Neujahrsvorsätze: Die Wahrheit über den Quitter’s Day – Gesellschaft

Im neuen Jahr ein neuer Mensch. Oder zumindest einer, der jede Woche Pilates macht, regelmäßig joggen geht und die Zigaretten endlich weglässt. Neujahrsvorsätze sind verlockend, denn sie versprechen ein besseres Leben. Das gilt natürlich insbesondere für den Moment, in dem man sie beschließt, irgendwann im alten Jahr. Die Umsetzung ist bekanntlich komplizierter. Plötzlich muss man den Kurs, für den die Anmeldung noch so leicht von der Hand ging, auch tatsächlich besuchen, bemerkt, wie ungeheuer weit fünf Kilometer sein können und bleibt einsam am Schreibtisch zurück, wenn die Kolleginnen sich eine Raucherpause gönnen. Na, schon aufgegeben?

Am 9. Januar war „Quitter’s Day“, das ist der Tag, an dem angeblich die meisten Leute ihre Neujahrsvorsätze aufgeben. Das behauptet zumindest das US-Unternehmen Strava, mit dessen App man die eigenen sportlichen Leistungen tracken und teilen kann. Eine Analyse von Nutzerdaten habe ergeben, dass am zweiten Freitag im neuen Jahr die Aufgabe-Quote am höchsten sei, teilte das Unternehmen 2018 mit. 2020 war es dann plötzlich der dritte Sonntag. Konkrete Zahlen gibt das Unternehmen auch auf Anfrage nicht heraus.

Es ist daher nicht auszuschließen, dass es sich beim „Quitter’s Day“ in Wahrheit vor allem um eine geglückte Marketing-Strategie handelt. Aktuell läuft eine gemeinsame Aktion von Strava und Apple, bei der es darum geht, den „Quitter’s Day“ mithilfe der neuen Apple Watch zu überwinden: „Quit the Quitting“ – „Gib das Aufgeben auf“. Im vergangenen Jahr gab es fast genau dieselbe Kampagne schon einmal, mit dem minimalen Unterschied, dass damals eine Uhr von Samsung beworben wurde.

Es kann fast ein ganzes Jahr dauern, bis sich neue Gewohnheiten etablieren

PR-Gag hin oder her, der Tag des Schwächelns hat sich gewissermaßen durchgesetzt, in diesem Jahr wurde er erneut vielerorts aufgegriffen. Das dürfte auch daran liegen, dass seine Botschaft bei vielen Menschen einen wunden Punkt trifft. Es gibt wohl kaum jemanden ohne mindestens einen ganz persönlichen „Quitter’s Day“. Befragungen deuten zudem darauf hin, dass viele Menschen ihre Vorsätze tatsächlich bereits sehr früh im Jahr wieder aufgeben.

Und natürlich ist auch das Phänomen der alljährlichen Januar-Sportler kaum von der Hand zu weisen. Auf Social Media sind die chaotischen Zustände in Fitnessstudios zu Jahresbeginn längst zum Meme geworden. Forscher von der University of Pennsylvania haben das bereits vor mehr als zehn Jahren als „Fresh Start Effect“ bezeichnet. Demnach fällt es Menschen an bestimmten zeitlichen Wegmarken leichter, sich vorzustellen, etwas an ihrem Leben ändern zu können. Das gilt zum Jahreswechsel, aber zum Beispiel auch für Studierende, wenn ein neues Semester beginnt. Dass die Realität etwas komplizierter ist, zeigt eine Meta-Analyse der University of South Australia, wonach es fast ein ganzes Jahr dauern kann, bis sich neue Gewohnheiten etablieren.

Das bedeutet freilich auch, dass man das Ziel eines besseren Lebens noch lange nicht erreicht hat, nur weil die eigenen Neujahrsvorsätze den „Quitter’s Day“ schadlos überstanden haben. Der Weg zum selbstoptimierten Ich ist weit. Jenen, die bereits aufgegeben haben, sei hingegen versichert: Man kann auch nächstes Jahr noch mit Pilates anfangen.