Schwierige Grönland-Mission für Rasmussen bei Vance und Rubio in Washington

Es sind Schicksalstage für Dänemark, und vor seinem Abflug nach Washington war Lars Løkke Rasmussen am Dienstag anzumerken, welcher Druck auf ihm lastet. Sehr ernst gab der dänische Außenminister auf den Fluren des Parlaments Auskunft zu seinen Erwartungen an das bevorstehende Treffen. Er hoffe, dass es ein Anfang zur Normalisierung des Dialogs über Grönlands Zukunft sein werde, sagte Rasmussen.

Am Mittwochnachmittag wird er in Washington zusammen mit seiner grönländischen Amtskollegin Vivian Motzfeld den amerikanischen Außenminister Marco Rubio treffen. Kurzfristig wurde von amerikanischer Seite mitgeteilt, dass auch Amerikas Vizepräsident J. D. Vance an dem Treffen teilnehmen wird und dass ins Weiße Haus verlegt wurde – was in Dänemark die Sorge vor einem Eklat über die Zukunft Grönlands massiv verstärkte. Erinnert wurde daran, wie einst der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus öffentlich gedemütigt wurde.

Kaum jemand hat mehr Erfahrung als Außenminister Rasmussen

Doch Rasmussen gilt in Kopenhagen als der richtige Mann für diese schwierige Mission. Als guter Verhandlungsführer, der in der Lage ist, schnell auf neue Situationen zu reagieren und die Stimmung in einem Raum gut einzuschätzen. Rasmussen gilt als umgänglich, als einer, der auch selbstironisch sein kann. Kaum jemand in der dänischen Politik verfügt über mehr Erfahrung als der Einundsechzigjährige – gerade auch im Umgang mit Donald Trump.

Bereits zwei Mal war der Vorsitzende der Moderaten Ministerpräsident. Mette Frederiksen machte ihn dann 2022 zu ihrem Außenminister. Trump traf er bereits während dessen erster Amtszeit im Weißen Haus. Als Ministerpräsident traute Rasmussen sich als einer von sehr wenigen, seine Stimme gegen den amerikanischen Präsidenten zu erheben.

Auf dem NATO-Gipfel in Brüssel 2018 war das, da hatte Trump die anderen NATO-Staaten wegen deren geringen Verteidigungsausgaben scharf kritisiert. Rasmussen widersprach ihm, „von Mann zu Mann“, wie er später sagte. Er erinnerte Trump daran, dass es bei der Lastenteilung nicht nur ums Geld gehe, sondern dass das kleine Dänemark im Verhältnis zu seiner Bevölkerungsgröße mehr Soldaten in Afghanistan verloren habe, als die USA. Der frühere NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg schildert die Szene eindrücklich in seinen Memoiren.

Nach Washington reist Rasmussen nun mit einem Anstecker am Jackett, das die Flaggen Dänemarks und der USA zeigt. Auch Frederiksen hat zuletzt im Ringen um Grönland wiederholt auf die treue Unterstützung der USA durch Dänemark hingewiesen, das auch schon mit in den Irak-Krieg gezogen war. Allen Drohungen zum Trotz bezeichnet sie die USA weiterhin als wichtigsten Verbündeten. Allein, für Trump scheint das nicht zu zählen. Wichtig sei der Besitz Grönlands, sagte er zuletzt mehrfach. Und dafür schließt er nicht einmal Waffengewalt gegen das Königreich aus.

Kurz vor einem Treffen im Weißen Haus hat Dänemark nun angekündigt, seine Militärpräsenz auf der Insel auszubauen. Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen teilte am Mittwoch mit, man werde auch „innerhalb der NATO auf mehr Übungen und eine verstärkte Präsenz der NATO in der Arktis drängen.“

Ein Keil zwischen Grönland und Dänemark?

In Kopenhagen wird vor dem Treffen damit gerechnet, dass die USA versuchen könnten, den Spalt zwischen Grönland und dem Königreich zu vertiefen. Seit langem strebt die weitgehend autonome Insel die Unabhängigkeit an. Grund ist das vielfache Unrecht, das die frühere Kolonialmacht Dänemark auf Grönland beging.

Doch hatte der amerikanische Druck zuletzt zu einer Annäherung Nuuks an Kopenhagen geführt. Gegen Amerika hält man zusammen. Dieser Zusammenhalt gilt nun in Kopenhagen als das schärfste Schwert gegen Trump.

Die neue Nähe zwischen Grönland und Dänemark war auch am Dienstag bei der Pressekonferenz des grönländischen Ministerpräsidenten Jens Frederik Nielsen mit seiner Amtskollegin Frederiksen zu sehen. „Wenn wir uns hier und jetzt zwischen den USA und Dänemark entscheiden müssen, dann entscheiden wir uns für Dänemark. Wir entscheiden uns für die NATO, das Königreich Dänemark und die EU“, sagte Nielsen.

Trump hat auf diese Aussage in der Nacht auf Mittwoch bereits reagiert. „Ich weiß nicht, wer das ist, weiß nichts über ihn“, sagte er zu Nielsen. „Aber das wird ein großes Problem für ihn.“