Im vergangenen Jahr sorgte die deutsche Frauenstaffel beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding noch für Feierstimmung. Dieses Mal gab es lange Gesichter – vor allem bei Franziska Preuß.
Ausgerechnet die Gesamtweltcupsiegerin der Vorsaison musste bei ihrem Heimspiel nach dem letzten Schießen in die Strafrunde. So sprang für das deutsche Quartett mit Preuß, Vanessa Voigt, Julia Tannheimer und Janina Hettich-Walz bei der Staffel-Generalprobe für die Olympischen Spiele nur Platz sechs (8 Nachlader+1 Strafrunde) heraus. „Natürlich ist man enttäuscht. Es tut mir wahnsinnig leid„, erklärte Preuß später im ZDF-Interview. „Es war so ein Druck in dem letzten Stehendschießen drin. Das war einfach nicht gut und muss man jetzt abhaken.“
Im vergangenen Jahr hatte Preuß mit der Staffel in ihrer Heimat noch den Sieg geholt. Dieses Mal betrug der Rückstand auf die siegreichen Norwegerinnen (9+0) mehr als eine Minute. Auf Rang zwei landete Italien (4+0/+0,9 Sekunden), das sich in einem packenden Zielsprint noch geschlagen geben musste. Schweden (7+0/+3,0) komplettierte das Podest. Die hoch gehandelten Französinnen um die Gesamtweltcup-Führende Lou Jeanmonnot schafften es in Bestbesetzung nur auf Platz vier.
Starker Auftakt durch Voigt und Tannheimer
Voigt, die anstelle der zuletzt formschwachen Selina Grotian als Startläuferin ins Team zurückgekehrt war, hatte schon zuletzt im Verfolger von Oberhof am Schießstand brilliert. In Ruhpolding knüpfte die Thüringerin nahtlos an ihre Leistung an und räumte sowohl im Liegen- als auch im Stehendanschlag alle Scheiben ab. Allerdings schoss auch der Großteil der Konkurrenz stark, sodass sich bis zum ersten Wechsel eine größere Verfolgungsgruppe hinter den führenden Französinnen gebildet hatte.
Tannheimer konnte bis zum dritten Schießen die Lücke nach vorne zulaufen – auch, weil das Material der Deutschen an diesem Tag offensichtlich gut funktionierte. Und auch am Schießstand zeigte die erst 20-Jährige kaum Nerven, ließ einem Nachlader im Liegen ein blitzsauberes Stehendschießen folgen und brachte ihre Mannschaft zwischenzeitlich in Führung. „Ich bin sehr zufrieden. Wir haben heute mega Ski, da konnte ich viel Zeit gutmachen„, lautete Tannheimers Fazit, die sich vor allem läuferisch enorm stark präsentiert und zwischenzeitlich 16 Sekunden auf der Strecke aufgeholt hatte.
Hettich-Walz muss zittern, Preuß in die Strafrunde
Das Feld lag nach der Hälfte des Rennens dennoch weiter eng beieinander. Nur acht Sekunden trennten die ersten sieben Teams. Hettich-Walz brauchte als dritte deutsche Läuferin im liegenden Anschlag dann ebenfalls eine Zusatzpatrone, hielt den Rückstand auf Frankreich und Schweden an der Spitze aber in Grenzen. Dann schlichen sich allerdings Fehler ein. Nach vielversprechendem Start konnte sie die Strafrunde im Stehendanschlag zwar gerade noch so vermeiden, hatte aber einige Sekunden verloren. „Das waren einige Nachlader zu viel, aber der Rückstand ist noch okay„, sagte Hettich-Walz im Anschluss, nachdem sie Schlussläuferin Preuß einen Rückstand von zehn Sekunden auf die Podestplätze mitgegeben hatte.
Dass sich Preuß in ihrer Heimat eigentlich pudelwohl fühlt, hatte sie in der Vergangenheit schon oft bewiesen. Und auch dieses Mal lief es am Schießstand zunächst wie aus einem Guss. Nach einer fehlerfreien Einlage im Liegen rückte Preuß einige Plätze vor und hatte vor dem finalen Stehendanschlag alle Chancen auf das Podest, womöglich sogar auf den Tagessieg. Dann versagten ihr aber die Nerven. Preuß musste in die Strafrunde und fiel weit zurück. Den Sieg machten stattdessen andere aus: Bis kurz vor Schluss sah es nach einem sicheren Sieg für Italien aus, ehe Norwegens Maren Kirkeeide eine rasante Aufholjagd krönte und Lisa Vittozzi auf der Zielgeraden noch abfing.
