Grönland: Die USA sind längst da

Amerikas Vizepräsident J. D. Vance hat einmal mehr deutlich gemacht, warum die USA Anspruch auf Grönland erheben. Die Insel sei wichtig nicht nur für die Sicherheit der USA, sondern für die der ganzen Welt, so Vance in der Nacht auf Donnerstag gegenüber Fox News. Wenn Russland oder China eine Nuklearrakete auf die USA starteten, sei Grönland ein kritischer Teil der Abwehr. Die Europäer und die Dänen hätten absolut keinen guten Job dabei gemacht, diesen „Anker der Sicherheit“ zu verteidigen.

Auf die Frage, wie weit die US-Regierung in Sachen Grönland gehen würde, sagte Vance, der Präsident werde „so weit gehen, wie es nötig ist“, um die Interessen der USA zu schützen. Ein Ausschluss einer Annexion war das nicht.

In Kopenhagen ist deswegen die Unruhe weiterhin groß. Auch bald ein Jahr nach Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit hat hier niemand eine gute Antwort darauf, was Trump eigentlich will. Denn militärisch ist der Zugriff der USA auf die Insel heute schon weitgehend unbegrenzt und auch wirtschaftlich stehen Amerika alle Tore offen.

600 statt 10.000 US-Soldaten wie im Kalten Krieg

Während des Zweiten Weltkriegs nutzten die USA Grönland als sicheren Brückenkopf nach Europa und als Frühwarnsystem. 14 US-Stützpunkte gab es damals auf der Insel. Heute betreibt das Land nur noch die Pituffik Space Base im Nordwesten. Dort waren kurz nach Ende des Kalten Kriegs noch über 10.000 Soldaten stationiert, mittlerweile sind es rund 600 Militärangehörige. Wenn also die Sicherheit der Insel vernachlässigt wurde, dann doch auch durch die USA – so die Sicht in Dänemark.

Amerika könnte seine militärischen Strukturen auf Grönland jederzeit ausbauen. Ein Verteidigungsabkommen von 1951, das 2004 angepasst wurde, gibt ihnen ungehinderten Zugang zur Pituffik-Basis. Darauf verwies kürzlich auch die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Wenn die Amerikaner ihre militärische Präsenz darüber hinaus ausweiten wollen, müssen sie die Behörden in Nuuk und Kopenhagen konsultieren und informieren, mehr nicht. Damit haben sie de facto die militärische Kontrolle über Grönland.

In Dänemark ist man sogar sehr offen dafür, dass Amerika seine Strukturen auf der Insel ausbaut. Allein der Blick auf die Karte zeigt, dass das Königreich nicht selbst in der Lage ist, Grönland effektiv zu schützen. Daran ändern auch die im vergangenen Jahr angekündigten militärischen Investitionen nichts – auch wenn diese für das kleine Dänemark einen beträchtlichen Umfang haben.

Amerikanische Soldaten sind seit Jahrzehnten auf der Pituffik Space Base in Grönland stationiert.
Amerikanische Soldaten sind seit Jahrzehnten auf der Pituffik Space Base in Grönland stationiert.AFP

Knapp 14 Milliarden Euro werden bereitgestellt, um fünf neue Arktisschiffe und vier Langstreckendrohnen zu beschaffen. Zudem soll ein neues Hauptquartier für das Arktische Kommando in Nuuk geschaffen werden. Trumps Behauptung, Dänemark habe nur „einen Hundeschlitten“ hinzugefügt, um die Sicherheit zu erhöhen, ist also falsch.

Die Verstärkung geschah auf amerikanischen Druck hin. Aus Sicht Dänemarks war sie nicht wirklich notwendig, weil derzeit keine militärische Bedrohung bestehe. Trump hatte zwar unlängst behauptet, die Region sei voll von Schiffen Russlands und Chinas. Militärfachleute widersprechen dem aber. Demnach sind die riesigen Gewässer – abgesehen von einigen Fischtrawlern – derzeit leer.

Die russische Präsenz ist sogar zurückgegangen, seitdem Grönland vor etwas mehr als einem Jahr ein Fischereiabkommen mit Russland gekündigt hat. Chinesische Schiffe wiederum gelten in der Region als Seltenheit.

China verlor schon auf amerikanischen Druck Zugänge

Das ist nicht der einzige Punkt, in dem Fachleute der Einschätzung von Trump und Vance widersprechen. Aus ihrer Sicht ist Grönland gar nicht so entscheidend für die Sicherheit Amerikas; große Truppen dort zu stationieren, ergibt militärisch demnach wenig Sinn. Wichtig sei die Insel vielmehr als Frühwarnsystem für den Fall, dass Atomraketen aus Russland oder China auf der kürzesten Route in Richtung Amerika die Insel überfliegen. Die Pituffik Space Base dient hier als Teil der Radarkette.

Auch in Bezug auf die vielen Bodenschätze unter dem grönländischen Eis haben die USA heute schon weitgehend freie Hand. Einst waren chinesische Staatsunternehmen aktiv an Projekten zum Abbau beteiligt. Doch auf amerikanischen Druck hin verlor China nach einer Entscheidung der grönländischen Regierung 2019 den Zugang. Zuletzt hat Nuuk wiederholt signalisiert, dass man offen für ein verstärktes Engagement der Amerikaner ist. Aber bisher war der Abbau aufgrund der Witterung nicht wirtschaftlich.

Dass es Trump also um einen besseren Deal geht, ist unwahrscheinlich. Vielleicht wolle er Grönland tatsächlich als eine Art symbolischen Sieg, heißt es dazu in Kopenhagen. Dann könne die Regierung ohnehin kaum etwas anderes tun als zu hoffen, dass die verbliebenen Jahre unter Trump möglichst rasch vorbeigehen.

In der kommenden Woche wird nun der amerikanische Außenminister Marco Rubio für ein Gespräch nach Dänemark kommen. Darum gebeten hatten die Regierungen in Kopenhagen und Nuuk. Dass Amerika immerhin auf die Bitte eingeht, wird in Kopenhagen als ein gutes Signal verstanden. Das seien „wirklich sehr gute Nachrichten“, sagte dazu am Donnerstag Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen. Ein Treffen sei immer eine gute Idee.