Der offizielle „Spieler des Spiels“ beim gelungenen EM-Start gegen Österreich wurde Johannes Golla. Die deutschen Fans feierten aber ihren Torhüter nach dem 30:27-Erfolg noch mehr. Insgesamt war es ein Abend, der Hoffnung macht.
Es hätte nochmal eng werden können. Gerade war die 58. Minute angebrochen, da kassierte der bis dahin hervorragende Turnierdebütant Tom Kiesler eine Zwei-Minuten-Strafe. Österreichs Topschütze Sebastian Frimmel hätte mit seinem zehnten Treffer auf 26:28 verkürzen können, doch Andreas Wolff machte sich groß und parierte den Siebenmeter. Es war letztlich die entscheidende Szene, erst danach war der Widerstand von Team Austria gebrochen. „Andy, Andy!“ intonierten die gut 5.000 deutschen Fans in der Jyske Bank Boxen von Herning in Dänemark.
Wolff – dem selbst erzeugten Druck standgehalten
Der Siebenmeter war die zwölfte Wolff-Parade an diesem Abend, er hatte damit dem Druck standgehalten, den er selbst erzeugt hatte. Bei der Teamvorstellung kurz vor dem Anpfiff hatte ihn die österreichische Anhängerschaft noch ausgebuht und ausgepfiffen. Das war die Antwort auf seine spöttische Charakterisierung der Spielweise von Iker Romeros Mannschaft. Mit „Anti-Handball“ und „Hässlichkeit“ hatte Wolff den Auftaktgegner durchbeleidigt. Seine Worte waren ganz sicher keine Affekthandlung gewesen, und er sah sich nach der Partie gegenüber der Sportschau auch nicht veranlasst, kleinlaut zurückzurudern.
Über seinen gehaltenen Siebenmeter kurz vor Schluss sagte er: „Das fühlte sich gut an, der war sehr sehr wichtig. Die Österreicher hatten sich nochmal rangekämpft, nachdem wir das Spiel eigentlich schon gut kontrolliert hatten. Das war dann der entscheidende Ball, um sagen zu können: Wir gewinnen diese zwei Punkte nach einem sehr zähen Soiel.“ Und angesprochen auf seine Provokationen: „Klar war vielleicht die ein oder andere Formulierung etwas überspitzt, aber in der Sache hat mir eigentlich keiner widersprochen. Ich habe gesagt, dieses Sieben gegen Sechs ist Anti-Handball, und ich wurde wieder bestätig.t Für mich als Torhüter ist das extrem anstregend, deshalb bin ich froh, dass wir die erstmal nicht mehr als Gegner haben.“
Golla mit sieben Tore und drei Vorlagen
Dafür, dass der Weg von Österreich in die Hauptrunde nun tatsächlich deutlich erschwert ist, sorgte neben Wolff in ganz entscheidendem Maß auch Golla. Mit sieben Toren war der Kapitän bester deutscher Werfer, hinzu kamen drei Vorlagen. Doch vielleicht noch mehr als seine brillante Offensiv-Statistik beeinflusste seine große Aggressivität in der Abwehr von der ersten Minute an das Spiel. „Ich wollte da tatsächlich früh Zeichen setze und eine Richtung vorgebenn„, kommentierte Golla die enorme Präsenz und Zweikampfhärte, mit denen er seine Nebenleute Kiesler und Julian Köster mitriss.
Lukas Mertens lobte den Abwehrchef in der ARD: „Kapitän – das sagt alles. Johannes macht einfach einen überragenden Job, er ist in Flensburg und bei uns im Nationalteam einfach unverzichtbar.“ Auch Köster war begeistert: „Er geht voran, vorne und hinten. Ein überragendes Spiel von ihm, natürlich ist er zu 100 Prozent zu Recht der Man of the match.“
Zu oft das leere Tor verfehlt
Golla selbst fand aber durchaus noch Ansätze für Verbesserungen, denn Deutschland hätte sich den Stress in den letzten Minuten ersparen können. Doch die gegnerischen Ballverluste beim viel zitierten Sieben gegen Sechs (also in der Offensive ohne Torhüter) wurden zu selten konsequent bestraft, gleich dreimal verfehlten die DHB-Spieler sogar das leere Tor.. Golla dazu: „Das müssen wir natürlich besser ausnutzen. Aber grundsätzlich müssen wir diese Würfe nehmen, um uns nicht auf das langsame Spiel der Öaterreicher einzulassen. Unsere Stärke soll ja der Tempo-Handball sein, deshalb müssen auch mal ins Risiko gehen.“
Gegen Österreich ging das vor allem dank Wolff und Golla letztlich gut. Doch mit Blick auf die beiden weiteren Gruppenspiele am Samstag gegen Serbien (20.30 Uhr/ARD) und am Montag gegen Spanien (20.30 Uhr/Live-Ticker bei sportschau.de) fordert Bundestrainer Alfred Gislason einen Lerneffekt: „Ich habe eine überragende Abwehr gesehen. Aber wir haben auch teilweise das leere Tor nicht getroffen und zu viele Fehler gemacht. Bei fünf Toren Vorsprung zehn Minuten vor Schluss muss man das Spiel einfach komplett durchziehen. Wir hätten viel höher gewinnen können – im Angriff müssen wir uns gegen Serbien auf jeden Fall steigern.“

