ABC-Klassen in NRW: Wer kaum Deutsch kann, soll in die Vorschule

In Nordrhein-Westfalen soll es vom Schuljahr 2028/2029 an eine verbindliche vorschulische Förderung für Kinder mit mangelhaften Sprachkompetenzen in sogenannten ABC-Klassen geben. Dazu hat das schwarz-grüne Kabinett am Dienstag einen Grundsatzbeschluss gefasst. Nach einer Verbändeanhörung wird sich nach bisheriger Planung im Sommer der Landtag abschließend mit dem Gesetzentwurf befassen.

Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) reagiert mit ihrem Konzept auf Ergebnisse der jüngsten Schulleistungsstudien, die belegen, dass viele Schüler im stark von Zuwanderung geprägten Nordrhein-Westfalen noch nicht einmal die Mindeststandards erreichen. Aufbauend auf dem Schwerpunkt der schwarz-grünen Landesregierung zur Stärkung der Basiskompetenzen in der Grundschule, gehe es nun um den nächsten großen Schritt, damit alle Kinder bei der Einschulung gut genug Deutsch könnten, um auch am Unterricht teilzunehmen, sagte Feller.

Vermutlich werden jährlich 50.000 Jungen und Mädchen gefördert

Schuleingangsuntersuchungen zeigen, dass jedes dritte Kind eines jeden Jahrgangs in NRW nicht über ausreichende Sprachkenntnisse verfügt, um aktiv in seiner Klasse mitarbeiten zu können. Entsprechend dieses Befunds rechnet Schwarz-Grün damit, dass zum jeweiligen ABC-Klassenjahrgang künftig rund 50.000 Jungen und Mädchen zählen werden. Fellers Konzept sieht vor, dass eine landesweit einheitliche Sprachstandsfeststellung für alle Kinder bei der Schulanmeldung stattfindet, die von 2028 an vom Herbst auf das Frühjahr vor der Einschulung vorgezogen wird. Auf diese Weise bleibt ein Jahr lang Zeit, um Fünfjährige mit festgestelltem Förderbedarf fit zu machen. Geplant sind dafür zweimal je Woche zwei Pflichtstunden in einer ABC-Klasse.

Das Schulministerium rechnet damit, dass für das Vorhaben rund 1600 zusätzliche Lehrer und Sozialpädagogen gebraucht werden und entsprechend allein für Personal zusätzliche 100 Millionen Euro aufgewandt werden müssen. Hinzu kommen für die Kommunen Kosten für Räume, Lehrmittel und Schülertransport. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sagte, die Einführung der ABC-Klassen werde Kraft, Mut und Geld kosten. Den Kommunen sicherte er zu, dass das Land die Konnexität, also das Prinzip „Wer bestellt, bezahlt“, achten werde. Neben den notwendigen Schulrechtsänderungen soll es deshalb auch ein Belastungsausgleichsgesetz geben.

Fellers Konzept sieht zudem vor, dass Schulleiter künftig schon vor dem Schulstart eines Kindes entscheiden dürfen, ob es in seiner Schuleingangsphase besser drei statt zwei Jahre speziell gefördert werden soll. Wie groß der Bedarf ist, zeigt der Umstand, dass schon heute 15 Prozent der Jungen und Mädchen in Nordrhein-Westfalen fünf statt vier Jahre zur Grundschule gehen.