Social-Media-Verbot: Australische Eltern erleben Kinder wie verwandelt

Die langen Sommerferien, die sich in Australien und anderen Ländern auf der Südhalbkugel langsam dem Ende zuneigen, fühlten sich „Down Under“ in diesem Jahr nach Angaben vieler Familien offenbar anders an als sonst. In dem Land war vor mehr als einem Monat das weltweit erste Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter sechzehn Jahren in Kraft getreten. „Als Mutter von drei kleinen Kindern, die unter der Altersgrenze sind, waren die letzten fünf Wochen der Schulferien für mich und meine Familie fantastisch“, sagte die Abgeordnete Kara Cook am Freitag vor Journalisten in einem Vorort von Brisbane. Sie hätten die gemeinsame Zeit ohne soziale Medien sehr genossen.

Der Anlass für die Pressekonferenz war eine Mitteilung des Ministerpräsidenten Anthony Albanese, der erste Erfolge der neuen Vorschriften vermelden konnte. „Heute können wir verkünden, dass es funktioniert“, sagte Albanese. Insgesamt seien seit der Einführung der Regeln am 10. Dezember 4,7 Millionen Konten von Australiern unter 16 Jahren gelöscht, deaktiviert oder eingeschränkt worden. „Das bedeutet, dass junge Menschen während der Schulferien nicht an ihren Geräten hängen“, sagte Albanese. „Sie lesen Bücher, treffen sich mit Freunden und Familie, interagieren miteinander. Das macht einen enormen Unterschied für sie“, sagte der Regierungschef.

Eine vorläufige Analyse der zuständigen Behörde soll zeigen, dass die Plattformen wie gefordert „sinnvolle Maßnahmen“ ergreifen, um die Altersbeschränkung durchzusetzen. Dem Regierungschef zufolge sprechen nicht nur die Zahlen, sondern auch die Rückmeldungen von Eltern sowie auch ihren Söhnen und Töchtern selbst für einen Erfolg. Viele würden sich dafür bedanken oder ihren Glauben an die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen ausdrücken. Die neue Regel verlangt von zehn der größten Social-Media-Plattformen, darunter Facebook, Instagram, X und Twitch, Konten von Personen unter 16 Jahren zu löschen. Ansonsten drohen Geldstrafen in Höhe von umgerechnet bis zu 28,5 Millionen Euro.

Kampf gegen KI-Kinderpornographie angekündigt

Wie Australiens Beauftragte für Internetsicherheit, Julie Inman Grant, mitteilte, erfüllen derzeit alle zehn betroffenen Unternehmen die Anforderungen. Die Altersfeststellung, etwa mit Hilfe von Gesichtserkennung, funktioniere „relativ akkurat“. Es liefen auch Gespräche, um gegen das Umgehen der Vorschriften durch die Eröffnung von Zweitaccounts und den Zugriff mittels eines Virtual Private Network (VPN), vorzugehen. Vor allem in den ersten Tagen nach dem Inkrafttreten der Vorschrift hätten viele Jugendliche Applikationen auf ihre Handys geladen, die den zehn betroffenen Diensten ähnlich seien. Jedoch habe sich gezeigt, dass die Nutzung dieser Alternativ-Plattformen kaum gestiegen sei. „Das war nur von kurzer Dauer“, so Imnan Grant.

Der Beauftragten zufolge leben in Australien etwa 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 15 Jahren. Einer Schätzung zufolge verfügten zudem etwa 84 Prozent der Jugendlichen zwischen acht und zwölf Jahren mindestens einen Social-Media-Account. Da viele der Betroffenen mehrere Accounts haben, lässt sich vermuten, dass weiter zahlreiche Konten in Betrieb sind. Der Beauftragten zufolge wäre es aber unrealistisch, eine komplett lückenlose Sperrung zu erwarten. Albanese zufolge sei der Erfolg ein Grund für Australien, um stolz zu sein, da die Maßnahmen nun weltweit Nachahmer fänden. So habe Frankreich ähnliche Änderungen angekündigt, aber zuvor auch Indonesien, Malaysia, andere europäische Regierungen und einige Bundesstaaten in den Vereinigten Staaten.

Dabei äußern neben einigen Plattformen auch einige Jugendliche sowie Aktivisten für Internetfreiheit weiter Kritik an dem Verbot. Der Konzern Meta, der eigenen Angaben nach allein auf seiner Plattform Facebook 550.000 Konten gelöscht haben will, kritisierte abermals die „uneinheitlichen Methoden“ bei der Feststellung des Nutzeralters.

Australiens umtriebige Beauftragte für Internetsicherheit wendet sich derweil schon wieder dem nächsten Problem zu: Der Verbreitung von mit künstlicher Intelligenz erstellter Kinderpornographie und KI-Bildern echter Personen, die ohne Zustimmung nackt oder leicht bekleidet dargestellt werden. „Während wir heute über soziale Medien sprechen, denken wir darüber nach, wie wir junge Menschen vor noch potentiell katastrophaleren Schäden durch KI schützen können“, so Imnan Grant.