„Game of Thrones“-Schöpfer in Berlin: Diesmal nur liebenswerte Charaktere

Das Foyer des Delphi Filmpalasts quillt über vor jungen Menschen. Die Berichterstatterin gehört zu den sehr wenigen Personen, die das Durchschnittsalter (um die 23) der Menge im Alleingang um etliche Jahre anheben. Ein paar Leute sind im Cosplay gekommen und posieren in Rüstungen, mittelalterlich inspirierten Kutten oder silberhaarigen Perücken. Aber um das Haus Targaryen geht es gar nicht eigentlich bei der heutigen Veranstaltung, einem Promo-Event des Senders HBO und der Buchhandelskette Thalia.

Was die Gelegenheit sehr special macht, ist die Anwesenheit von George R. R. Martin (Fußnote: Autor von „A Song of Ice and Fire“ beziehungsweise „ASoIaF“, der literarischen Vorlage zur Serie „Game of Thrones“) himself. Gemeinsam mit dem Drehbuchautor Ira Parker soll er plaudern über „A Knight of the Seven Kingdoms“, eine ab dem 18. Januar bei HBO ausgestrahlte Miniserie. Sie basiert auf drei Kurzromanen, deren Handlung im ASoIaF-Kosmos spielt, aber etwa ein Jahrhundert davor. Die erste dieser Novellen erschien schon 1998.

Das recht kurzweilige Podiumsgeplauder zwischen George, Ira und der Moderatorin dreht sich fast ausschließlich um die neue Serie und ihre Hauptfiguren Duncan und Egg, an denen interessant ist, dass sie – im Gegensatz zu den adligen HeldInnen in ASoIaF – aus dem städtischen Underdog-Milieu stammen. „A Knight of the Seven Kingdoms“ erzählt also eine Aufsteigergeschichte im (pseudo-)mittelalterlichen Umfeld.

Weiter warten auf die Winterwinde

Er hoffe, sagt George, dass die audience die Protagonisten in ihr Herz schließen werde, denn sie seien wirklich liebenswerte Charaktere – anders, setzt er fast entschuldigend hinzu, als in den ASoIaF-Romanen, in denen die Menschen nicht durchweg gut seien, sondern gute und böse Anteile hätten. Aber das seien ja auch fünf sehr umfangreiche novels, während es sich bei „A Knight of the Seven Kingdoms“ um schmale novellas handele.

Den entscheidenden Satz aber lässt er nur in Klammern fallen, indem er nach „five novels“ beiläufig einfügt: „yeah, and I know it should be seven“. Damit hat er dem in spontaner Gemeinsamkeit auflachenden und applaudierenden Publikum endgültig die Hoffnung genommen, dass an diesem Abend mehr zu erfahren sein könnte über „The Winds of Winter“, den seit über einem Jahrzehnt angekündigten sechsten (und vorletzten) Band von ASoIaF, den er aus irgendeinem Grund nicht fertig zu schreiben in der Lage scheint.

Doch immerhin wirkt der Autor (Jahrgang 1948) nicht so, als leide er bereits an irgendwelchen Altersgebrechen, die eventuell seine Kreativität beeinträchtigen könnten. Und die Hoffnung stirbt ja immer zuletzt.