Agit Kabayel ist Interimsweltmeister im Schwergewichts-Boxen. In Oberhausen kämpft er um seinem Traum vom „richtigen“ WM-Titel.
Fünf Tage hat es gedauert, da waren die 13.000 Tickets für den Kampf zwischen Agit Kabayel und Damian Knyba vergriffen. Der Kampf in der Oberhausener Arena am Samstag wird damit das größte Box-Event in Deutschland seit mehr als 13 Jahren. 2012 kamen rund 12.800 Zuschauer in die Arena nach Köln, um den Kampf zwischen Wladimir Klitschko und Dereck Chisora zu sehen.
Die Veranstaltung am Wochenende erinnert damit an große deutsche Boxzeiten – und sie zeigt, dass der Name Agit Kabayel nicht mehr nur Boxkennern ein Begriff ist. Der gebürtige Bochumer hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur zum besten Schwergewichtsboxer Deutschlands, sondern zu einem der besten der Welt gemausert. Drei Knockout-Siege in Folge gegen durchaus anspruchsvolle Gegner haben seine Popularität zuletzt noch einmal gesteigert.
Kabayel könnte deutsche Box-Geschichte schreiben
Läuft alles nach Plan, könnte der 33-Jährige sogar noch in diesem Jahr Geschichte schreiben und als erst zweiter Deutscher den Weltmeistertitel im Schwergewicht gewinnen. Das war bislang nur Max Schmeling gelungen – und das ist mittlerweile 95 Jahre her. „Es war keiner so nah dran wie ich“, sagt Kabayel stolz. „Das ist eine große Ehre, nach so vielen Jahren deutsche Boxgeschichte schreiben zu können.“
Voraussetzung dafür ist aber ein Sieg gegen den Polen Knyba am Samstag. Kabayel verteidigt dort seinen Titel als Interimsweltmeister des World Boxing Council (WBC), einem der vier größten Profibox-Weltverbände. Diesen Titel hatte er sich im vergangenen Februar gesichert, als er in Riad den Chinesen Zhilei Zhang in Runde sechs zu Boden streckte.
Champion Usyk will lieber gegen Wilder kämpfen
Regulärer WBC-Schwergewichtsweltmeister ist aktuell der Ukrainer Oleksandr Usyk. Er hält auch die Titel der World Boxing Association (WBA) und der International Boxing Federation. Eigentlich müsste Usyk seinen Titel nun gegen Kabayel verteidigen, wurde vom WBC aber von seiner Pflichtverteidigung befreit. Er will lieber gegen den US-Amerikaner Deontay Wilder um den Gürtel kämpfen.
Kabayel wäre dann der nächste Pflichtgegner für den dann amtierenden Champion, Usyk oder Wilder. Kommt sein WM-Gegner der Pflichtverteidigung nicht nach, könnte Kabayel sogar kampflos Weltmeister werden. „Fakt ist, dass am Ende des Tages Druck auf den Verband und auf Usyk ausgeübt werden muss, damit er nach dieser freiwilligen Titelverteidigung im April oder Mai gegen Wilder von der WBC gezwungen wird, den Kampf gegen Agit zu machen. Wir sprechen dann von einem Zeitpunkt von frühestens September, Oktober“, sagte Bernd Bönte, Ex-Manager der Klitschkos und heute Box-Experte, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
WM-Kampf wäre „sensationell großer Kampf“
Ein Grundproblem sei, dass der Verband WBC seine Pflichtverteidigungen „leider sehr lax“ handhabe, sagte Bönte. „Und das ist Agits Problem.“ Sollte Kabayel aber am Ende des Jahres einen WM-Kampf bekommen, ist das laut Bönte wichtig für das deutsche Boxen. „Es wäre ein sensationell großer Kampf und ich sehe den auch in Deutschland, beispielsweise in einem Stadion in Düsseldorf oder auf Schalke, wo wir ja schon große Klitschko-Kämpfe veranstaltet haben.“
Das alles ist noch Zukunftsmusik. Ein wichtiger Schritt ist für Kabayel jedoch ein Sieg am Samstag in Oberhausen gegen Knyba. Mit einer Körpergröße von 2,01 Metern und einer Reichweite von 2,18 Metern ist der Pole Kabayel (1,91 m) körperlich überlegen. In seinen bislang 17 Profikämpfen ist Knyba ungeschlagen geblieben. Allerdings waren seine Gegner bei weitem nicht von dem Kaliber, das Kabayel in seiner Profikarriere bereits besiegt hat. Kabayel geht deshalb als klarer Favorit in das Duell.
Auch Kabayel noch ungeschlagen
Auch der 33-Jährige ist in seinen 26 Kämpfen ungeschlagen geblieben. Kabayel ist ein unbequemer Boxer, bekannt für seine zerstörerischen Leberschläge. Dabei war sein Weg dorthin sehr hart und von Rückschlägen gezeichnet. Darunter eine Haftstrafe samt sechs Monaten Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung.
Mit Fleiß und Disziplin sowie seinem langjährigen Trainer und Entdecker Sükrü Aksu boxte er sich in die Weltspitze. Seine Boxhose steht symptomatisch für Rückschläge. Sie trug der Familienvater schon zu Zeiten, als es finanziell noch nicht so gut lief. Die Erfolge erlebte sie zuletzt mit. „Da habe ich mir selbst irgendwann ein Versprechen gegeben: Ich behalte die Hose so lange, bis ich um die WM boxe“, sagte Kabayel. Vielleicht ist das Ende des Jahres bereits der Fall.
Unsere Quellen:
- dpa
- sport.de
- Boxrec
- box.live
Sendung: „Kabayel und der Traum vom WM-Titel“, WDR.de, 07.01.2016, 21:16 Uhr
