

Der Friedensnobelpreis als Eintrittspreis ins Weiße Haus? Warum nicht? Er besteht ja (unter anderem) aus einer Münze, einem altbewährten Zahlungsmittel. Aus 18-karätigem Gold ist sie auch, das trifft den Geschmack des Präsidenten und seinen Politikstil, der nicht ohne Grund als „transaktional“ beschrieben wird.
Aber im Ernst: Dass die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado ihren Preis an Trump weitergibt, zeigt, dass das Norwegische Nobelkomitee seiner gar nicht so kurzen Liste an Missgriffen im vergangenen Jahr einen weiteren hinzugefügt hat.
Weiter mit dem alten Regime
Machado war „vor allem für ihre Bemühungen zur Förderung der Demokratie in Venezuela“ ausgezeichnet worden, wie es in der Begründung hieß. Und nun schenkt sie ihre Medaille einem Mann, der in ihrem Land zwar den Despoten gestürzt hat, aber mit dem alten Regime weitermacht, Wahlen ablehnt und sie selbst nicht in Verantwortung sehen will. Venezuela ist derzeit nicht auf dem Weg zu einer Demokratie, sondern zu einer informellen Kolonie der USA, und Machado spricht von einer Anerkennung für Trumps „einzigartiges Engagement für unsere Freiheit“.
Man fragt sich, wer mit größerer Blindheit geschlagen ist: die ausgebootete Preisträgerin, die sich bei Trump einkaufen will, oder das Osloer Komitee, das Machado ausgewählt hatte, um Trump eins auszuwischen. Es bleibt wieder mal die Erkenntnis, dass dieser Preis die Aufmerksamkeit nicht wert ist, die er international erfährt.
