Der gebürtige Bochumer Agit Kabayel ist derzeit die große deutsche Box-Hoffnung. Am späten Samstagabend ist der 33-Jährige einem Kampf um die WM-Krone einen bedeutenden Schritt nähergekommen. Er hat seinen WM-Interimsgürtel des Verbandes WBC erfolgreich verteidigt.
Auf dem noch langen Weg zum großen WM-Kampf musste Schwergewichtler Kabayel in Oberhausen vor 13.000 Zuschauern allerdings erstmal den Polen Damian Knyba aus dem Ring räumen. Der erwies sich als zäher und vor allem kräftig austeilender Gegner. Bereits nach Runde eins musste der Deutsche wegen eines Cuts am rechten Auge behandelt werden.
In Runde drei dreht Agit Kabayel richtig auf
Mit einer makellosen 26:0-Bilanz in seinen Kämpfen war Kabayel zwar klarer Favorit, wurde dieser Rolle in der ersten Runde aber noch nicht gerecht. Da hatte der Pole, der mit der Empfehlung von 17 Siegen in den Ring gestiegen war, die Nase vorne, weil er den Deutschen nur selten in den Innenfight kommen ließ. Der zweite Durchgang gestaltete sich dann schon ausgeglichener und im dritten setzte Kabayel dann ein dickes Ausrufezeichen unter seine WM-Ambitionen.
Wir haben der Welt gezeigt, das deutsche Boxen lebt.
Agit Kabayel nach dem Sieg gegen Damian Knyba
Der Deutsche ließ Knyba mit mehreren Trefferkombinationen gegen Kopf und Körper nicht mehr zur Ruhe kommen. Er war schneller auf den Beinen, entzog sich so der größeren Reichweite des etwa zehn Zentimeter größeren Polen und setzte diesem mit kurzen Schlagfolgen zu. Nach 2 Minuten und 36 Sekunden ging der Riongrichter schließlich dazwischen und brach den Kampf ab.
Kabayel-Promoter Warren hofft auf Kampf im Fußballstadion
Kabayel wurde zum Sieger durch technischen K.o. erklärt und hat sich damit in Stellung gebracht: Er sei bereit „um die WM“ zu kämpfen, sagte der 33-Jährige nach seinem Sieg. So war die Verteidigung des Titels als WBC-Interimsweltmeisters am Ende doch die erwartetet Pflichtaufgabe. Mit dem 27. Sieg im 27. Profikampf untermauerte Kabayel seinen Anspruch auf einen Fight um die Schwergewichts-Krone.
Ein Duell mit dem ungeschlagenen Champion Alexander Usyk (Ukraine) war bisher noch nicht zustande gekommen. Kabayels Promoter George Warren hatte bereits vor dem Kampf betont, er werde ab Montag „hohen Druck auf den WBC machen, damit Agit die Chance auf den Titel bekommt“. Wenn Kabayel einen „super Knockout“ liefere, „dann kommen wir im Sommer wieder nach Deutschland. Diesmal in ein Fußballstadion und vielleicht bekommen wir einen britischen Heavyweight, bevor er gegen Usyk kämpft“.
Ich habe wirklich Gänsehaut, das erinnert mich an die gute alte Boxzeit.
DAZN-Expertin und Ex-Weltmeisterin Regina Halmich
Als „super Knockout“ geht Kabayels Sieg in Oberhausen nicht durch, aber es war zumindest ein ziemlich flotter technischer K.o. für den Deutschen. Kabayel will der erste deutsche Schwergewichts-Weltmeister seit Max Schmeling Anfang der 1930er-Jahre werden. Vor dem Erfolg in Oberhausen hatte sich der selbst ernannte „Leber-King“ mit drei überzeugenden Siegen im saudi-arabischen Riad für einen WM-Kampf empfohlen.
Fans und Ex-Weltmeisterin Halmich von Kabayel begeistert
Jetzt bleibt erstmal abzuwarten, wie der WBC auf Kabayels nächstes Ausrufezeichen im Ring reagiert. Für den Bochumer war der Auftritt in Oberhausen nach fast drei Jahren sein erster Kampf in Deutschland. Er hätte sicher nichts dagegen, im Sommer wieder in seiner Heimat in den Ring zu steigen.
Die Fans in Oberhausen hat er auf jeden Fall genauso begeistert, wie Ex-Weltmeisterin Regina Halmich: „Das Boxen in Deutschland lebt wieder – und das tut so gut“, sagte die DAZN-Expertin.
Unsere Quellen:
- Boxkampf zwischen Agit Kabayel und Damian Knyba am 10.01.2026 in Oberhausen
- Nachrichtenagenturen sid dpa
Sendung: „Agit Kabayel verteidigt Interimstitel“, WDR.de, 10.01.2016, 23:21 Uhr
