

Es fällt vieles zusammen für den Regisseur Jafar Panahi, dessen Film „Ein einfacher Unfall“ zurzeit in den deutschen Kinos läuft. Bei den „National Board of Review Awards“ wurde sein Werk am 14. Januar als bester internationaler Film ausgezeichnet, nachdem Panahi dafür 2025 bereits die Goldene Palme in Cannes gewonnen hatte. Ein Anlass zur Freude für ihn – eigentlich –, doch in Anbetracht der gewaltsamen Ausschreitungen des Regimes gegen Demonstrierende in Iran besteht kein Grund mehr zum Feiern.
In einer Rede auf der New Yorker Zeremonie übte der Regisseur scharfe Kritik am iranischen Regime: „Die Islamische Republik hat, um ihrem Sturz zu entgehen, ein Blutbad angerichtet. (…) Leiber werden aufeinander getürmt, und jene, die überleben, suchen zwischen Bergen von Leichen nach einem Zeichen ihrer Liebsten. (…) Es ist eine Wirklichkeit, die jeden Tag und jede Nacht mit Kugeln geschrieben wird.“
Auch sein Regisseurskollege Mohammad Rasoulouf solidarisiert sich mit den Protestierenden auf den Straßen Irans. Nachdem er 2024 vom iranischen Regime verurteilt wurde, floh er ins Exil nach Deutschland. Sein Film „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ wurde als bester internationaler Film für einen Oscar nominiert. Am 13. Januar teilten beide Regisseure einen Post auf Instagram: „Die Islamische Republik Iran ist ein faschistisches, mörderisches und brutales Regime. In den letzten Tagen wurden Tausende Menschen auf den Straßen Irans getötet. Diese Gewalt bedroht die ganze Welt. Mit diesem Regime kann man nicht verhandeln. Diese Gewalt muss ein Ende haben.“
Seit die Demonstrationen in Iran landesweite Dimensionen angenommen haben und die Zahl der Morde an Demonstrierenden durch die bewaffnete Garde der Revolutionswächter täglich steigt, äußern sich immer mehr Schauspieler, Künstlerinnen und Kulturschaffende iranischer Herkunft. Viele von ihnen leben im Exil, einige in Deutschland, alle sind sie schockiert.
„Das iranische Volk kämpft im Verborgenen um sein Leben und seine Zukunft“
Auch andere Prominente aus der Filmbranche äußerten sich zu den Ausschreitungen, zum Beispiel Golshifteh Farahani, die in „Lolita lesen in Theran“ oder der Serie „Infiltration“ mitspielt und seit 2009 in Frankreich lebt. Sie erinnert an den bereits seit 1979 geleisteten Widerstand: „Die Menschen sind erschöpft von der Ungerechtigkeit, Korruption und einer Wirtschaft, die sie erdrückt, während Oligarchen immer reicher werden und ausländische Mächte die Krise ausnutzen. Iran steht erneut in Flammen. Mein Herz schlägt mit den Menschen in Iran“, teilte sie bereits am 2. Januar auf Instagram mit.
Der Schauspieler Arian Moayed schrieb ebenfalls auf Instagram: „Das iranische Volk kämpft im Verborgenen um sein Leben und seine Zukunft. Wenn es zum Schweigen gebracht wird, müssen wir unsere Stimme erheben. Seien Sie ihre Stimme. Fordern Sie Ihre Vertreter auf, jetzt zu handeln.“
In „The New Statesman“ analysierte der Schauspieler Nazanin Boniadi: „Viele der heute lebenden Iraner haben nie ein säkulares Iran erlebt. Sie sind nicht in einem Land aufgewachsen, in dem Frauen ihre Kleidung frei wählen konnten, in dem Touristen die Straßen füllten, in dem die Nation in die Welt integriert und nicht von ihr isoliert war – und in dem ein iranischer Pass Würde statt Stigmatisierung verlieh. Dieses Iran wurde systematisch ausgelöscht und durch eine Islamische Republik des Todes und der Zerstörung ersetzt.“ Die Kommunikation zu unterbinden, sei eine Strategie, um die Gewalt zu verschleiern.
Erinnerung an die dunkelsten Zeiten
Die Publizistin Mina Khani, die seit mehr als zwanzig Jahren im deutschen Exil lebt, betont die Verantwortung des Westens, sie spricht von einer Schwelle, die erreicht wurde „Es geht um Verbrechen von großer Dimension. Familien suchen nach Angehörigen, Leichen liegen auf der Straße und Menschen werden erschossen (…). So etwas hat es in Teheran noch nie gegeben. Es findet ein Massaker statt.“ Sie betont auch, dass das Regime seine Macht demonstrieren wolle, die gewaltvollen Reaktionen aber auch zeigten, dass das System Schwächen habe. Sie betont, dass das Geschehen „an die dunkelsten Zeiten der Islamischen Republik erinnere“. An demokratische Staaten im Allgemeinen richtet sie die Forderung, wirksam Druck aufzubauen.
Die ebenfalls seit den Achtzigerjahren in Berlin und London lebende Autorin Shadi Amin vergleicht die Protestbewegungen von 2022 in einem Interview mit den aktuellen Protesten. Im Vergleich zu den „Women, Life, Freedom“-Protesten, während derer Hunderte Menschen getötet wurden, seien leider große Rückschritte festzustellen. Gleichzeitig fordert sie von der internationalen Gemeinschaft, humanitäre Visa zu ermöglichen und politischen Druck auf das Regime aufzubauen. „Wenn Länder wie Deutschland schweigen und weiter Geschäfte machen, stärkt das die Propaganda des Regimes.“ Vorsichtige Hoffnung hegt sie trotzdem: „Die Leute auf der Straße sind so wütend, dieses Mal schaffen wir es.“ Es gebe ein gemeinsames Ziel.
Auch die Sängerin Googoosh, die Anfang des Jahrtausends nach Kanada emigriert war, teilte am 13. Januar einen Brief an die US-Regierung auf Instagram. Sie schreibt: „Das iranische Volk wird vom Regime der Islamischen Republik massakriert. (…) Seit siebenundvierzig Jahren zieht dieses Regime Krieg dem Wohlstand und Ideologie dem Leben vor.“ Sie fordert die amerikanische Regierung auf, sich mit dem iranischen Volk zu solidarisieren, und hofft auf den Oppositionsführer Reza Pahlavi.
Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, gibt den Protesten ein Gesicht und könnte für eine neue Übergangsregierung zur Verfügung stehen. Er lebt in den USA im Exil, ruft die iranischen Demonstrierenden aber dazu auf, die Stadtzentren ihres Landes zu besetzen und sich selbst bereitzuhalten, Verantwortung zu übernehmen.
