Mathildenhöhe feiert Jubiläum: Neue Mode trifft Jugendstil

17. Januar 2026 · Die Mathildenhöhe feiert in diesem Jahr Jubiläum. Wir nutzen das einzigartige UNESCO-Welterbe in Darmstadt als Hintergrund für Aufnahmen mit der Mode für Frühjahr und Sommer. Warm anziehen? Nicht mit uns! Der späte Jugendstil und die neuen Kleider kommen zusammen zu einem ornamentalen Gesamtkunstwerk der Moderne.

Bei einem hochkarätigen Modeshooting denken wohl nur wenige an eine Kulisse im Rhein-Main-Gebiet. Böse Zungen könnten behaupten, allenfalls die Frankfurter Wolkenkratzerlandschaft könnte mit ihren vielen Lichtern einen geeigneten Hintergrund bilden. Zugegeben: Wer selbst aus der Gegend stammt, bringt die nun folgende Aussage leichter über die Lippen. Aber es existieren auch in dieser Region Orte, die mit den Tuilerien, dem Eiffelturm und der gläsernen Pyramide im Hof des Louvre in Paris mithalten können. Man muss nur wissen wo.

Die Modestrecke dieser Ausgabe entstand weder in Frankfurt noch in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden mit ihren hübschen Alleen. Sondern in Darmstadt. Unter anderem im Vortex-Garten am Fuße der Mathildenhöhe. Von Darmstädtern als Ort für die stillen Momente geschätzt, ist der verwunschen wirkende Garten noch immer ein Geheimtipp für Auswärtige. Skulpturen und andere Kunstwerke finden sich in dem kleinen Dschungel, und wenn nicht gerade eine Crew mit Kamera, Reflektoren und einer Decke für das frierende Model darin umherhuscht, ist fast nur noch das Plätschern des Wassers in Teichen und Wasserspielen zu hören. Schmale Pfade führen an ihnen vorbei. In einer Ecke des Gartens stehen bronzene Buddhafiguren eng aneinander. Keine auf den Zentimeter genau zurechtgestutzten Hecken, dafür ungezähmt wucherndes Grün. Auch zwei Trampoline sind aufgebaut, als würden sie auf wärmere Tage und tobende Kinder warten. Am Kopf des Anwesens steht das Haus Martinus, das im Jahr 1921 von dem Architekten Jan Hubert Pinard erbaut wurde und unter Denkmalschutz steht.

Erzählt man Darmstädtern davon, dass man während eines Fotoshootings in der Villa sein Lager aufschlagen durfte – mit Kleiderstangen, Staubbeuteln für Schuhe, blauen Ikea-Taschen –, wollen sie interessiert wissen, wie es denn darin aussieht. Bei gutem Wetter werfen Sonnenstrahlen Licht auf die mit großer Aufmerksamkeit ausgewählten Möbel, vieles ist von Designerhand entworfen. In einer begehbaren Bibliothek stehen Bücher und Bildbände über Malerei, Grafik und Architektur. Die Crew des Fotoshootings schwärmt vor allem für die aus unbehandeltem Holz geschnitzten Gaudí-Stühle – jeder für sich einzigartig. Für die Neugierigen: Im Haus Martinus finden regelmäßig Konzerte statt, die Räumlichkeiten im Erdgeschoss können für Tagungen, Feiern und Hochzeiten genutzt werden. Und im Obergeschoss vermietet der Eigentümer des Vortex-Gartens, der Künstler Henry Nold, eine Suite. Auch dort wieder: Gaudí-Stühle.

Gaudí lässt eher an Barcelona denken. Darmstadt hingegen ist vor allem als Wirtschafts- und Wissenschaftsstadt bekannt – Chemie, Pharma, Maschinenbau. Durch die Europäische Weltraumorganisation (ESA) befindet sich hier auch das europäische Tor zum Universum, von dem aus zum Beispiel Satelliten gesteuert werden.

Robe mit Stehkragen in Gold, verziert mit floralen Perlen und Pailletten, von denen zarte goldene Stränge herabhängen, glitzernde Stiletto-Pumps mit Metallabsatz und Perlensträngen von Gucci

Schon Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Darmstadt aber auch zu einer bedeutenden Kunststadt. Seit Juli 2021 ist das sogar international anerkannt, dank der Jugendstilbauten auf der Mathildenhöhe, die seither als UNESCO-Welterbe gelten. Darmstädter Weltruhm, ganz amtlich. Die Mathildenhöhe sei ein „herausragendes Beispiel visionärer Gestaltungskunst“, sagte damals Maria Böhmer, die Präsidentin der deutschen UNESCO-Kommission. „Künstlerinnen und Architekten haben hier an der Nahtstelle von Jugendstil und Neuem Bauen Pionierarbeit geleistet.“

Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, den schönen Künsten zugewandt, initiierte die Künstlerkolonie im Jahr 1899 in der Gartenanlage seines großherzoglichen Hofs. Sieben Künstler im Alter zwischen 21 und 31 Jahren lud er dazu ein, sich auf der Mathildenhöhe zu entfalten. Architekten, Maler, Bildhauer. „Eine Stadt müssen wir erbauen, eine ganze Stadt! Alles andere ist nichts“, lautet ein Zitat des aus Österreich stammenden Architekten Joseph Maria Olbrich. „Die Regierung soll uns ein Feld geben, und da wollen wir dann eine Welt schaffen. Alles von demselben Geist beherrscht, die Straßen und die Gärten und die Paläste und die Hütten und die Tische und die Sessel und die Leuchter und die Löffel Ausdrücke derselben Empfindung, in der Mitte aber, wie ein Tempel in einem heiligen Haine, ein Haus der Arbeit, zugleich Atelier der Künstler und Werkstätte der Handwerker.“

Olbrich war es, der den auf einem Hügel gelegenen Hochzeitsturm gestaltete, wegen seiner Form auch Fünffingerturm genannt. Das Darmstädter Wahrzeichen wird ebenfalls zu einem Schauplatz unseres Shootings. Wie sein Name schon verrät, kommen Liebende hier zusammen, um sich das Ja-Wort zu geben. Ebenfalls aus romantischen Gründen ist der Turm entstanden: als Geschenk zur Erinnerung an die Hochzeit des Großherzogs mit Prinzessin Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich. Im Hochzeitszimmer auf der fünften Ebene ist ein Wandfries des Künstlers Philipp Otto Schäfer zu sehen, das ein Hochzeitsfest abbildet. Die vergoldete Stuckdecke des Raums passt zum aktuellen Anlass – ob nun für den heiligen Bund der Ehe oder, wie in unserem Fall, für den Kopf-bis-Fuß-Look von Gucci.

Der Großteil der Produktionscrew ist eigens aus Paris angereist. Abends beim Abschied gibt es Küsschen links, Küsschen rechts. Man solle sich melden, wenn es einen wieder in die französische Hauptstadt verschlägt, „don’t be strangers“. Ob sie nun finden, dass die Mathildenhöhe mit Versailles mithalten kann? Zumindest annähernd? Wir haben glatt vergessen zu fragen. Aber darüber ein Urteil zu fällen wäre im Winter ohnehin nicht ganz fair. Denn als Teil des Gesamtkunstwerks blühen in Frühling und Sommer gleich nebenan die Blumen des Parks Rosenhöhe. Der höchste Punkt der Rosenhöhe beherbergt das terrassenförmig angelegte Rosarium, in dem von Juni bis in den November hinein mehr als 200 Rosensorten blühen, einheimische Arten sowie Wildrosen aus Europa. Auf weitläufigen Wiesen gackern Hühner, an Bäumen reift das Obst, Imker ernten Honig. Marie-Antoinette hätte große Freude an diesem Anblick gehabt, ganz sicher.

Fotografie: Teresa Ciocia (Bird Production)
Styling und Kreativdirektion: Leonie Volk
Produktionsleitung: Aleks Aleksic (Angels Production)
Produktionskoordination: Anna Hedderich (Angels Production)
Model: Bo Exters (Platform Agency)
Make-up und Haare: Anne Timper
Casting: Conan Laurendot
Foto-Assistenz: Dennis Kragers
Styling-Assistenz: Julie Stüven
Herzlichen Dank an das Institut Mathildenhöhe und die Betreiber des Vortex-Gartens und Haus Martinus in Darmstadt