Schweres Zugunglück in Spanien: Mindestens 39 Tote in der Provinz Córdoba – Panorama

Bei einem schweren Zugunglück in der spanischen Region Andalusien sind nach einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders RTVE unter Berufung auf die Polizeieinheit Guardia Civil mindestens 39 Menschen ums Leben gekommen. Viele Dutzend weitere sind übereinstimmenden spanischen Medienberichten zufolge teils schwer verletzt worden. Die Zeitungen El País und El Mundo beziffern die Zahl der Schwerverletzten auf 24.

Nach bisherigen Erkenntnissen war ein Hochgeschwindigkeitszug des in Spanien tätigen italienischen Bahnbetreibers Iryo gegen 19.40 Uhr in der Provinz Córdoba aus dem Gleis gesprungen, die letzten drei Waggons gerieten auf das Nachbargleis. Ein entgegenkommender Zug der Gattung Alvia der spanischen Bahngesellschaft Renfe kollidierte frontal mit dem entgleisten Iryo-Zug und sprang ebenfalls aus den Gleisen. Diesen Ablauf bestätigte die spanische Schienennetzbetreibergesellschaft Adif am Abend in einer Kurzmitteilung auf X. Wie der Verkehrsminister bestätigte, wurden die ersten beiden Waggons des Renfe-Zugs bei der Kollision weggeschleudert.

In beiden Zügen kamen Passagiere ums Leben, berichten spanische Medien übereinstimmend. Eines der Todesopfer soll der 36-jährige Lokführer des Alvia-Zugs sein. Der Zug von Iryo war von Málaga nach Madrid unterwegs gewesen, der Renfe-Zug in der Gegenrichtung von Madrid nach Huelva.

317 Passagiere waren nach Angaben des staatlichen Fernsehens in den Wagen des Iryo unterwegs, als die letzten drei Waggons dieses Zuges an einer Weiche auf Höhe Adamuz entgleisten. Zahlreiche Fahrgäste waren nach dem Unfall in den Zügen eingeschlossen, wie der spanische Sender RTVE unter Berufung auf die Rettungsdienste berichtete. In Telefoninterviews berichteten Reisende, die das Unglück unverletzt überstanden, über mangelnde Informationen seitens der Behörden und Bahnmitarbeiter. Hilfesuchend posteten Angehörige in der Nacht zum Montag auf X Bilder von Vermissten.

„Plötzlich klang es wie ein Erdbeben“

Nach Angaben des Schienennetzbetreibers Adif wird die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Andalusiens Provinzhauptstädten den gesamten Montag über gesperrt bleiben. In einer offiziellen Stellungnahme drückte das Unternehmen Iryo sein Bedauern über den Unfall aus und betonte, alle Notfallmaßnahmen eingeleitet zu haben.

Der Minister für Verkehr und nachhaltige Mobilität, Óscar Puente, traf noch am Abend in einem Krisenzentrum in Spaniens Hauptstadt Madrid ein. „Die Regierung arbeitet gemeinsam mit den zuständigen Behörden und den Rettungsdiensten daran, den Fahrgästen zu helfen“, schrieb der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez auf X. Ein für Montag geplantes Treffen mit dem spanischen Oppositionsführer wurde abgesagt. „Wir sprechen den Familien und Freunden der Verstorbenen unser tiefstes Beileid aus und wünschen den Verletzten eine rasche Genesung“, erklärte die zurzeit in Griechenland weilende Königsfamilie in einer Mitteilung. Der Schienennetzbetreiber Adif hat eine Telefonhotline für Betroffene eingerichtet.

Der Zug entgleiste an einer Weiche in der Nähe der 4100-Einwohner-Gemeinde Adamuz.
Der Zug entgleiste an einer Weiche in der Nähe der 4100-Einwohner-Gemeinde Adamuz. (Foto: Leonardo Benassatto/Reuters)

Ein spanischer Rundfunkjournalist, der in dem Iryo-Zug aus Málaga in Richtung Madrid reiste, berichtete im Staats-TV: „Wir sind pünktlich um 18.40 Uhr in Málaga mit Ziel Madrid abgefahren. Ich saß im ersten Waggon. Plötzlich klang es wie ein Erdbeben, und tatsächlich war der Zug entgleist. Sofort wurde medizinisches Personal gerufen, die Fenster wurden mit Hämmern eingeschlagen, und schließlich wurden wir in Sicherheit gebracht.“ Eine Passagierin wird in El Mundo zitiert: „Der Zug hat plötzlich stark gebremst, und einige Sitze wurden aus ihrer Verankerung gerissen. Ich dachte, ich würde sterben.“

In Spanien rechnet man mit noch weiteren Toten, ein Waggon soll eine vier Meter tiefe Böschung hinuntergestürzt sein. Einer der Waggons sei nur noch ein „Eisenklumpen“, sagte der Präsident der andalusischen Regionalregierung, Juanma Moreno, dem staatlichen Fernsehen. Es müsse schweres Gerät zum Einsatz kommen.

Die Ursache ist noch unklar. Der Verkehrsminister Óscar Puente bezeichnete den Unfall als „völlig rätselhaft“. Laut RTVE war der betroffene Streckenabschnitt völlig gradlinig. Der Verkehrsminister erklärte, dieser sei erst im Mai 2025 für 700 Millionen Euro saniert worden. „Er war angeblich in einwandfreiem Zustand.“ Der entgleiste Iryo-Zug sei mit vier Jahren „relativ neu“. Eine Untersuchung soll klären, wie es zur Entgleisung kam.

Das Hochgeschwindigkeits-Bahnnetz Spaniens ist das größte Europas und das zweitgrößte der Welt, hinter China. Auf einer Gesamtstrecke von fast 3800 Kilometern wird mit 300 Kilometern pro Stunde gefahren. Passagiere können zwischen verschiedenen Anbietern, Preisen und Zugtypen wählen. Auf vielbefahrenen Strecken wie Madrid—Barcelona und Madrid—Sevilla konkurriert die staatliche spanische Betreibergesellschaft Renfe mit privaten Anbietern wie Iryo, der italienische Frecce-Züge benutzt, oder dem französischen Billiganbieter Ouigo, der doppelstöckige Züge einsetzt. Das Hochgeschwindigkeitsnetz Spaniens ist sternförmig strukturiert und stark auf die Hauptstadt Madrid zugeschnitten.