

Wenn man wissen will, wie man sein Geld richtig, also möglichst gewinnbringend, anlegen kann, ist es gar keine so dumme Idee, zunächst einmal eine Künstliche Intelligenz wie ChatGPT dazu zu befragen. Die lieferte F.A.Z.-Redakteur Sascha Zoske zwar zunächst einmal eine recht ernüchternde Antwort, nämlich, dass sie keine Anlagetipps geben dürfe. Sie gab aber auch einen guten Rat: Man möge sich überlegen, was denn das Ziel der Anlage sei.
Es war die Frage, die auch Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management und Experte für Vermögensverwaltung und Altersvorsorge, im Gespräch mit Zoske immer wieder stellte. In der Reihe „Wissenschaft im Dialog“, die von der Polytechnischen Gesellschaft, dem Kunstgewerbeverein und der F.A.Z.-Vorteilswelt veranstaltet wird, ging es um die Frage, wie man sein Geld am besten vermehrt.
Im Fonds ist das Geld auch bei Pleiten nicht weg
Dafür muss man offensichtlich kein Experte sein, sondern vor allem wissen, was man will. Natürlich hilft es beim Vermögensaufbau, ein paar Grundlagenkenntnisse zu haben und im Ansatz zu verstehen, was man tut. Ein Kürzel, das dabei immer wieder fällt, ist „ETF“ – es steht für „Exchange Traded Fund“, also börsengehandelter Indexfonds. Ein Produkt, das in den vergangenen Jahren Karriere gemacht hat. Vorteile sind laut Stotz unter anderem, dass es sich um ein einfaches Konstrukt handelt, das breite Marktindizes abbildet und kostengünstig ist. Zudem hat es, im Gegensatz zu einem Zertifikat zum Beispiel, den Vorteil, dass das Geld relativ sicher ist. „Geht der Anbieter pleite, ist das Geld nicht weg“, sagte Stotz. Beim Zertifikat hingegen gebe es ein gewisses Ausfallrisiko.
ETF, Anleihen, Zertifikate, Pfandbriefe – Stotz erläuterte die verschiedenen Anlagemöglichkeiten und ihre Vor- und Nachteile. Wer sich zwischen ihnen entscheiden will, muss auch wissen, worauf er Wert legt: Ist es Sicherheit? Soll das Geld schnell verfügbar sein? Oder soll die Rendite möglichst hoch sein? Zwischen Sicherheit und Rendite gibt es laut Stotz einen gewissen Zusammenhang. Beides zusammen wird man kaum maximiert bekommen, Verlustrisiko und Zeithorizont hängen zusammen. Auch bei ETF gebe es je nach Asset-Klasse große Unterschiede. Investiere man in den Geldmarkt, sei die Verlustwahrscheinlichkeit marginal. Bei einem breit angelegten Welt-ETF gebe es ein gewisses Verlustrisiko, das aber abhängig sei vom Zeithorizont. Wie lang oder kurz dieser sei, davon hänge die Verlustwahrscheinlichkeit ab.
Es gibt keine absolute Sicherheit
Doch auch wenn man sich für vermeintlich sichere Varianten und zum Beispiel solide ETF entscheidet: Gefeit davor, Geld zu verlieren, sei niemand. „Sie können mit jedem Finanzprodukt einen Totalverlust erleiden“, sagte Stotz. Man brauche eine gewisse Ausgeruhtheit, sollte nicht auf gehypte Themen springen, zu denen derzeit unter anderem Künstliche Intelligenz zähle. Auch sprunghafte Investitionen, der Versuch, überall ein bisschen mitzuinvestieren, seien nicht zielführend und im Schnitt wenig erfolgreich. „Hin und Her macht die Taschen leer“, sagte Stotz. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse seien da eindeutig. Wer wenig handle, mache eher Gewinn als derjenige, der viel handle. „Daytrading“ und andere Experimente empfahl Stotz nur für den Fall, dass man Freude daran habe. Oder etwas lernen wolle. „Spaß kann auch ein Anlageziel sein.“ Eine weitere eindeutige Erkenntnis der Wissenschaft sei, dass Menschen dazu neigten, sich zu überschätzen.
Man sollte sich auch nicht blenden lassen. Zum Beispiel von Gold. Oder Edelmetallen allgemein. Die Preise dafür sind in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. Sind das deswegen gute Anlagemöglichkeiten? Nein, sagte Stotz. „Es gibt gute Gründe, die Finger davon zu lassen.“ Gold bringe von sich aus, im Gegensatz zu Fonds oder Aktien, keine Rendite, man müsse jemanden finden, der es kaufe. Zudem ist, wie spektakuläre Bankeinbrüche zeigen, auch die Aufbewahrung im Schließfach nicht ohne Risiko.
Wer auf Kryptowährungen setzt, muss sich zumindest nicht vor Dieben fürchten. Doch längst nicht alle Anleger dürften erklären können, wie digitales Geld erzeugt und gespeichert wird. Es sei keine gute Idee, für die Altersvorsorge in Kryptowährungen zu investieren, sagte der Anlageexperte. Aber generell müsse man nicht jedes Finanzprodukt, das man erwerbe, bis ins Letzte verstehen. „Man braucht Grundkenntnisse, ja, aber Detailwissen ist nicht notwendig“, sagte Stotz. Eine solide Altersversorgung aufzubauen, sei für jeden möglich.
