Logistik Schmitt baut auf E-Lkw

Das Unternehmen Walter Schmitt aus Bietigheim, auch bekannt unter dem Namen Logistik Schmitt, hat seit Jahresbeginn die Hälfte seines Eigenfuhrparks von Diesel- auf Elektro-Lkw umgestellt. 50 seiner Fahrzeuge laufen damit batteriebetrieben.

Die Erfahrung des Logistikdienstleisters laut eigenen Angaben: Die Elektrifizierung ist – immer auch abhängig von den Voraussetzungen vor Ort, den Einsatzprofilen der Fahrzeuge und vielen weiteren Faktoren – ein komplexes und anspruchsvolles Unterfangen.

„Es gibt für uns kein Zurück mehr: 2019 starteten wir mit einem Mercedes-Benz eActros 300-Prototypen in die Erprobung“, erzählt Geschäftsführer Rainer Schmitt. Die Fahrzeuge hätten ihre Praxistauglichkeit im Transportalltag unter Beweis gestellt. Schwerpunkt des Unternehmens ist die Automotive-Logistik.

Ziel ist der Weg hin zu Null Emissionen. Um die Transformation in die Wege zu leiten und um ein Elektro-Ökosystem aus Fahrzeugen, Ladeinfrastruktur, Speicher und Photovoltaik aufzubauen, nimmt der Dienstleister eigenen Angaben zufolge einen zweistelligen Millionenbetrag in die Hand. Es handele sich um eine der höchsten Investitionen in der Firmengeschichte.

Die Pilotphase – mit der Erprobung des eActros 300 vor sieben Jahren – hat das Unternehmen hinter sich gelassen. „Bei einer Größenordnung von 50 Elektro-Trucks können wir uns kein Leuchtturmprojekt mehr leisten – der Betrieb muss für uns ein Business Case sein“, betont Rainer Schmitt.

Maßgeblich für einen wirtschaftlichen Betrieb sind für ihn vor allem zwei Faktoren:

  • eine hohe Produktivität und
  • ein niedriger Strompreis.

Ein produktiver Einsatz ist zum Beispiel durch:

  • Mehrschichtbetrieb oder
  • hohe Laufleistungen möglich.

Den ersten Einsatzfall hat der Logistiker gegeben, wenn seine Fahrzeuge im hochfrequenten Shuttle-Verkehr für die Automotive-Logistik unterwegs sind.

Der zweite Fall kommt im Fernverkehr zum Tragen: Als laut eigenen Angaben eines von wenigen Unternehmen organisiert Logistik Schmitt mit Elektro-Lkw selbst grenzüberschreitende Fernverkehre. Die entsprechende Relation führt vom badischen Bühl ins westungarische Szombathely und beträgt einfach rund 900 Kilometer.

Denn hohe Kilometerleistungen sind wichtig, um einen größeren Effekt bei Einsparungen der Lkw-Maut zu erzielen. In Deutschland sind Elektro-Lkw bis 2031 von der Maut befreit.

Doch wie erreicht das Unternehmen einen günstigen Strompreis für das Aufladen der E-Lkw? „Den realisieren wir übers Depotladen. Mit Stopps an öffentlichen Ladesäulen wäre keine Wirtschaftlichkeit gegeben“, hebt Schmitt hevor. Hin und wieder müssten trotzdem auch die E-Fahrzeuge seines Unternehmens dort ihre Akkus füllen – zum Beispiel auf dem Weg nach Ungarn und zurück.

Um sich beim Depotladen professionell aufzustellen, baute der Logistikdienstleister parallel zum Aufbau des Elektro-Fuhrparks auch seine Ladeinfrastruktur auf. Fünf von aktuell insgesamt acht Standorten sind elektrifiziert.

In Summe stehen den E-Trucks 13 Lkw-Ladesäulen zur Verfügung. „Mit bis zu 400 kW Ladeleistung und einem intelligenten Lastmanagement schaffen wir die Basis, um unsere E-Flotte schnell, effizient und nachhaltig mit Energie zu versorgen“, so der Firmenchef.

Als nächsten Schritt plant das Unternehmen nun den Bau einer neuen Logistikhalle, auf der eine PV-Anlage für die notwendige Energie der E-Trucks sorgen soll. Am Stammsitz in Bietigheim errichtet es aktuell die 7.500 Quadratmeter große Logistikimmobilie. Die Inbetriebnahme ist für Mitte 2026 geplant.

Ein am Gebäude geplanter großer Batteriespeicher mit mindestens einem Megawatt Leistung soll die grüne Energie puffern. So können die Trucks bedarfsgerecht laden, auch wenn die Sonne nicht scheint. Ebenfalls in der Planung berücksichtigt sind zwei Schnellladesäulen mit jeweils 400 kW Leistung.

In der für Gefahrstoffe geeigneten Halle kann der Logistikdienstleister künftig zum Beispiel auch Hochvoltbatterien und andere Komponenten für den Elektro-Antriebsstrang lagern und kommissionieren. Damit besetze man ein wichtiges Segment in der Kontraktlogistik, so das Unternehmen.

Im Fuhrpark befinden sich nach den Angaben des Logistikers mehr als 50 batterieelektrisch angetriebene Trucks unterschiedlicher Hersteller und Konfigurationen. Dazu gehören:

  • zwei Dutzend Fernverkehrs-Sattelzugmaschinen des Typs eActros 600 von Mercedes-Benz
  • ein weiteres Dutzend des Typs eTGX von MAN in Lowliner-Ausführung
  • zwei Volvo FM Electric-Zugmaschinen
  • neueste Elektro-Marke des Betriebs bildet Terberg. Diese Fahrzeuge rangieren oder setzen Trailer (Modell YT) und Wechselbrücken (Modell BC) um.

Mit dem Start eines neuen Kundenprojekts auf dem Gelände eines Automobilherstellers sind die Spezialfahrzeuge von Terberg erst seit Jahresbeginn Teil des Fuhrparks. Insgesamt umfasst die firmeneigene Flotte rund 100 Einheiten, so Logistik Schmitt. Der Anteil der Diesel-Trucks solle nach und nach weiter sinken.