Neue E-Auto-Prämie: Elektroautos für unter 10000 Euro – Wirtschaft

Sollte irgendjemand im Bundesumweltministerium am Dienstagmorgen das Internet nach Angeboten für Elektroautos durchsucht haben, so dürfte er oder sie sich sehr gefreut haben. Denn die neue Elektroauto-Prämie, die Umweltminister Carsten Schneider (SPD) am Montag vorgestellt hat, erzielt offenbar genau den gewünschten Effekt: Wer aufgrund der hohen Anschaffungskosten bisher gezögert hat, vom Verbrenner auf ein Elektroauto umzusteigen, dem dürften jetzt die Argumente ausgehen.

Denn die Prämie macht viele E-Autos nicht nur deutlich günstiger als ein vergleichbares Benzin-Modell. Einige Hersteller haben zusätzlich zur staatlichen Förderung noch einmal hohe Elektro-Rabatte obendrauf gepackt. Das führt dazu, dass ein neues Elektroauto schon für weniger als 10 000 Euro zu haben ist. Und auch im Leasing gibt es aktuell für manche Modelle Monatsraten, die deutlich unter hundert Euro liegen. Wie kann das sein?

Zunächst noch einmal die Eckpunkte der neuen Förderprämie: Je nach Einkommen und Zahl der Kinder können Haushalte bis zu 6000 Euro Zuschuss beim Kauf oder Leasing eines Elektroautos bekommen. Wer die Prämie in Anspruch nehmen will, muss seinen Kauf- oder Leasingvertrag und die Einkommensnachweise über ein Online-Portal einreichen, das vermutlich im Mai freigeschaltet wird. Er bekommt dann die ihm zustehende Summe zurückerstattet. Insgesamt beträgt der Fördertopf drei Milliarden Euro, das reicht laut Umweltminister Schneider für rund 800 000 Fahrzeuge.

Der Preisabstand zwischen Verbrenner und E-Autos schrumpft auch ohne Prämie

Viele Experten hatten im Vorfeld vermutet, dass die Hersteller die neue Prämie dazu nutzen werden, ihre eigenen Rabatte auf Elektroautos zurückzufahren. Denn schon im vergangenen Jahr, als es keine staatlichen Zuschüsse für Batteriefahrzeuge gab, waren die Preise für die Stromer bei vielen Marken gesunken. Und das lag vor allem daran, dass viele Hersteller auf E-Autos hohe Rabatte gewährten. Im Dezember 2025 betrug der Preisabstand zwischen einem Verbrenner und einem gleichwertigen Elektroauto laut Berechnungen des Bochumer Center Automotive Research im Schnitt nur noch 1340 Euro – ein Jahr zuvor waren E-Autos noch mehr als 7000 Euro teurer als Verbrenner.

Doch kaum hat der Umweltminister am Montag den Startschuss für die neue Förderung gegeben, passierte das Gegenteil von dem, was viele Autoexperten erwarteten. Manche Hersteller legten bei den Rabatten sogar noch einmal nach. Der französische Autobauer Citroën etwa verdoppelt die staatliche Prämie und gibt auf sein elektrisches Einstiegsmodell e-C3 noch einmal bis zu 6000 Euro zusätzlichen Rabatt. Damit ist der kleine Stromer in seiner Basisversion schon für rund 8000 Euro zu haben. Ein Reichweiten- und Ladewunder ist das Modell zwar nicht – es kommt rund 200 Kilometer mit einer Batteriefüllung – aber auf jeden Fall günstiger als ein neuer Verbrenner.

Auch der US-Autobauer Ford teilte noch am Montag mit, man gebe auf bestimmte Elektromodelle ab sofort 5000 Euro Nachlass, „unabhängig von Einkommen oder Familiengröße.“ Somit könnten Kunden zusammen mit der staatlichen Prämie bis zu 11 000 Euro Rabatt erhalten. Da die Förderung des Bundes rückwirkend zum 1. Januar 2026 gilt, können sich auch Autokäufer freuen, die ihr Fahrzeug schon in den vergangenen drei Wochen zugelassen haben. Denn die Prämie kommt dann noch einmal extra obendrauf, beziehungsweise wird dann vom Staat in ein paar Monaten ausbezahlt. Bei einem Dacia Spring etwa, der zuletzt rund 12 000 Euro kostete, würde sich dann der tatsächliche Preis auf bis zu 7000 Euro reduzieren.

„Rabatte in dieser Höhe sind für jeden Hersteller ein Minusgeschäft“, sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management. An einem E-Auto, das auf einmal weniger als 10 000 Euro kostet, verdiene ein Unternehmen kein Geld. „Dass es jetzt trotzdem solche Angebote gibt, zeigt, wie hoch der Druck bei den Herstellern ist, ihre E-Autos zu verkaufen“, ist Bratzel überzeugt. Denn mittlerweile ist die Auswahl an E-Automodellen in jedem Preis- und Größensegment hoch. Wer sich dort gegen die Konkurrenz behaupten will, muss zwangsläufig die Preise möglichst niedrig halten – und mitziehen, wenn andere Rabatte geben.

Zudem lastet insbesondere auf den europäischen Herstellern der Druck, die CO₂-Ziele der EU einzuhalten. Dafür müssen sie rund ein Viertel ihrer Flotte rein elektrisch verkaufen. Das wird mit zunehmender Konkurrenz durch chinesische Hersteller alles andere als leicht. Denn die nutzen die neue staatliche Förderprämie bereits, um ihre oft ohnehin schon preiswerten Modelle noch günstiger anzubieten. So findet sich zum Beispiel bei mehreren Autohändlern ein Leasingangebot für den chinesischen Kleinwagen Leapmotor T03 für nur 18 Euro pro Monat – gerechnet auf 36 Monate und 5000 Kilometer Laufleistung pro Jahr. Nicht nur deshalb warnt Autoforscher Stefan Bratzel: „Der ruinöse Preiskampf, der in China schon lange tobt, könnte bald auch zu uns kommen.“