Mode aus Deutschland tut sich schwer. Und überall in Deutschland entsteht gute Mode. Diese zwei Sätze mögen widersprüchlich klingen, aber der eine Satz bedingt den anderen. Die Strukturen unseres Föderalismus und die Spuren der deutsch-deutschen Geschichte betreffen auch Modemacher, die in den Zwanzigerjahren dieses Jahrhunderts Kollektionen entwerfen – eben nicht nur in Berlin. Anders als Franzosen, die vor allem in Paris an Mode denken, oder Briten in London, kommen die architektonisch anmutenden Taschen der Marke Tsatsas zum Beispiel aus dem Frankfurter Gallusviertel – ihr Hauptsitz liegt an der Frankenallee, kurz hinter der S-Bahn-Brücke. Die wunderbar bunten Tücher von Capitana werden von Nathali Mack im Frankfurter Stadtteil Bonames entworfen und produziert.

Und der ebenfalls farbstarke Schmuck von Juwelier Friedrich wird in der Innenstadt nach alten Regeln der Goldschmiedekunst gefertigt. Wohin man schaut, nicht nur in Frankfurt, kann man Mode entdecken. Für die deutsche Mode ist aber genau das eine Herausforderung, weil die Wucht, die sich in einer einzigen Stadt bilden könnte, ausbleibt. Einen Wumms hat immerhin das Rhein-Main-Gebiet zu bieten – vor allem, wenn man großzügig eingemeindet.

Entdecken Sie mit Blick auf diese Bilder einen einheitlichen Stil? Wohl kaum! Hier denken nicht alle gleich. René Storck zum Beispiel arbeitet so außergewöhnlich, dass Kundinnen aus München oder Hamburg für seine Mode anreisen. Keiner versteht es, mit Schnittführung und Stoffen besser zu arbeiten, selbst wenn es um einen Regenmantel geht, hier mit darunterliegender Hemdbluse. René Storcks ästhetische Heimat könnte Paris sein, seine berufliche ist das Frankfurter Westend.

Und Dorothee Schumacher mag in New York ein Begriff sein, Mannheim bleibt sie trotzdem treu. Ihre Steppjacke ist überall tragbar. In der Provinz wie in der Stadt. Auch Jörg Ehrlich und Otto Drögsler kennen beide Welten. Ihr Odeeh ist so raumgreifend, dass es Platz zum Gedeihen braucht und damit ein Fall für Unterfranken ist.
Wahrscheinlich würden die großflächigen Blumenmuster in einem Loft im fünften Stock oder in einem Hinterhofatelier eingehen. In Giebelstadt aber können sie sich entfalten. An solchen Orten blüht auch die deutsche Mode auf.
