
Mit einigen Schmerzen, aber wenigen Schießfehlern haben die deutschen Biathleten pünktlich zur Olympia-Generalprobe erstmals in dieser Saison einen Podestplatz mit der Staffel erreicht. Beim Weltcup in Ruhpolding belegte das Quartett mit Justus Strelow, Danilo Riethmüller, David Zobel und Philipp Horn am Donnerstag im letzten Staffelrennen vor Beginn der Olympischen Spiele den dritten Platz hinter Frankreich und Norwegen.
Nicht nur am Schießstand überzeugten die Athleten des Deutschen Skiverbandes (DSV) – lediglich fünf Nachladepatronen benötigten sie insgesamt –, auch auf der Langlaufstrecke konnten sie diesmal mit den Besten mithalten und vor allem Schweden auf Abstand halten, das Platz vier belegte. „Gerade tut alles weh“, gestand David Zobel nach seinem Rennen, „es hat so gescheppert auf der Schlussrunde. Der Kopf weiß, es war geil, aber der Körper hat es noch nicht gecheckt, der hat gerade hauptsächlich Schmerzen.“
Als dritter Starter des deutschen Quartetts musste es der Neunundzwanzigjährige auf den letzten Kilometern mit dem Schweden Martin Ponsiluoma aufnehmen, einem der besten Langläufer im Feld. „Ich habe sofort gemerkt, uiuiui, das wird wieder hart, und habe mir gesagt, bleib dran Junge. Das hat ganz gut geklappt.“
Schon Startläufer Strelow hatte die Staffel mit seinem gewohnt sicheren Schießen auf Kurs in Richtung Podium gebracht, Danilo Riethmüller übergab zwischenzeitlich sogar als Führender auf Zobel, der diese nur um wenige Sekunden einbüßte. Frankreichs Schlussläufer Eric Perrot und Norwegens Vetle Sjaastad Christiansen bewegten sich dann in eigenen Sphären. Als Philipp Nawrath den dritten Platz knapp dahinter absicherte und auch unter Druck die Scheiben traf, war die Erleichterung über die geschlossen starke Leistung der Deutschen dem gesamten Team anzusehen.
„Aufgeregt sind wir trotzdem jedes Mal“
Die Anspannung war groß vor dem Rennen: „Man sitzt beim Frühstück und beim Mittagessen, in dem Fall mit Danilo“, erzählte David Zobel, „und sagt sich, wir sind eigentlich nicht mehr so jung, aber aufgeregt sind wir trotzdem jedes Mal wieder. Staffel ist und bleibt etwas Besonderes.“
Die DSV-Athleten sind nun darauf angewiesen, den Schwung aus der Staffel mit in die Einzelrennen zu nehmen, denn Riethmüller und Zobel fehlt noch die nationale Norm für die Olympischen Spiele. Einmal unter die besten Acht oder zweimal in die Top-15 müssten sie es schaffen. Zobel hat zumindest schon einen Teil davon erreicht, er wurde vor einer Woche Zwölfter im Sprint von Oberhof. Zwei Chancen, auf den Olympia-Zug aufzuspringen, gibt es in Ruhpolding noch: den Sprint am Samstag um 14.30 Uhr und die Verfolgung am Sonntag um 15 Uhr (jeweils im ZDF und bei Eurosport).
Der Druck auf die Biathleten steigt
Fünf Quotenplätze hat der DSV für die Winterspiele in Südtirol, die für die Biathleten am 8. Februar mit der Mixed-Staffel beginnen. Bisher haben nur Philipp Horn, Philipp Nawrath und Justus Strelow die Norm erfüllt. Neben Zobel und Riethmüller haben in Ruhpolding auch Lucas Fratzscher und Johannes Kühn noch die Chance dafür. Am Dienstag gibt der Deutsche Olympische Sportbund die Olympia-Nominierung bekannt.
Dass die Zeit für die Biathleten nun knapp wird, beunruhigt DSV-Sportdirektor Felix Bitterling nicht. Er wünsche es den Athleten, dass sie die Norm schnell abhaken können. „Weil ich sehe, dass die Situation ein bisschen an ihnen nagt. Und wenn das gelöst wäre, könnte das Ventil ein bisschen aufgehen. Von daher ist es eine mentale Stresssituation.“
Womöglich könnte sogar das erfolgreiche Staffelrennen schon ein wenig an diesem Ventil gedreht haben. David Zobel nimmt die Situation an, er vertraut auf seine gute Form, die er aus den Trainingstagen über den Jahreswechsel mitgenommen hat: „Ich versuche ordentlich zu laufen und wenn ich alle Teilaspekte im Schießen gut schaffe, dann habe ich am Samstag die Norm. Momentan ist der Druck eher auf meiner Seite und macht mir Spaß.“
