

Jonas Andrulis verlässt endgültig das Heidelberger Start-up Aleph Alpha und wechselt nicht wie geplant in eine beratende Funktion. Das bestätigten mehrere Quellen der F.A.Z. Damit bleibt Andrulis dem Unternehmen nur noch als größter Anteilseigner erhalten. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ berichtet.
Andrulis ist Mitgründer des auf Künstliche Intelligenz (KI) spezialisierten Unternehmens und führte dort alleine die Geschäfte, bis er im vergangenen Sommer von seinen Investoren mit Reto Spörri einen Ko-Chef zur Seite gestellt bekam. Spörri arbeitete zuvor für die Schwarz-Gruppe, dem Konzern hinter den Einkaufsketten Lidl und Kaufland, der auch Anteile an Aleph Alpha hält.
Er sollte als eine Art „Innenminister“ fungieren und sich auf die interne Organisation konzentrieren, um Andrulis zu entlasten. Dieser sollte aber weiter die Strategie und die langfristige Vision verantworten. Andrulis widersprach damals dem Eindruck einer Entmachtung. „Wir haben schon vor Monaten beschlossen, dass wir uns für den nächsten Wachstumsschritt verstärken müssen“, sagte er der F.A.Z.
Investoren wurden überrascht
Im Oktober folgte dann der Paukenschlag: Andrulis legte überraschend sein Amt in der Geschäftsführung mit sofortiger Wirkung nieder. Seinen Platz übernahm Ilhan Scheer, der zuvor zusammen mit Spörri ins Unternehmen gekommen war und die Rolle des Chief Growth Officers innehatte. Andrulis sollte zum Jahresbeginn als Vorsitzender in das sogenannte „Advisory Board“ wechseln und das Unternehmen in beratender Funktion „mit voller Energie unterstützen“.
Aus Unternehmenskreisen hieß es damals, Andrulis sei nicht abgesägt worden. Im Aufsichtsrat sei man überrascht gewesen, wie schnell Scheer sich eingearbeitet habe, deshalb habe man einen mittelfristig ohnehin geplanten Wechsel von Andrulis in den Aufsichtsrat vorgezogen. Auch Andrulis sei von Scheer begeistert gewesen, hieß es aus dem Aleph-Alpha-Umfeld.
Dass der Gründer jetzt nicht an Bord bleibt, widerspricht dieser Darstellung einer harmonischen Machtübergabe. Die Investoren wurden diese Woche durch eine kurze E-Mail von Andrulis überrascht. Darin schreibt er, dass er für den Vorsitz des Gremiums nicht mehr zur Verfügung stehe. „Das war nicht das Ergebnis, das ich mir zu Beginn unserer gemeinsamen Reise vorgestellt hatte“, heißt es in dem Schreiben, dessen Inhalt der F.A.Z. bekannt ist.
Stellenabbau angekündigt
Das Unternehmen hat vor wenigen Tagen einen Stellenabbau angekündigt, rund 50 der insgesamt gut 400 Mitarbeiter seien betroffen, darunter Führungskräfte. In diesen Prozess soll Andrulis noch involviert gewesen sein. Er selbst äußerte sich auf F.A.Z.-Anfrage zunächst nicht zu seiner Entscheidung. In Branchenkreisen vermutet man, dass Andrulis zeitnah ein neues Projekt vorstellen könnte.
Das 2019 gegründete Start-up Aleph Alpha galt neben der französischen Mistral lange als zweite große KI-Hoffnung Europas. Im November 2023 schloss es nach eigenen Angaben eine Finanzierungsrunde über eine halbe Milliarde Euro ab. Namhafte deutsche Konzerne wie Bosch, die Schwarz-Gruppe, SAP und die Christ-Gruppe waren unter den Investoren.
Doch Aleph Alpha konnte in den darauffolgenden Monaten den hochgesteckten Erwartungen nicht wirklich gerecht werden. Es fehlten die Mittel, um langfristig mit den im Halbjahrestakt erscheinenden neuen Modellen der amerikanischen oder chinesischen Konkurrenz auf einer Höhe zu bleiben. Das Start-up passte daraufhin seine Strategie an: Im Fokus stand nicht mehr das Ziel, das beste Sprachmodell zu entwickeln, sondern die Entwicklung einer Orchestrierungsplattform für KI und auf einzelne Branchen spezifisch zugeschnittene KI-Anwendungen.
