Warum Deutz jetzt auf Rüstung und Rechenzentren setzt

Wer an das Unternehmen Deutz denkt, hat Traktoren vor Augen, schwere Landmaschinen und vielleicht den Geruch eines Dieselmotors in der Nase. Kurzum: ein Geschäft, von dem man nicht erwarten würde, dass es gerade besonders gut läuft. Der Aktienkurs der Deutz AG ist allerdings 2025 um 131 Prozent gestiegen. Mit einer Marktkapitalisierung von 1,44 Milliarden Euro ist das im S-Dax gelistete Unternehmen zwar kein Riese, aber Deutz ist eben nicht nur der älteste Motorenhersteller der Welt, sondern auch einer der größten unabhängigen Produzenten. Und einer, der sich derzeit gehörig transformiert – was vom Markt positiv aufgenommen wird.

Seit Jahresbeginn gliedert Deutz sein Geschäft in fünf eigenständige Einheiten: Motoren, New Tech und Service, Rüstung und Energie. Das Unternehmen will sich von der Wahrnehmung lösen, nur reiner Hersteller klassischer Verbrennungsmotoren zu sein. „Deutz hat sich immer wieder verändert in den vergangenen 162 Jahren. Jetzt bauen wir die nächste Version von Deutz“, sagt der Vorstandsvorsitzende Sebastian Schulte der F.A.Z. „Das machen wir nicht beliebig, in all unseren Wachstumsfeldern sind der Motor und der Antrieb eine relevante Komponente.“

Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf

Alle Analysten, die das Unternehmen beobachten, empfehlen die Aktie derzeit zum Kauf, am Dienstag erst hat Warburg Research sein Kursziel von 11,30 Euro auf 11,50 erhöht. Die Analysten erwarten eine verbesserte Kostenbasis und Synergieeffekte aus den jüngsten Zukäufen. Deutz-Chef Schulte war in den vergangenen Monaten auf Einkaufstour, der jüngste Zukauf war erst Mitte Dezember der deutsche Mittelständler Frerk , der Stromerzeugungsaggregate herstellt.

Etwas mehr als 80 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete das Unternehmen aus Niedersachsen zuletzt – mehr als die Hälfte davon stammt aus dem Bereich mit Rechenzentren. 85 Prozent des Absatzes gehen nach Deutschland, Frerk designt und montiert die Stromerzeugungsaggregate und verbindet das mit langfristigen Service-Verträgen mit den Betreibern etwa von Rechenzentren. Dort sieht Schulte großes Potential: „Wir gehen davon aus, dass Frerk deutlich zweistellig wachsen wird“, sagt der Deutz-Chef. Gerade das von KI-Anwendungen getriebene Wachstum im Rechenzentrumsmarkt soll das Geschäft beflügeln. In seinen Werken hat Deutz Kapazität, die Produktion auch von Frerk-Produkten auszubauen und vor allem das eigene Service-Netzwerk anzuwerfen, um den Vertrieb schlagkräftiger zu machen. Die riesigen Motoren werden häufig nah bei den Kunden produziert, und sie haben eine lange Lebensdauer, weshalb der Service nach dem Verkauf schon seit jeher für Deutz eine große Rolle spielt.

In der Notstromversorgung ist das auch relevant: „Besonders in der kritischen Infrastruktur sind die langfristigen Service-Verträge wichtig“, sagt Schulte. „Techniker werden zwar nicht oft gebraucht, aber wenn sie gebraucht werden, müssen sie sofort da sein und eine Lösung haben.“ Von knapp unter 200 Millionen Euro Umsatz aktuell soll der Energiebereich auf eine halbe Milliarde Euro wachsen.

Noch ist das Rüstungsgeschäft klein

Auch einen anderen Bereich hat Deutz schon im Blick: Frerk hat früher die US Army beliefert mit Notstromaggregaten. „Momentan liegt der Bedarf woanders, vor allem bei Rechenzentren. Aber perspektivisch wäre das durchaus ein weiteres Synergiefeld“, sagt Schulte. Der Rüstungsbereich ist einer, der für Deutz mit einem Umsatz im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich zwar noch vergleichsweise klein ist – von dem sich Schulte aber ebenfalls viel Dynamik erwartet. Für ein Unternehmen, das Antriebe entwickelt, die sowohl bei 50 Grad Celsius im Schatten als auch am Polarkreis funktionieren müssen, die in Minen genauso eingesetzt werden wie in großer Höhe, liegt der Fokus auch auf die Rüstungsindustrie nahe. Weil jedoch dort die Vergabeprozesse lange etabliert sind, ist es mitunter für kleinere, spezialisierte Anbieter von neuer Technik einfacher, schnell Geschäfte aufzubauen.

Auch deshalb hat Deutz dort kräftig zugekauft, etwa mit dem Drohnen-Antriebsspezialisten Sobek im September. Das deutsche Unternehmen erzielt mit seinen 70 Mitarbeitern einen niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenumsatz, erreicht dabei laut Deutz aber eine „signifikant zweistellige“ Gewinnmarge. Mit solchen kleinen, aber profitablen Geschäften will sich Deutz unabhängiger vom Verbrennungsmotor machen. Zuletzt hat das Unternehmen sich auch an einer Finanzierungsrunde des Start-ups Arx Robotics beteiligt.

Das Unternehmen entwickelt und vertreibt autonome, unbemannte Bodensysteme und ist zuletzt vor allem durch sein Engagement in der Ukraine aufgefallen. „Wenn wir ein Unternehmen nicht übernehmen, sondern eine Partnerschaft eingehen, dann braucht es zwingend ein industrielles Konzept für die Zusammenarbeit“, sagt Schulte. Das sieht der Deutz-Vorstandschef in der Zusammenarbeit mit Arx Robotics erfüllt. So sollen Antriebssysteme von Deutz in unbemannten Landfahrzeugen von Arx Robotics eingebaut werden, dabei geht es zunächst um batterieelek­trische Antriebe und perspektivisch auch um Verbrenner- oder Hybridantriebe.

Kürzlich wurde die Zusammenarbeit bei einem gemeinsamen Treffen mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) besiegelt. Solche gemeinsamen Fototermine rund um Rüstungsthemen sind angesichts der Bedrohungslage in der gesamten Branche zuletzt häufiger geworden. Nicht ohne Grund, findet auch Schulte: „Es ist politisch sicherlich sinnvoll, die Bedarfe im eigenen Land auch durch Wertschöpfung in Deutschland und Europa zu sichern“, sagt Schulte.