Ski-Superstar Lindsey Vonn hat knapp einen Monat vor Eröffnung der Olympischen Winterspiele das nächste Ausrufezeichen gesetzt. Der Amerikanerin gelang bei der Abfahrt in Zauchensee souverän ihr zweiter Saisonsieg. „Ich bin sehr direkt und sehr sauber gefahren, ich bin sehr happy“, sagte Vonn, die mit 0,37 Sekunden Vorsprung vor der Norwegerin Kajsa Vickhoff Lie triumphierte. Dritte wurde ihre Teamkollegin Jacqueline Wiles (+0,48), deren Karriere zeitweise von Vonns Stiftung unterstützt worden war.
Die deutsche Ski-Hoffnung Emma Aicher (+0,68 Sekunden) belegte auf der verkürzten „Kälberloch“-Strecke, die vom Neuschnee der vergangenen Tage geräumt werden musste, Rang sechs. Kira Weidle-Winkelmann (+0,77), die im Dezember bei der Abfahrt in Val d’Isere als Zweite überzeugt hatte, wurde Zwölfte.
Die österreichische Lokalmatadorin Magdalena Egger stürzte heftig und musste mit dem Helikopter abtransportiert werden, was zu einer längeren Unterbrechung führte. Die 24-Jährige, bei Vonns Sieg in St. Moritz Zweite, war bei Bewusstsein, doch es besteht Verdacht auf eine schwere Knieverletzung.
Vonns Traum vom zweiten Olympia-Gold
Aufgrund ihrer frühen Startnummer sechs habe sie nicht gedacht, „dass ich eine Chance habe“, sagte Lindsey Vonn später. Aber: „Sie hat es gut getroffen, sie ist verdient vorne“, erklärte die gleich anschließend gestartete Weidle-Winkelmann, die im einzigen Trainingslauf am Donnerstag noch Schnellste gewesen war. Im Rennen kam sie bisweilen von der Ideallinie ab und wurde so durch den Neuschnee, der in den Tagen zuvor gefallen war, passagenweise eingebremst.

„Wenn man nicht auf der Ideallinie ist, merkt man schon, dass es weicher ist“, sagte auch Aicher, die ebenfalls nicht in allen Abschnitten optimal traf. Sie betonte allerdings in ihrer gewohnt lakonischen Art: „Ist schon okay, passt schon, hätte schlimmer sein können. Es waren ein paar Kurven dabei, die gut waren und ein paar, die ich verbessern kann.“
Für Vonn war es der insgesamt 84. Weltcup-Sieg ihrer Karriere und schon der fünfte Podestplatz bei ihrem erst sechsten Start in diesem Winter. Nur beim Super-G in St. Moritz in der Schweiz Mitte Dezember war sie als Vierte haarscharf am Podium vorbeigeschrammt.
Mit Blick auf die Winterspiele in Italien im Februar avanciert die 41 Jahre alte Weltcup-Rückkehrerin immer mehr zur großen Favoritin. In Cortina d’Ampezzo will die einstige Speed-Queen und Olympiasiegerin von 2010 unbedingt noch mal um Gold mitfahren. Im Super-G in Zauchensee am Sonntag kann sie sich weiteren Schwung dafür holen.
