Trumps Grönland-Zölle: „Die USA schießen ein Eigentor“


Die wirtschaftlichen Auswirkungen der vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump angekündigten Grönlandzölle auf Deutschland sind vergleichsweise gering. Der ökonomische Schaden liegt überwiegend auf Seite der Vereinigten Staaten. Zu diesem Schluss kommen Ökonomen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel in einer ersten Bewertung.
„Die Vereinigten Staaten schießen mit ihren Einfuhrzöllen ein Eigentor“, sagt Julian Hinz vom IfW.

Trump hatte am Samstag einen „Grönlandzoll“ von 10 Prozent auf die Einfuhr aller europäischen Staaten angekündigt, die in den vergangenen Tagen auf Einladung Dänemarks Soldaten auf Erkundungsmission nach Grönland geschickt hatten. Dazu gehören Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich, die nordischen Staaten Schweden, Finnland und Norwegen und die Niederlande. Sollte es bis zum Sommer keine Einigung im Grönlandstreit geben, will Trump den Zoll auf 25 Prozent anheben.

Ein Grönlandzoll von 10 Prozent wird gemäß einer ersten Berechnung des IfW die deutsche Produktion auf Sicht von einem Jahr nur um 0,08 Prozent senken. „Das ist kaum zu spüren“, sagt Hinz. Für die gesamte Europäische Union ist der Effekt mit 0,04 Prozent noch geringer. Unterstellt ist in dieser Berechnung, dass deutsche Exporteure ihre Produkte in andere Länder als in die Vereinigten Staaten schicken und damit den Zöllen ausweichen können. Der Export nach Amerika sänke, aber die Produktion würde kaum getroffen.

Trumps Zölle zahlen die Käufer

Stärker betroffen sind nach der Analyse Norwegen und das Vereinigte Königreich mit einem negativen Impuls auf die Produktion von 0,26 und 0,19 Prozent. Das liegt daran, dass diese Länder weniger Ausweichmöglichkeiten im Export haben.

Für die Vereinigten Staaten haben die Kieler Ökonomen den negativen Effekt auf die dortige Produktion mit minimalen 0,02 Prozent beziffert. Das ist aber nur ein Teil der Geschichte. Denn in einer weiteren Analyse, die an diesem Montag veröffentlicht wird, zeigen die Ökonomen, dass Trumps Zölle fast vollständig von den Käufern in Amerika gezahlt werden.

96 Prozent der Einfuhrzölle, die Trump seit dem 2. April vergangenen Jahres eingeführt hat, gehen danach zu Lasten der Käufer und Importeure in den USA. Nur vier Prozent der Zolllast werden von den ausländischen Exporteuren getragen. „Im Großen und Ganzen gibt es keine Preisnachlässe“, sagt Hinz. „Die Zolleinnahmen zahlen die Amerikaner.“

„Verkaufen in Amerika wegen der Einfuhrzölle natürlich weniger“

Hinz und seine Mitautoren haben dafür untersucht, wie die ausländischen Unternehmen, die Waren in die USA exportieren, auf die Zollerhöhungen Trumps seit vergangenem April reagiert haben. Der Löwenanteil der Unternehmen hat danach seine Exportpreise in die USA gar nicht oder nur minimal nach unten angepasst. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Importeure und die Käufer in den Vereinigten Staaten die Zölle auf die eingeführten Waren bezahlen.

Trumps Regierung beziffert die Zusatzeinnahmen durch die seit April eingeführten Zölle auf 200 Milliarden Dollar. „Das sind 200 Milliarden Dollar, die Trump weit überwiegend den amerikanischen Unternehmen und Haushalten auferlegt hat“, sagt Hinz. „Aber wir verkaufen in Amerika wegen der Einfuhrzölle natürlich weniger.“

So schaden die Zölle Trumps den deutschen Exporteuren. Ihre Ausfuhr in die Vereinigten Staaten ist im vergangenen Jahr zunehmend gesunken. Das schließt Hinz auch für die nun von Trump angekündigten Grönlandzölle nicht aus. Er erwartet aber, dass die Exporteure den Einfuhrabgaben ausweichen können. Trump hat die Zölle nur einer Reihe von Staaten der Europäischen Union, aber nicht der gesamten EU auferlegt. Damit könnten europäische Unternehmen Waren künftig formal über Tochterunternehmen in anderen, nicht von den Zöllen betroffenen europäischen Staaten nach Amerika schicken. „Ich erwarte, dass künftig mehr aus Luxemburg exportiert wird“, sagte Hinz.