

Für den jungen, unerfahrenen Autofahrer war es eine völlig neue Erfahrung. Bei einem Gewitter in Südhessen donnerten plötzlich haselnussgroße Hagelkörner herunter, beim Blick durch die beschlagenen Scheiben war rechts und links nur fließendes Wasser zu sehen. Herabrutschender Schlamm blockierte an zwei Stellen die kleine Landstraße. Von der Außenwelt abgeschnitten, das war etwas für Abenteuerspielfilme. Nicht für einen Sommerausflug, keine 40 Kilometer von Darmstadt entfernt.
Weil es der Odenwald war und nicht die Sierra Nevada, war die Straße nach einer halben Stunde von der freiwilligen Feuerwehr so weit geräumt, dass man passieren konnte. Es blieb nicht die einzige Begegnung mit Naturgewalten. 1990 gab es weder Mobiltelefone noch Wetter-Apps, als uns Orkan Wiebke im westlichen Taunus den Heimweg von einer Geburtstagsfeier abschnitt.
Vom Tiefdruckgebiet zum „Bomben-Zyklon“
Der Umgang mit dem Wetter will geübt sein. Das gilt schon für die Ankündigung dessen, was bevorsteht. Wenn Meteorologen vor einem Sturmtief warnen, sollte man auf der Hut sein. Aber auch genau hinschauen. Denn spektakuläre Vorhersagen sind zwar in ganz Deutschland zu lesen, betreffen aber meist nur einen kleinen Teil. Mit Schneeverwehungen, die zu geschlossenen Schulen führen, müssen derzeit vor allem Hamburg, Niedersachsen und Bremen rechnen.
Auch die Wortwahl kann in die Irre führen. Der Fachbegriff Bombogenese für einen schnellen Abfall des Luftdrucks klingt explosiv. Er tauchte auch in Zusammenhang mit den jetzigen Wetterturbulenzen auf, und prompt konnte man von einem „Bomben-Zyklon“ lesen. Das mischt einem Fachbegriff einen weiteren hinzu, wie der Deutsche Wetterdienst einmal erläutert hat. „Zyklone“ nennen Meteorologen generell eine bestimmte Art von Tiefdruckgebiet, ein „Zyklon“ hingegen ist ein tropischer Wirbelsturm. Ein „Bomben-Zyklon“ ist hierzulande also höchstens eine Gefahr für die deutsche Sprache.
Das Rhein-Main-Gebiet ist durch seine Lage begünstigt, und manche Wetterextreme bleiben ihm erspart. Doch während sich in den Wiesbadener Parks exotische Halsband- und Alexandersittiche das ganze Jahr über wohlfühlen, können einen auf dem Großen Feldberg schon im Oktober Wintergefühle überkommen. Der Mensch kann sich glücklicherweise an beide Gegebenheiten anpassen. Nur muss er es auch tun.
Viele haben sich abgewöhnt, den Wetterbericht ernst zu nehmen und einen Blick auf Warnkarten zu werfen. Doch es ist kein Alarmismus, wenn man bei der Ankündigung von Glätte, Schneefall und Sturmböen mindestens vorsichtig fährt oder noch besser das Auto stehen lässt.
