Wie viele Schuhe soll man einpacken und welche? Das rote Shirt oder lieber das grüne? Und welches Buch nimmt man mit in die Ferien? Wer in den Urlaub aufbricht, steht vor etlichen solcher Fragen. Die Antworten darauf wollen gut überlegt sein. Denn es wäre ärgerlich, wenn man dann doch nicht in der Stimmung ist für den 600-Seiten-Roman, den man mitgeschleppt hat. Wenn keines der vier Schuhpaare zum roten Shirt passt. Das grüne unterdessen könnte man mit zweien davon kombinieren, aber das hängt ja daheim im Kleiderschrank.
Und das sind alles lediglich die eher angenehmen Dinge, die man beim Packen beachten muss. Eher lästig hingegen ist es, an den Reise- und den Impfpass zu denken, an das Flugticket, den Hotelvoucher und was man sonst noch an Dokumenten benötigt, um auch tatsächlich an den ersehnten Meerwasserpool zu gelangen. Alles bloß Mittel zum Zweck, bürokratischer Ballast, aber für sich genommen keine vergnüglichen Gegenstände. Wer in diesem Jahr nach Bali reist, muss unter Umständen auch noch seine Kontoauszüge einstecken.
Entschieden ist noch nichts, aber die Provinzverwaltung der indonesischen Insel arbeitet nach Aussage ihres Gouverneurs sehr entschlossen an einer „Verordnung zur Umsetzung von Qualitätstourismus“. Als notwendig erachtet wird eine solche, da Bali immer stärker von Urlaubern überrannt wird; auf viereinhalb Millionen Bewohner kommen inzwischen siebeneinhalb Millionen Besucher im Jahr. Vor allem der Billigtourismus boomt. Das geht so weit, dass inzwischen so viele Fremde um Geld betteln, damit sie ihre Weiterreise finanzieren können, dass dieses Phänomen einen eigenen Namen bekommen hat: Begpacking. Die Straßen, die Stromnetze, die Wasserleitungen – die komplette Infrastruktur der Insel ist überlastet. Der zunehmende Müll ist längst zu einem weiteren Problem geworden. Die lokale Wirtschaft hingegen profitiere zu wenig von den Gästen, denen man im schlimmsten Fall noch etwas zustecken muss. Dieser Auffassung ist jedenfalls die Provinzregierung.
Besserverdienende reden sich gerne ein, dass sie auch bessere Manieren haben. Darauf sollte man aber nicht bauen.
Tritt die Verordnung tatsächlich wie angekündigt in Kraft, soll unter anderem die Höhe der Ersparnisse aus den zurückliegenden drei Monaten ein entscheidendes Kriterium dafür sein, wem eine Einreiseerlaubnis erteilt wird. Unklar ist freilich, ob diejenigen, die solcherart zu Qualitätstouristen geadelt werden, diese Ersparnisse dann auch tatsächlich auf Bali ausgeben. Oder sich trotz ihrer Liquidität durch billige Hostels knausern und am liebsten per Autostopp die Insel erkunden.
Balinesen beklagen zunehmend das unangemessene Verhalten etlicher Touristen in der Öffentlichkeit. Wenn sie das wirksam eindämmen wollen, wird es jedoch nicht genügen, allein die Kaufkraft der Urlauber zu überprüfen. Deshalb ein paar Vorschläge, was solch ein Touri-TÜV noch kontrollieren sollte: unbedingt die Leberwerte. Dann das Gepäck, um sicherzustellen, dass die Gäste genug Kleidungsstücke eingepackt haben, um nicht zwangsläufig halbnackt Tempel zu entweihen. Zwingend auch die Social-Media-Accounts, aus denen sich sehr gut charakterliche Dispositionen ablesen lassen.
Und warum soll das eigentlich alles nur für Bali gelten? Rambla-Rummel in Barcelona, Sangria-Sausen am Ballermann, Instagram-Irrsinn in den Dolomiten – all das wäre rasch Geschichte.

