Die neue Einheit: Warum es in Bayerns Führungsetage wieder passt

Es waren einige Umstellungen, die der FC Bayern seit dem Sommer verkraften musste. Thomas Müller verließ den Klub nach 25 Jahren, was in der Kabine für neue Machtverhältnisse sorgte. Zudem verabschiedete sich Finanzvorstand Michael Diederich, ihn zog es zur Deutschen Bank. Die personellen Veränderungen und die zusätzlichen Belastungen bei der Klub-WM konnten den Münchnern allerdings nichts anhaben. Bislang erleben sie eine erstklassige Saison – auf allen Ebenen.

Im letzten Teil der AZ-Halbjahreszeugnisse ist die Führungsetage des FC Bayern dran.

VINCENT KOMPANY UND SEIN TRAINERTEAM: Die beste Offensive und Defensive der Liga, seit nunmehr 47 Spieltagen Tabellenführer und auch in der Champions League und im DFB-Pokal voll auf Kurs – Kompanys Team spielt eine beeindruckende Hinrunde und darf vom Triple träumen. Architekt des Erfolgs ist der belgische Coach, der eine funktionierende Einheit geformt hat. Und der sich – anders als so mancher Vorgänger – nicht selbst in den Mittelpunkt stellt. NOTE 1

Bayern-Glücksgriff: Coach Kompany.
Bayern-Glücksgriff: Coach Kompany.
© IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Bayern-Glücksgriff: Coach Kompany.

von IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert

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„Er strahlt eine große Gelassenheit und Ruhe aus, ist ein überlegter Typ mit einem klaren Plan“, schwärmte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen im AZ-Interview. Kompany habe „eine großartige Expertise und strahlt als Person eine natürliche Autorität aus“, so Dreesen weiter: „Wegen dieser Eigenschaften und nicht zuletzt, weil er selbst ein absoluter Weltklassespieler war, genießt er großen Respekt und Wertschätzung bei der Mannschaft. Er hat eine enge Bindung zu seinen Spielern. Vincent sieht immer den Menschen und nicht nur den Spieler.“

Der Lohn: Kompany und sein Trainerteam verlängerten ihre Verträge bis 2029. Bayern hat Planungssicherheit auf dieser wichtigen Position.

VORSTAND PLUS SPORTDIREKTOR CHRISTOPH FREUND: Im Sommer wurden die Aktivitäten von Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund auf dem Transfermarkt teils scharf kritisiert, die Wunschspieler Florian Wirtz und Nick Woltemade kamen nicht. Jetzt weiß man: Die Größe des Kaders ist genau richtig, junge Spieler wie Lennart Karl hatten die Chance, sich bei den Profis zu etablieren.

Und auch wirtschaftlich läuft es: Auf der Jahreshauptversammlung wurde ein neuer Rekordumsatz in Höhe von 978,3 Millionen Euro verkündet, der Konzerngewinn von 42,5 Millionen vor Steuern ist beachtlich. Ebenfalls wichtig: Es gelangen weniger Interna an die Öffentlichkeit. NOTE 2

Sie ziehen die Fäden beim FC Bayern: Präsident Herbert Hainer (l.) und Vorstandschef Jan-Christian Dreesen.
Sie ziehen die Fäden beim FC Bayern: Präsident Herbert Hainer (l.) und Vorstandschef Jan-Christian Dreesen.
© IMAGO/Eibner-Pressefoto
Sie ziehen die Fäden beim FC Bayern: Präsident Herbert Hainer (l.) und Vorstandschef Jan-Christian Dreesen.

von IMAGO/Eibner-Pressefoto

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„Sich über einzelne potenzielle Spieler auszutauschen und unterschiedliche Sichtweisen zu haben, ist in so einem Prozess wichtig“, sagte Dreesen: „Nicht so produktiv ist es hingegen, wenn Details aus internen Gesprächen nach außen dringen. Wichtig ist, dass wir alle nur ein Ziel haben: Dass der FC Bayern besser wird. Und dazu hat der Sommer zu 100 Prozent beigetragen.“ Man habe, so Dreesen, „eine bessere Einigkeit als zuvor“.

Rouven Kasper (Marketing und Vertrieb) komplettiert seit Jahresbeginn das Vorstandstrio um CEO Dreesen und Eberl. Die neue Einheit soll erhalten bleiben.

PRÄSIDIUM UND AUFSICHTSRAT: Präsident und Aufsichtsratschef Herbert Hainer wurde auf der Jahreshauptversammlung mit fast 96 Prozent der Stimmen für drei Jahre wiedergewählt. Ein starker Wert. „Ich mache mir weniger aus Zahlen als mehr aus der Meinung der Mitglieder – da haben wir großen Rückenwind und das Gefühl, einiges richtig zu machen“, sagte der frühere Adidas-Boss: „Das ist auch eine Aufforderung für die Zukunft.“

Fans und Mitglieder honorieren, dass sich der Klub gesellschaftlich einsetzt, etwa mit der Initiative „Rot gegen Rassismus“. Und dass die Bayern-Familie intakt ist. Dazu tragen auch die Aufsichtsräte Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge mit ihrer großen Erfahrung und Expertise bei. NOTE 2