Engel fliegen am Trapez durch die Manege, ein Schneesturm hüllt das ganze Publikum ein und der Hofnarr übernimmt die Macht, nachdem der alte König nicht mehr da ist. Mit der Show „Alegría“ katapultiert der Cirque du Soleil das Publikum hinaus aus der Realität und hinein in ein verwunschenes Königreich.
In dieser Mischung aus Tausendundeiner Nacht und dem Hof des Sonnenkönigs gibt es Nymphen, Engel, sich duellierende Clowns, junge Rebellen und affektierte Adelige, die dem neuen Machthaber huldigen. Doch eine revolutionäre Stimmung liegt in der Luft.
Dass der Cirque du Soleil die besten Artisten der Welt anzieht, ist kein Geheimnis und so bietet auch diese Show Boden- und Luftakrobatik auf höchstem Niveau. Neben klassischen Nummern wie dem synchronen und dem besonders spektakulären fliegenden Trapez überrascht „Alegría“ auch mit ungewöhnlichen Disziplinen. Zum Beispiel den Acro-Poles, wobei die Artisten Stäbe, wie man sie sonst vom Stabhochsprung kennt, nutzten, um sich gegenseitig in die Luft zu katapultieren.
Im Zentrum von „Alegría“ steht ein Hofnarr
Aber Cirque du Soleil ist immer mehr als die Summe aller akrobatischen Darbietungen. Der Zirkus erzählt eine Geschichte. In diesem Fall steht der Hofnarr Mr. Fleur (Bohdan Zavalishyn) im Zentrum. In einem heruntergekommenen Königreich, die eins opulenten Kleider des Adels sind längst fadenscheinig geworden, ergreift er die Macht.
Um ihn herum wird die Monarchie von einer jungen Rebellion herausgefordert, die Engel steigen vom Himmel herab und Mr. Fleur selbst erkennt, dass er die Macht nicht brauch, um glücklich zu sein. In einer Art Parabel erzählt die Show von Machtgier und freiwilligem Machtverzicht.

© Johanna Kippe
von Johanna Kippe
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„Ich habe immer davon geträumt Mr. Fleur zu spielen“, erzählt Bohdan Zavalishyn im Interview. Er kam 2008 zum Cirque du Soleil und der originalen Version von „Alegría“. Bereits zu dieser Zeit habe ihn die Leichtigkeit des Charakters gepackt. Zusätzlich zu seiner schauspielerischen Rolle ist Zavalishyn Trainer und Artist beim Powertrack. Dabei vollführen die Rebellen auf zwei langen Trampolin-Bahnen allerhand Kunststücke.
Zum Zusammenleben im Zirkus erzählt Zavalishyn: „Wir kommen aus verschiedenen Kulturen, verschiedenen Religionen, aber vor und hinter der Bühne sind wir ein. Das macht diese Company für mich magisch.“
In dieser internationalen Gemeinschaft, insgesamt sind 25 Nationen vertreten, findet sich auch ein Deutscher. Der Trapez-Künstler Nicolai Kuntz ist beim Zirkus Krone aufgewachsen, wodurch er „das Reisen gewöhnt“ ist.
Der besondere Zauber von Soleil entsteht auch durch die Kostüme, das Bühnenbild, das Licht, die Musik. Auch hier spiegelt sich das Bröckeln der alten Ordnung und der Aufbruch in eine neue, modernere Zeit. Fünf Musiker spielen live. Dazu kommen zwei Sängerinnen, eine Mezzosopranistin und eine Sopranistin.

© Anne-Marie Forker
von Anne-Marie Forker
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Die ursprüngliche „Alegría“-Produktion von 1994 tourte stolze 24 Jahre lang in 255 Städten und 40 Ländern. Insgesamt 14 Millionen Zuschauer verfolgten die Show. Damit die Neuauflage dieses Cirque du Soleil-Klassikers jetzt nicht wie ein Musemsstück der 90er wirkt, wurde die Show an vielen Stellen modernisiert und an die weiterentwickelten technischen Möglichkeiten angepasst.
Auch während des Tourbetriebs gesteht die Show sich selbst und den Künstlern Veränderung zu. „Im Grunde bleibt die Show gleich, aber wir versuchen Stück für Stück immer ein wenig besser zu werden“, erklärt Nicolai Kuntz.
Ein ganzes Dorf für die Artisten
Und auch Artistic Director Rachel Lancaster sagt: „Es geht auch darum den Artisten Raum zu geben sich auf den langen Tourneen weiterzuentwickeln.“ Durch diese Grundhaltung behält die Show auch nach unzähligen Vorstellungen ihre magische Lebendigkeit.
„Viele Sportler trainieren hart, um alle vier Jahre für zwei Minuten bei Olympia ihre höchstens Level zu zeigen“, sagt Lancaster. Bei Soleil heißt es hingegen acht- bis zehnmal die Woche: Manege frei für artistische Höchstleistung.

© Anne-Marie Forker
von Anne-Marie Forker
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Um die Show zu stemmen gingen dem Tourstart intensive Vorbereitungen im kanadischen Montreal voraus. Auf Tour trainieren die Artisten einmal pro Woche ihre jeweiligen Disziplinen. Hinzu kommen tägliches Krafttraining und zwei, manchmal sogar drei Vorstellungen am Tag.
All dies findet im „Dorf“ statt. Aus vielen LKWs und drei Zelten werden das Vorstellungszelt, Trainingsorte, eine Küche, Büros und Werkstätten. Dieses „Dorf“ wird nicht nur von den Cirque du Soleil-Teammitgliedern bevölkert, viele von ihnen werden von ihren Familien oder Partnern begleitet.
Cirque du Soleil: vom 5. Februar bis zum 15. März auf der Theresienwiese, Tickets zwischen 59 Euro und 79 Euro, es gibt Gruppen- und Familientickets, mehr Infos unter www.cirquedusoleil.com
