Gesund kochen mit Ingwer – Stil

Kein Alkohol, kein Fleisch, kein Zucker: Der Januar gilt als Monat der Enthaltsamkeit – zumindest theoretisch. In der Praxis endet der Veganuary oft nach wenigen Tagen, der Dry January verflüssigt sich ebenso rasch. Begründung: „Die Nerven.“ Verzicht ist eben anstrengend. Selbst Siddhartha Gautama, der spätere Buddha, machte diese Erfahrung. Der Legende nach fastete er sechs Jahre lang extrem, erkannte aber schließlich, dass radikale Askese nicht zur Erleuchtung, sondern zum Tod führt. Nachdem ihm ein Mädchen eine Schüssel Milchreis gereicht hatte, brach er die Askese ab. Daraus entstand die buddhistische Lehre vom „Mittleren Weg“: nicht völliger Verzicht, sondern Maßhalten hilft dabei, den Karma- und Kalorienhaushalt im Griff zu behalten.

Buddhistische Fastenspeisen setzen nicht auf Askese, sondern auf Ausgewogenheit. Was in chinesischen Restaurants als buddhistische Küche angeboten wird, unterscheidet sich zwar von der kargen Kost tibetischer oder nepalesischer Mönche, ist aber auch meist vegan und aromatisch hoch raffiniert. Zentrale Zutaten sind Ingwer, Knoblauch und Zwiebeln. Besonders der Ingwer spielt im Buddhismus eine wichtige Rolle: Seine Schärfe soll den Geist klären, den Körper wärmen und die Willenskraft stärken. Im Zen-Buddhismus wird er vielseitig verwendet – als Tee, Räucherstoff oder Grundlage zahlreicher Gerichte.

In der buddhistischen Symbolik steht Ingwer für Klarheit

Ingwer, seit Jahrtausenden in der chinesischen und ayurvedischen Medizin im Einsatz, wurde gerade zur Arzneimittelpflanze 2026 gekürt. Man schreibt der scharfen Knolle durchblutungsfördernde, verdauungsanregende und entzündungshemmende Wirkungen zu, ebenso Hilfe bei Erkältungen, Übelkeit oder Schmerzen. Verantwortlich dafür sind ätherische Öle, Gingerol und Shogaol sowie Mineralstoffe und Vitamin C. Man muss sie gar nicht als Kapsel einnehmen, denn kulinarisch lassen sich diese Eigenschaften deutlich reizvoller nutzen.

Eine klassische buddhistische Fastenspeise ist Lo Han Jai. Sie besteht aus Wurzelgemüse, Kohl, Pilzen, Tofu, Sprossen und Glasnudeln. Traditionell enthält sie 18 Zutaten, doch davon sollte sich niemand abschrecken lassen. Wichtiger als die genaue Anzahl ist ohnehin ihre Symbolik: Karottenscheiben stehen für Wohlstand, Glasnudeln für ein langes Leben, Ingwer und Knoblauch für Energie und Klarheit. Das Gericht folgt damit dem Prinzip des Mittleren Weges: nahrhaft, belebend, ohne belastendes Übermaß.

Für die Zubereitung muss man kein Zen-Meister sein, trotz der vielen Zutaten ist die Gemüsepfanne einfach und schnell gemacht. Getrocknete Pilze mit 300 ml kochendem Wasser übergießen und 30 Minuten einweichen. Frühlingszwiebeln, Knoblauch und Ingwer fein hacken. Karotte und Kohl in dünne Scheiben schneiden. Eingeweichte Pilze abgießen, das Wasser aufheben. Pilze und Glasnudeln bei Bedarf etwas zerkleinern. Für die Sauce helle und dunkle Sojasauce mit Austernsauce (auch vegan erhältlich), Zucker und Pilzwasser verrühren. Die weißen Teile der Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer kurz in neutralem Öl anschwitzen. Nach und nach übrige Zutaten je nach Garzeit zugeben. Mit der angerührten Sauce ablöschen und bei geschlossenem Deckel auf mittlerer Hitze 5 Minuten köcheln lassen. Glasnudeln und den grünen Teil der Frühlingszwiebel unterheben. Speisestärke mit 1 ½ EL Wasser verrühren, in die Pfanne geben, unter Rühren aufkochen lassen, bis die Sauce andickt.

Das braucht man dazu:

– 15 g getrocknete Shiitake-Pilze

– 20 g getrocknete Mu Err Pilze

– 15 g getrocknete Lilienblüten

– 20 g Glasnudeln

–  2 Frühlingszwiebeln

– 2 Knoblauchzehen

– 7 g Ingwer

– 75 g Karotte

– 200 g Chinakohl

– 200 g frittierter Tofu

– 200 g Bambus

– 3 EL helle Sojasauce

– 2 EL dunkle Austernsauce

– 1 EL Austernsauce

– ½ TL Zucker

– 3 TL Speisestärke