Sie ist Khamenei ein Dorn im Auge

Masih Alinejad wandte sich am Donnerstag im UN-Sicherheitsrat direkt an den Vertreter der Islamischen Republik. Die iranisch-amerikanische Aktivistin drehte sich kurz zu Gholamhossein Darzi um, der ungerührt ins Leere blickte. Dann sagte sie: „Sie haben dreimal versucht, mich umzubringen.“

Mit ihren eigenen Augen habe sie den Auftragsmörder vor ihrem Haus in Brooklyn gesehen. Im vergangenen Oktober wurde der Mann zusammen mit einem Komplizen wegen versuchten Mordes an Alinejad zu 25 Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft warf der Revolutionsgarde vor, die Killer angeheuert zu haben, um „eine der lautstärksten, international anerkanntesten und effektivsten Kritikerinnen des Regimes zum Schweigen zu bringen“.

Nicht der erste Mordversuch

Nach Erkenntnissen der Ermittler war es nicht der erste Versuch, die Aktivistin mit der spitzen Zunge in den USA zu entführen oder zu töten.

Die Neunundvierzigjährige ist dem iranischen Regime so sehr ein Dorn im Auge, dass sogar der Oberste Führer Ali Khamenei schon gegen sie gehetzt hat. In einer Rede vor Offiziersanwärtern forderte er die Streitkräfte 2022 auf, klar Stellung gegen Alinejad zu beziehen. Zuvor hatte diese im Zusammenhang mit der Frau-Leben-Freiheit-Bewegung geäußert, dass der Kopftuchzwang in Iran genauso fallen werde wie die Berliner Mauer.

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Laut ihren eigenen Schilderungen hat sie sich schon als Teenager, damals noch in Iran, für Freiheit eingesetzt. Sie las verbotene Bücher und verteilte Flugblätter für eine Untergrundgruppe. Dafür sei sie einen Monat lang inhaftiert und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, sagt sie.

Einmal kehrte sie noch zurück

Später arbeitete Alinejad als Parlamentsreporterin in Teheran und brachte mit kritischen Berichten die Hardliner gegen sich auf. In einem Fall sah sich der Verleger ihrer Zeitung, der frühere Parlamentssprecher Mehdi Karroubi, zu einer Entschuldigung gezwungen. 2007 ging Alinejad zum Studium nach London, kehrte aber zurück, bevor sie schließlich in die USA zog und von dort aus in persischsprachigen Auslandsmedien und Büchern weiter über Iran berichtete.

International bekannt wurde sie 2014 mit der Facebook-Seite „Meine heimliche Freiheit“, auf der Iranerinnen Fotos von sich selbst ohne Kopftuch veröffentlichten. Stets trägt sie eine Blume als Markenzeichen im Haar.

Während der jüngsten Proteste hat sie den amerikanischen Präsidenten mehrmals aufgerufen, in Iran militärisch zu intervenieren. In ihrem Vortrag vor dem Sicherheitsrat verlas sie stellvertretend für die mehr als 3000 Toten die Namen etlicher getöteter Demonstranten und deren letzte Worte in sozialen Medien. Einer von ihnen soll gesagt haben, er nehme an den Protesten teil, „weil Präsident Trump versprochen hat, unser Leben zu retten“.