Frau von US-Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis getötet


Der Fall werde „in seiner Gesamtheit“ untersucht, aber Grund für derlei Vorkommnisse sei die tägliche Bedrohung von ICE-Beamten und Strafverfolgungsbeamten durch „Linksradikale“. Es handele sich um eine „Bewegung der Gewalt und des Hasses“. Auch das Heimatschutzministerium (DHS) gab an, der Beamte habe in Notwehr gehandelt, als die Frau versucht habe, ihn zu überfahren.

Der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, wies diese Darstellung in einer Pressekonferenz am Mittwoch scharf zurück. Das sei „Blödsinn“ („Bullshit“). Es habe sich vielmehr um einen ICE-Agenten gehandelt, „der rücksichtslos seine Macht eingesetzt hat, was zum Tod einer Person geführt hat“. Er, Frey, habe ein Video des Vorfalls gesehen und es scheine nicht, als habe die Frau versucht, ihr Fahrzeug als Waffe einzusetzen.

Heimatschutzministerin Kristi Noem hatte zuvor gesagt, „einer unserer Beamten“ habe „schnell gehandelt“ und zum Schutze seiner Person und anderer um ihn herum in Notwehr geschossen. Der Polizeichef von Minneapolis, Brian O’Hara, gab am Mittwoch an, es habe den Anschein gehabt, als habe die Frau die Fahrbahn blockiert, als ein Beamter sich ihr zu Fuß näherte. Das Fahrzeug sei angefahren und es seien mindestens zwei Schüsse gefallen, bevor es auf der gegenüberliegenden Seite in ein geparktes Auto krachte. Die 37 Jahre alte Fahrerin erlitt einen Kopfschuss und wurde im Krankenhaus schließlich für tot erklärt.

Verschiedene Winkel von Videoaufnahmen

Auf dem von Trump veröffentlichten 13 Sekunden langen Video ist zu sehen, wie ein dunkler SUV anfährt. Er scheint eine Person vor dem Auto – offenbar ein ICE-Agent – zu streifen, bevor diese zur Seite ausweicht. Man hört drei Schüsse. Dann fährt das Auto in ein anderes geparktes Fahrzeug auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Auf einer der in den sozialen Medien kursierenden Aufnahmen ist eine blutüberströmte Person mit dunklen Haaren am Steuer des verunfallten Autos zu sehen; die Türen stehen offen. Einer der Umstehenden ruft, er sei Arzt: „Kann ich ihren Puls prüfen?“. Ein Beamter – etwa sechs sind auf dem Video zu sehen – verneint das. „Gebt uns eine Sekunde, wir haben Mediziner im Team.“ Eine Frau schreit: „Wo sind sie?“

Videos aus einem anderen Winkel zeigen, wie die Fahrerin zwei Autos von ICE an ihrem schräg stehenden Fahrzeug aus dem heruntergelassenen Fenster vorbeiwinkt, offensichtlich nicht auf eine Konfrontation aus. Ein drittes Fahrzeug bremst, zwei Beamte steigen aus. Ein vermummter Mann ruft: „Steig aus deinem verdammten Auto aus“ und rüttelt an der Tür. Der SUV stößt zurück, bremst und schlägt dann in entgegengesetzter Richtung zu den Beamten ein, offenbar um zu fliehen. Ein dritter Beamter, der sich links vor das Auto gestellt hat, zieht in diesem Moment die Waffe und richtet sie auf die Fahrerin. Als sie vorwärtsfährt, feuert er das in die Windschutzscheibe. Dann springt er zur Seite und feuert zwei weitere Male ins offene Fenster hinein.

In der Richtlinie des DHS zum Einsatz von Gewalt aus dem Jahr 2018 heißt es, es sei Beamten untersagt, Schüsse abzugeben, „um sich bewegende Fahrzeuge […] außer Gefecht zu setzen“. In Bezug auf tödliche Gewalt heißt es, diese dürfe nur angewendet werden, wenn man Grund zur Annahme habe, „dass die Person, gegen die diese Gewalt angewendet wird, eine unmittelbare Gewalt für Leib und Leben“ darstelle. Sie sei nicht „allein zum Zweck einer Verhinderung der Flucht“ erlaubt.

Vizepräsident J.D. Vance schrieb am Mittwochabend auf X, der Tod der Frau sei eine „selbst verschuldete Tragödie“ und sprach dann eine Warnung aus. „Greifen Sie nicht illegal in Einsätze von Bundesbeamten ein und versuchen Sie nicht, unsere Beamten mit Ihren Autos zu überfahren. So einfach ist das.“

Die öffentlichen Schulen in Minneapolis gaben am Abend bekannt, dass der Unterricht für den Rest der Woche wegen „Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit dem heutigen Vorfall“ ausfalle. Gouverneur Tim Walz hatte in einer Ansprache zuvor zu Zurückhaltung aufgerufen. An die Leute in Minnesota gerichtet sagte er: „Lasst euch nicht provozieren.“ Die Getötete lebte laut einem Interview des „The Minnesota Star Tribune“ mit der Mutter mit ihrem Lebensgefährten und ihrer sechs Jahre alten Tochter in Minneapolis. Am Abend kamen in der Nähe des Ortes, wo sich der Vorfall ereignete, Hunderte zusammen, um der Toten zu gedenken.