Kolumne über Glatteis: So schnell bricht man sich die Knochen – auch als Arzt

Über Deutschland fegt der Winter hinweg. Das wird Ihnen in den vergangenen Tagen kaum entgangen sein. Ich mag den Winter eigentlich, gerade auch die Tage, an denen es schneit und so richtig knackig kalt wird. Aber in diesem Jahr musste ich leider am eigenen Leib auch die Härte des Winters spüren. Mal so viel vorweg: Es war ziemlich schmerzhaft.

Eigentlich wollte ich nur zu meinem Auto gehen, um in die Praxis zu gelangen. Doch bevor ich in meinen Pkw einsteigen und losfahren konnte, trat ich auf eine kleine Eisplatte – und obwohl man ja weiß, dass es bei solchem Wetter glatt sein kann, war ich doch überrascht und rutschte heftig aus. Sofort hörte ich es im linken Sprunggelenk knacken, und mich durchfuhr ein stechender Schmerz. Ich bin zwar Hausarzt und kein Unfallchirurg, aber ich ahnte schon, was gerade passiert war. So richtig wahrhaben wollte ich es aber nicht. Ich fuhr also noch in die Praxis, um am Nachmittag die Patienten zu versorgen, aber das Sprunggelenk wurde immer dicker und schmerzhafter – trotz Kühlung und Hochlagern!

Es blieb mir nichts übrig, ich musste mich von einem Kollegen behandeln lassen

Keine Chance, ich musste das von einem Kollegen untersuchen lassen. Der sympathische Chirurg sah sich mein Gelenk an, röntgte und gab mir leider recht: Ich hatte mir etwas gebrochen. Trocken sagte er: „Es ist eine Weber-B-Fraktur, wir müssen operieren!“ Sofort war mir klar: Das wird eine langwierige Sache. Das obere Sprunggelenk setzt sich nämlich aus drei Knochen zusammen: dem Schienbein, dem Wadenbein und dem Sprungbein. Da, wo praktisch der Unterschenkel in den Fuß mündet, wird das Gelenk durch Kapsel, Muskel und Bänder stabilisiert. Waden- und Schienbein sind außerdem durch eine sogenannte Syndesmose verbunden. Fällt man oder knickt man heftig um, so wie ich jetzt, trifft es dabei oft das Wadenbein – und es bricht.

Landarzt Dr. Thomas Assmann
Landarzt Dr. Thomas AssmannLucas Bäuml

Die Fraktur des Wadenbeins teilt man nach Weber ein. Bei der Weber-B-Fraktur ist der Knochen auf Höhe der Syndesmose gebrochen, und das Band kann verletzt sein. So eine Fraktur muss operiert werden.

Was für ein Sch…, wenn ich das mal so sagen darf. Leider kann auch nicht sofort operiert werden, weil der Knöchel so geschwollen war. Der muss erst etwas abheilen, damit die OP-Naht dann gut zusammenwachsen kann.

Jetzt heißt es, Geduld haben

Also, was blieb mir? Zurück nach Hause, kühlen, Bein hochlagern, Geduld üben und hoffen, dass die OP nächste Woche stattfinden kann! Wenn ich meinen Fuß ansehe, bin ich da zwar skeptisch, aber schauen wir mal. 2026 hätte besser starten können.

Wie Sie wissen, bin ich selbständig. Wie Millionen andere Selbständige bekomme ich weder Krankengeld noch Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Wir müssen uns selbst versichern – und das ist ziemlich teuer. Auch wenn wir nicht arbeiten können, laufen aber die Löhne für Mitarbeiter, die Miete und vieles andere weiter. Krankheit oder Unfall sind für viele kleine Betriebe existenzbedrohend. Oft gehen Selbständige deshalb erkrankt oder, ohne schon wieder richtig fit zu sein, trotzdem arbeiten. Ich habe Glück und wirklich tolle Kollegen in der Praxis, die versuchen, meinen Ausfall jetzt aufzufangen. Doch diese Möglichkeit haben nicht alle Selbständigen.

Laut meinem Chirurgen soll es drei bis sechs Monate dauern, bis ich komplett wiederhergestellt bin. So lange bleibe ich natürlich nicht zu Hause. Wenn die OP erst einmal rum ist, werde ich schon eine Lösung finden, wie ich in der Praxis doch wieder arbeiten kann. Auch wenn es humpelnd und mit hochgelegtem Bein ist. Der erste Schritt jetzt aber, liebe Leserinnen und Leser: Drücken Sie mir die Daumen für die OP nächste Woche. Und bleiben Sie gesund, fallen Sie nicht, und genießen Sie den Winter. Herzliche Grüße – Ihr Landarzt.

Dr. Thomas Aßmann, 62 Jahre alt und Internist, hat eine Praxis im Bergischen Land. Er schreibt alle 14 Tage in der F.A.S.