„Sondervermögen“ ist Unwort des Jahres – Panorama

Der Begriff „Sondervermögen“ ist zum Unwort des Jahres 2025 gekürt worden. Das gab die Jury der sprachkritischen Unwort-Aktion am Dienstagmorgen in Marburg bekannt. Der Gebrauch des ursprünglich aus der wirtschaftlichen und juristischen Fachsprache stammenden Begriffs in der öffentlichen Kommunikation verdecke, was mit ihm eigentlich gemeint sei – nämlich die Aufnahme von Schulden.

Der im vergangenen Jahr vermehrt im öffentlich-politischen Sprachgebrauch verwendete Begriff habe „sehr deutlich die politischen Debatten über Staatsverschuldung und Investitionsprogramme“ geprägt, hieß es weiter.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger können für die Unwort-Kür jeweils bis zum Ende eines Jahres Vorschläge einreichen, aus denen dann die Jury die Auswahl trifft. Die Jury setzt sich aus vier Sprachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, einer Journalistin sowie jährlich wechselnden Gästen zusammen.

Infrage kommen Formulierungen, die aus Sicht der Jury gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sind. Mit der Aktion soll für einen angemessenen Umgang mit Sprache sensibilisiert werden.

Diesmal gab es mehr als 2600 Einsendungen, darunter beispielsweise „Asylwende“ sowie der von US-Präsident Donald Trump häufig genutzte Ausdruck „Deal“. Hinzu kam der Begriff „Drecksarbeit“, den Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in einem TV-Interview im Zusammenhang mit dem zwölftägigen Krieg Israels gegen Iran verwendet hatte.

Den ebenfalls vorgeschlagenen Ausdruck „Stadtbild“ hatte auch Merz verwendet: Im Oktober sagte er, die Bundesregierung korrigiere frühere Versäumnisse in der Migrationspolitik und mache Fortschritte, „aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem“. Wen er meinte, war zunächst offen geblieben. Später konkretisierte Merz, Probleme machten jene Migranten, die keinen dauerhaften Aufenthaltsstatus hätten, nicht arbeiteten und sich nicht an die in Deutschland geltenden Regeln hielten.

Das Unwort des Jahres wird seit 1991 bestimmt – das erste war „ausländerfrei“. In den vergangenen Jahren wurden folgende Unwörter ausgewählt:

2024: biodeutsch

2023: Remigration

2022: Klimaterroristen

2021: Pushback

2020: Rückführungspatenschaften, Corona-Diktatur

2019: Klimahysterie

2018: Anti-Abschiebe-Industrie

2017: alternative Fakten

2016: Volksverräter

2015: Gutmensch

2014: Lügenpresse

2013: Sozialtourismus

2012: Opfer-Abo

2011: Döner-Morde

2010: alternativlos

2009: betriebsratsverseucht

2008: notleidende Banken

2007: Herdprämie

2006: freiwillige Ausreise

2005: Entlassungsproduktivität

2004: Humankapital

2003: Tätervolk

2002: Ich-AG

2001: Gotteskrieger

2000: national befreite Zone