Die Geschichte von einer der wohl kuriosesten Verletzungen der Fußball–Bundesliga schien eine schöne Wendung zu nehmen. Doch auch diesmal fand das Spiel kein gutes Ende für den FC Augsburg, der gerade einen Hang zum Unhappy End entwickelt. Wie schon beim 1:1 gegen Union Berlin am Donnerstag verspielte der FCA auch am Sonntagabend beim 2:2 gegen den SC Freiburg einen Heimsieg, diesmal sogar nach einem Zwei-Tore-Vorsprung. Das 2:0 für Augsburg hatte Elvis Rexhbecaj erzielt. Er war deshalb zum Einsatz gekommen, weil sich bei Teamkollege Kristijan Jakic die linke Wade gemeldet hatte. Nach der Halbzeitpause war jener Jakic gerade auf den letzten Stufen der Treppe im Spielertunnel unterwegs gewesen, als der Muskel spontan den Dienst verweigerte. Jakic setzte sich hin und trat nach kurzer Behandlung humpelnd den Rückweg in die Kabine an. Fertig war der Treppenwitz der Saison.
Es hat schon viele erstaunliche Verletzungen im Fußball gegeben. Der frühere Wolfsburger Charles Akonnor rammte sich einst eine Autoantenne in die Nase. Finnlands Legende Jari Litmanen konnte monatelang nicht spielen, weil ihm sein Sportchef einen Flaschenkorken ins Auge geschossen und die Netzhaut ramponiert hatte. Und Franz Michelberger erlitt anno 1975 im Trainingslager des FC Bayern in Israel eine Knieblessur, nachdem ihn ein Kamel gegen den Mannschaftsbus geschubst hatte.

:Zeitenwende im Schnelldurchlauf
Zur Pause begleiten laute Pfiffe die Mannschaft des 1. FC Köln in die Kabine – Mainz führt 1:0. Dann trifft Lukas Kwasniok eine mutige Entscheidung – und eine Halbzeit später erklären die Kölner ihre Ergebnis- und Trainerkrise für beendet.
Bei Augsburgs Jakic war die Verletzung vor allem deshalb so kurios, weil sie ohne erkennbaren Anlass aufgetreten war. „Sechs Stufen, bevor es in die zweite Halbzeit reinging, hat der Wadenmuskel zugemacht“, sagte sein Trainer Manuel Baum und berichtete von einer Ursachenforschung per Videostudium. Doch auch der WAR (Waden Assistant Referee) konnte kein Vergehen feststellen. Jakic war weder umgeknickt noch ausgerutscht, es war schlicht nichts passiert. „Es gibt im Fußball nichts, was es nicht gibt“, sagte Baum schmunzelnd.
Lustig fanden die Augsburger diesen Treppenwitz aber natürlich nicht, und ihrer Laune war es ebenso wenig zuträglich, dass sie ihre ordentliche Leistung nicht in den vollen Ertrag überführt hatten. Dabei zog der plötzliche Ausfall von Jakic zunächst keine negativen Konsequenzen nach sich, im Gegenteil. Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit ging Augsburg durch einen Volleyschuss von Alexis Claude-Maurice in Führung (47.). Kurz darauf erhöhte Rexhbecaj per Kopf (49.). Doch die Glücksgefühle sind bei den Augsburgern gerade so flüchtig wie manch ein Urlaubsflirt.
Geplant war ein Aufbruch in bessere Zeiten – nun steht harter Abstiegskampf gegen direkte Konkurrenten bevor.
So kurz hintereinander die Gastgeber ihr 2:0 herbeigeführt hatten, so schnell waren sie den Vorsprung auch wieder los. Nach zwei Freiburger Ecken trafen Yuito Suzuki (60.) mit einem kunstvollen Volley und Igor Matanovic per Abstauber (62.). „Am Ende leider ein enttäuschender Abend. Du hättest sechs Punkte haben können, hast leider nur zwei Punkte, und so stehst du weiter unten drin“, sagte Rexhbecaj über die jüngsten beiden Heimspiele. Der 28-Jährige war durch die Treppenblessur des Kollegen Jakic so plötzlich zum Einsatz gekommen, dass er sich gar nicht aufwärmen konnte. Passend zur Verletzung hinterließ Rexhbecaj einen kuriosen Satz, der die Lage der abstiegsgefährdeten Augsburger treffend zusammenfasste. „Du führst 2:0 zu Hause, machst wieder ein gutes Spiel, oder ein besseres Spiel, sagen wir es mal so – und hättest sehr, sehr gerne die drei Punkte mit nach Hause nehmen müssen“, sagte Rexhbecaj.
Beim FCA müssen sie nun aufpassen, dass die große Erzählung dieser Saison nicht auch ein Unhappy End für sie nimmt. Am Samstag geht es zum FC Bayern, ehe die Agenda bis Ende Februar Spiele gegen St. Pauli, in Mainz, gegen Heidenheim, in Wolfsburg und gegen Köln vorsieht. Nach diesen Vergleichen mit den Konkurrenten im Abstiegskampf dürfte klar sein, ob sich die Augsburger auf ein langes Ringen um die Versetzung einstellen müssen. Wie gefährlich sich ihre Situation darstellt, war ihnen am Samstag vor Augen geführt worden, als sie sich in der Blitztabelle zwischenzeitlich auf dem Relegationsplatz wiederfanden, punktgleich mit dem Vorletzten.
Auch das zeigte, dass sich in Augsburg eine Saison, von der sie sich im Sommer mit ihrem neuen Trainer Sandro Wagner einen Aufbruch und Fortschritt erhofft hatten, ins Gegenteil verkehren könnte. Statt des Anfang Dezember entlassenen Wagner versucht Baum nun Schlimmeres zu verhindern. Auch weil die Leistungen zuletzt eine leicht steigende Tendenz zeigten, gibt er sich zuversichtlich: „Wir haben schon noch ein bisschen mehr im Köcher, davon bin ich überzeugt“, sagte Baum. Eine Anspielung auf die kuriose Verletzung von David Seaman sollte das übrigens nicht sein. Englands ehemaliger Nationaltorwart hatte sich einst die Schulter ausgekugelt, als er beim Angeln einen 26 Pfund schweren Karpfen aus dem Wasser ziehen wollte.
