„Love me tender” an den Münchner Kammerspielen: Sex versus Sorgerecht – Kultur

Die Ausgangssituation ist entsetzlich lähmend: In Constance Debrés Roman „Love Me Tender“ gibt es keine wörtliche Rede, hier und da mal einen angedeuteten, knappen Dialog. Der stark autobiografische Text der französischen Autorin gleicht eher einem Protokoll, dem Bericht einer Frau, die aus ihrem bürgerlichen Leben als Anwältin und Mutter aussteigt, sich fortan mit Frauen trifft – wobei hier „ficken“ ihre liebste Vokabel ist – und an dem Sorgerechtsstreit um ihren Sohn fast zerbricht. „Love Me Tender“ ist kein Text für die Bühne. Wie zum Trotz beweist Felicitas Brucker mit ihrer Inszenierung an den Münchner Kammerspielen das Gegenteil, sie macht daraus einen furiosen Schauspielerinnen-Abend.