Zalando schließt Erfurt: Ist das „Made for Germany“?

Es ist ein gutes halbes Jahr her, da stand David Schröder mit zahlreichen anderen deutschen Wirtschaftslenkern im Bundeskanzleramt. Der Zalando-Ko-Chef vertrat die börsennotierte Modeplattform bei der Initiative „Made for Germany“ – laut eigener Beschreibung eine „branchenübergreifende Initiative“, in der sich „114 führende Unternehmen und Investoren für eine starke, erfolgreiche und zukunftsfähige Wirtschaft in Deutschland zusammenschließen“. Bis 2028 versprechen die Mitglieder gemeinsam 764 Milliarden Euro in Deutschland zu investieren. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete das bei besagtem Besuch im Juli 2025 als eine der „größten Investitionsinitiativen der vergangenen Jahrzehnte“ und als „starkes Signal“ für den Stimmungswechsel in Deutschland.

Die versprochene Investitionssumme war schon damals in ihrer Zusammensetzung eher nebulös. Und Zalando hielt sich mit konkreten Zusagen wie viele andere Teilnehmer bedeckt. Jetzt verkündet der Konzern, seinen Logistikstandort in Erfurt dichtzumachen. 2700 Mitarbeiter sind betroffen.

Dafür gibt es betriebswirtschaftlich plausible Gründe. Zalando hat sich nach dem Zusammenschluss mit dem Rivalen About You sein Logistiknetzwerk angeschaut und Überkapazitäten festgestellt. Früher einmal versendete Zalando aus Erfurt, seinem ersten komplett selbst entwickelten Logistikzentrum, nach ganz Europa. Heute hat Zalando drei weitere und modernere eigene Standorte in Deutschland und noch mehr im Rest Europas, wo das Wachstum zudem noch deutlich stärker ausfällt. Das Unternehmen will nicht mehr alle Märkte von allen Standorten beliefern, sondern regionaler agieren, um schneller zu liefern. Deutschland ist da überrepräsentiert. Und die dem Kapitalmarkt mittelfristig versprochenen 100 Millionen Euro an Synergien auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern aus der About-You-Übernahme müssen irgendwo herkommen.

Trotzdem muss sich das Unternehmen die Frage gefallen lassen, warum es sich in der PR-Show von „Made for Germany“ sonnt, nur um ein halbes Jahr später seinen größten deutschen Standort zu schließen. Das sendet zweifelsohne auch ein Signal zum deutschen Standort – nur eben nicht das, das der Bundeskanzler und die Initiatoren von „Made for Germany“ sich mal gewünscht hatten.