Bätzings Rückzug: Die Lücke ist nicht groß


Dass Bischofskonferenzen über mehrere Wahlperioden an ihren Vorsitzenden festhalten, ist in der katholischen Kirche äußerst ungewöhnlich. Zwar sagt das allgemeine Kirchenrecht nichts über die Dauer einer Amtszeit und die Möglichkeit einer Wiederwahl. Aber die Statuten der meisten Konferenzen entsprechen dem ungeschriebenen Willen der römischen Kurie, durch regelmäßige Wechsel an der Spitze jeden Versuch im Keim zu ersticken, dass sich so etwas wie regionaler Eigensinn entwickeln könnte, von Selbstbewusstsein gar nicht zu reden.

Frings, Döpfner, Lehmann

Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich dieser römisch-zentralistischen Logik lange entzogen. Namen wie Josef Frings, Julius Döpfner und Karl Lehmann standen für eine theologisch anspruchsvolle, gesellschaftlich tief verwurzelte und politisch einflussreiche Kirche.

Streit mit Rom ging niemand der drei aus dem Weg – Frings nicht während des II. Vatikanischen Konzils, Döpfner nicht über „Humanae vitae“ und die Ostpolitik, Lehmann nicht über die Schwangerenkonfliktberatung.

Bätzing hingegen hat sich in Deutschland wie im Vatikan Seite an Seite mit Aktivisten aus den Reihen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) für eine innerkirchliche Reformagenda verkämpft, deren theologischer Gehalt ebenso dürftig ist wie ihre ­gesellschaftliche Relevanz.

Entsprechend klein ist die Lücke, die er hinterlässt.