Sobolew zufolge handelt es sich bei der Summe um Verteidigungsausgaben, die nicht im ukrainischen Etat festgeschrieben sind – und somit von außerhalb kommen müssen. Den dazu kommenden ukrainischen Anteil aus dem Haushalt an den Verteidigungsausgaben der kommenden zehn Jahre bezifferte er auf umgerechnet 425 Milliarden Euro.

13:42 Uhr – Selenskyj knüpft Davos-Besuch an Bedingungen

Selenskyj macht einen Besuch beim Weltwirtschaftsforum in Davos (Schweiz) von möglichen Vertragsunterzeichnungen oder weiteren Hilfszusagen abhängig. „Wenn die Dokumente fertig sind, dann wird es ein Treffen (mit US-Präsident Donald Trump) und eine Reise geben“, sagte der Staatschef Journalisten, wie mehrere örtliche Medien übereinstimmend berichteten. Er werde auch reisen, wenn es Zusagen für weitere Unterstützung im Energiebereich oder zusätzliche Flugabwehrsysteme gebe. „Doch bisher habe ich in der Ukraine einen Auftrag und für mich ist es essenziell, hier alle Dienste zu koordinieren“, fügte Selenskyj hinzu.

13:30 Uhr – Lawrow erhebt neue Vorwürfe gegen die USA

Moskau wirft Washington vor, zwei russische Besatzungsmitglieder eines von den USA beschlagnahmten Öltankers trotz entsprechender Zusagen nicht freigelassen zu haben. „Uns wurde versichert, dass auf höchster Ebene eine Entscheidung über ihre Freilassung getroffen worden sei“, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Die Tage danach hätten „leider gezeigt“, dass die Entscheidung nicht umgesetzt worden sei. „Wir erwarten, dass unsere amerikanischen Kollegen die Versprechen halten, die uns gemacht wurden“, fügte Lawrow hinzu.

Die USA hatten den unter russischer Flagge fahrenden Tanker „Marinera“ Anfang des Monats im Nordatlantik beschlagnahmt. US-Behörden zufolge gehört das Schiff zur sogenannten Schattenflotte, die unter Verstoß gegen US-Sanktionen Öl für Länder wie Venezuela, Russland und den Iran transportiert.

Die USA hatten öffentlich erklärt, dass die Besatzung des Öltankers strafrechtlich verfolgt werden könne. Russland bezeichnete die Ankündigung als „absolut inakzeptabel“. Moskau wirft Washington vor, Spannungen zu schüren und die internationale Schifffahrt zu bedrohen. Die Beschlagnahmung bezeichnete die russische Regierung als illegal.

12:45 Uhr – Selenskyj: Auch Ukraine zu Trumps Friedensrat eingeladen

Auch die Ukraine ist Präsident Selenskyj zufolge zur Teilnahme an dem von US-Präsident Trump geplanten globalen Friedensrat eingeladen. Diplomaten befassten sich derzeit mit der Einladung, sagt Selenskyj. Er könne ⁠es sich jedoch nur schwer vorstellen, gemeinsam mit Russland in diesem oder einem anderen Gremium zu sein, erklärte er in einem WhatsApp-Chat mit Medienvertretern. Trump hatte auch den russischen Präsidenten Putin zu dem Friedensrat eingeladen, der sich nach dem Willen des US-Präsidenten nach dem Gaza-Krieg auch mit anderen weltweiten Konflikten befassen soll. Insgesamt hat Trump rund 60 ‍Staats- und Regierungschefs eingeladen.

12:17 Uhr – IAEA: AKW Tschernobyl ohne externe Stromversorgung

In der Ukraine hat das stillgelegte Atomkraftwerk Tschernobyl der Internationalen Atomenergiebehörde zufolge nach weitreichenden Militäraktivitäten seine ⁠gesamte externe Stromversorgung verloren. Mehrere für die nukleare Sicherheit wichtige Umspannwerke seien von den Militäraktivitäten betroffen, teilt die IAEA auf der Online-Plattform X mit.

Zudem seien auch Stromleitungen zu einigen anderen Atomkraftwerken in Mitleidenschaft gezogen worden. Ukrainischen Behörden zufolge hatte Russland in der Nacht auf Dienstag wieder ‍einen massiven Drohnen- und Raketenangriff auf die Ukraine gestartet. Dabei seien in Kiew bei eisigen Temperaturen die Strom- und Wärmeversorgung für Tausende Wohnungen ausgefallen. In Tschernobyl ereignete sich 1986 der weltweit schwerste Atomunfall. Der letzte aktive Reaktor des AKW wurde im Jahr 2000 stillgelegt.

11:42 Uhr – UN-Menschenrechtskommissar empört über „grausame“ Angriffe Russlands

Der UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk äußert sich empört über die „grausamen“ ⁠russischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur. Diese hätten die Heizungsversorgung für Hunderttausende von Familien unterbrochen, erklärt Türk. „Die Zivilbevölkerung trägt die Hauptlast dieser Angriffe. Sie können nur als grausam bezeichnet werden. Sie müssen aufhören.“ Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastruktur ‍seien ein klarer Bruch der Kriegsregeln. Die Temperaturen in Teilen der Ukraine seien unter den Gefrierpunkt gefallen, erklärt Türk. Kinder und ältere Menschen gehörten zu den am stärksten gefährdeten Personen.

09:42 Uhr – Selenskyj: Russland hat mehr als 300 Drohnen gegen die Ukraine eingesetzt

Russland hat die Ukraine nach Angaben aus Kiew in der Nacht mit mehr als 300 Drohnen ‍angegriffen. Zudem seien eine erhebliche Zahl ballistischer Raketen und Marschflugkörper eingesetzt worden, schreibt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der Online-Plattform X. Erst einen Tag zuvor habe die Ukraine Luftverteidigungsraketen erhalten, was zur Stärkung der Abwehr beigetragen habe. Es würden aber dringend weitere Lieferungen benötigt. „Die Partner dürfen in dieser Hinsicht nicht nachlassen – Luftverteidigungsraketen sind ein echter Schutz für die Menschen.“

08:51 Uhr – Bürgermeister: Tausende Wohngebäude in Kiew nach russischem Angriff ohne Heizung

Nach einem russischen Luftangriff sind tausende Wohngebäude laut offiziellen Angaben in Kiew bei zweistelligen Minusgraden ohne Heizung. Nach dem nächtlichen Angriff seien „5635 Wohngebäude ohne Heizung“, erklärte Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko am Dienstag im Onlinedienst Telegram. Mindestens eine Frau wurde demnach verletzt und in ein Krankenhaus eingeliefert.

In Kiew herrschten am frühen Morgen Temperaturen von bis zu Minus 14 Grad Celsius. Zudem sei in weiten Teilen der Stadt die Wasserversorgung unterbrochen, fügte Klitschko hinzu. Zu den bei den Bombardements beschädigten Gebäuden zählt demnach ein Schulgebäude. Bedienstete der Stadt und des zuständigen Energieversorgers arbeiteten bereits daran, die Wärme-, Strom- und Wasserversorgung wiederherzustellen.

08:43 Uhr – Macron schlägt Trump G7-Treffen mit Russland in Paris vor

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schlägt US-Präsident Donald Trump ein Treffen der G7-Staaten vor, an dem auch Russland teilnehmen könnte. Es solle am Donnerstag in Paris stattfinden, schrieb Macron in einer Kurznachricht an Trump, die dieser veröffentlichte. Macrons Umfeld bestätigte deren Echtheit am Dienstag. „Mein Freund, wir sind auf einer Linie mit Blick auf Syrien. Wir können Großes vollbringen im Iran. Ich verstehe nicht, was Du in Grönland tust“, schrieb Macron demnach an Trump.

Er schlug dem US-Präsidenten vor, im Anschluss an das Weltwirtschaftsforum in Davos ein G7-Treffen in Paris zu organisieren. „Ich kann die Ukrainer, die Dänen, die Syrer und die Russen am Rand einladen“, schrieb Macron. Zum Abschluss lud er Trump zum Abendessen in Paris ein.

07:06 Uhr – Ukraine organisiert Drohnenabwehr neu

Nach wochenlangen, verheerenden russischen Luftangriffen auf Infrastruktur und Energieversorgung baut die ⁠Ukraine ihre Luftabwehr um. Dabei werde großes Gewicht auf Abfangdrohnen gelegt, ‍kündigte Präsident Selenskyj am Montag in seiner abendlichen Videoansprache an. Es gehe um einen neuen Ansatz, der mobile Einheiten, Abfangdrohnen und andere Abwehrmaßnahmen mit kurzer Reichweite umfasse. Federführend bei der Entwicklung solle Pawlo Jelisarow werden, der ⁠deswegen zum neuen ⁠stellvertretenden Befehlshaber der Luftwaffe ernannt wurde.

06:32 Uhr – Selenskyj warnt vor massivem russischem Angriff

Präsident Selenskyj ruft die ukrainische Bevölkerung zu höchster Wachsamkeit auf: „Russland hat einen Angriff vorbereitet, einen massiven Schlag, und wartet auf den Moment, ihn auszuführen.“ Jede Region müsse bereit sein, so schnell wie möglich zu reagieren und den Menschen zu helfen. ‍Bereits am Wochenende hatte Selenskyj gewarnt, der ‍ukrainische Geheimdienst habe festgestellt, dass Russland neue Angriffsziele auskundschafte. Im Fokus seien Ziele wie ⁠Umspannwerke, die Kernkraftwerke mit Strom versorgen.

03:59 Uhr – Angriffe auf Kiew unterbrechen Strom- und Wasserversorgung

Russland greift die ukrainische Hauptstadt Kiew mit Drohnen und Raketen an. Dies führt zu ‍Unterbrechungen der Strom- und ‍Wasserversorgung, teilt Bürgermeister Vitali Klitschko ⁠mit. Ein nicht näher bezeichnetes Gebäude sei getroffen und ‍eine Person ⁠verletzt ‌worden. ‌Zudem wird ‌ein Lagerhaus beschädigt, mehrere ​Autos stehen in ‍Flammen.

Montag, 19. Januar

21:44 Uhr – Selenskyj: Ein Mörder ukrainischer Gefangener gefasst

Der Geheimdienst der Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj einen Russen gefangengenommen, der für die Tötung von neun ukrainischen Kriegsgefangenen verantwortlich sein soll. Die Tat habe sich im russischen Gebiet Kursk ereignet, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft aus Kiew. „Wir werden jeden russischen Mörder finden, und jeder wird zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte er. Details nannte Selenskyj nicht. Er beauftragte aber den stellvertretenden Chef des Geheimdienstes SBU, Olexander Poklad, nähere Einzelheiten öffentlich zu machen.

16:55 Uhr – Bundesregierung warnt – Energieversorgung in Ukraine kurz vor „Kollaps“

Die fortgesetzten russischen Angriffe auf die Ukraine haben die Infrastruktur und Energieversorgung des Landes nach Angaben des ‍Auswärtigen Amtes in die Nähe „eines Kollaps“ gebracht. Das Außenministerium habe noch einmal 60 Millionen Euro an humanitärer Hilfe zur Verfügung gestellt, sagte ein Sprecher. Die Menschen litten unter extremer Kälte und „brutalen russischen Angriffen“ auf die Energieinfrastruktur. Man unterstütze Bargeldhilfen für Menschen in frontnahen Gebieten zur Anschaffung der nötigsten Güter, von Notstromaggregaten für Schutzräume, Heizsystemen, Kleidung und Decken. Man schaue, was noch an Schritten möglich sei. Das Entwicklungsministerium verweist auf ein Winterhilfe-Unterstützungspaket über 50 Millionen ⁠Euro, das man geschnürt habe.

15:56 Uhr – Kreml: Putin erhält Einladung in Gaza-„Friedensrat“

Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach Kremlangaben über diplomatische Kanäle eine Einladung der USA zur Teilnahme am sogenannten Friedensrat für den Gazastreifen erhalten. „Derzeit prüfen wir alle Details dieses Angebots, zudem hoffen wir auf Kontakte mit der amerikanischen Seite, um alle Nuancen zu klären“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Russland unterhält Kontakte sowohl zu Israel als auch zur Palästinenser-Führung und zur Terrororganisation Hamas.

07:29 Uhr – Ukraine: Wieder russischer Angriff auf Energieanlagen in Region Odessa

Bei einem russischen Drohnenangriff ‍auf die südukrainische Region Odessa sind den örtlichen Behörden zufolge in der Nacht wieder Energie- und Gasanlagen und ein Wohnhaus getroffen worden. Eine Person sei verletzt worden, teilt Regionalgouverneur Oleh Kiper mit. Im Bezirk Odessa sei eine Drohne in ein mehrstöckiges Wohnhaus eingeschlagen. Dabei wurden zwei Wohnungen, die Fassade des Gebäudes, Fenster und ⁠in der Nähe geparkte Fahrzeuge beschädigt. Getroffen ⁠wurde den Angaben zufolge zudem eine nicht näher bezeichnete Einrichtung der „kritischen Infrastruktur“.

dpa/rtr/afp/epd/AP/krott/cvb/sebe/saha