BA-Chefin Nahles zur Arbeitslosigkeit: „Keine Gruppe ist immun“

Monat für Monat verkündete die Chefin der Bundesarbeitsagentur (BA) im vergangenen Jahr die jüngsten Zahlen zum Arbeitsmarkt. Für gute Nachrichten waren sie kaum zu gebrauchen. An dem Bild ändert sich auch in der Gesamtschau nichts, die Andrea Nahles am Mittwoch in Nürnberg präsentierte: 2025 hat sich die Lage am deutschen Arbeitsmarkt weiter eingetrübt. Verwundern sollte das niemanden, schließlich ist es schlicht ein Spiegel für die Krise in großen Teilen der Wirtschaft.

Blickt man auf den Jahresdurchschnitt, so waren 2025 in Deutschland 2,95 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind sechs Prozent mehr als noch 2024 oder in absoluten Zahlen 161.000 Personen. Alle Bundesländer traf dieser Anstieg, aber einige deutlich mehr als andere. Am stärksten stieg die Arbeitslosigkeit in Süddeutschland: In Bayern um elf Prozent, im Autoland Baden-Württemberg waren es neun. In Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen tat sich hingegen vergleichsweise wenig. Dort wuchs sie um ein Prozent beziehungsweise 2,4. Hessen und Rheinland-Pfalz lagen im Mittelfeld. Die Ausgangssituation in den Ländern war aber auch sehr unterschiedlich. Wo die Arbeitslosigkeit generell eher niedrig ist, wie im Süden Deutschlands, fallen Anstiege auch stärker ins Gewicht.

Nimmt man den Durchschnitt in den Blick, so stieg die Arbeitslosenquote 2025 um 0,3 Punkte auf 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Chancen für Arbeitslose, in Lohn und Brot zu kommen, haben sich im vergangenen Jahr weiter verschlechtert und sind nun so gering wie lange nicht. Das liegt vor allem daran, dass die Betriebe deutlich weniger Stellen ausschreiben als in der Vergangenheit. Die Bundesarbeitsagentur berichtet von einem „historischen Tiefstand“ bei den neu gemeldeten Arbeitsstellen. Im Durchschnitt verzeichnete die Behörde 2025 einen Bestand von 632.000 Stellen, das sind 62.000 weniger als ein Jahr zuvor.

Auch Akademiker spüren den trüben Arbeitsmarkt

Noch eines wird in dem Bericht deutlich: Die Flaute am Arbeitsmarkt trifft Menschen aus allen Bildungsschichten. Im Vergleich mit dem Vorjahr stieg die Arbeitslosigkeit im Schnitt besonders in der Gruppe der Akademiker, um knapp 16 Prozent auf 335.000 Menschen. Bei Personen mit einer betrieblichen oder schulischen Ausbildung waren es sechs Prozent und bei jenen ohne Berufsausbildung vier. „Keine Gruppe ist immun“, sagte Andrea Nahles in der Pressekonferenz. Das Niveau und die Betroffenheit seien aber doch sehr unterschiedlich.

Wie auch beim obigen Vergleich der Länder müssen diese Zahlen in den Kontext gesetzt werden. Die Arbeitslosenquote ist unter Akademikern immer noch am geringsten und betrug 2025 3,3 Prozent. Bei Menschen ohne Berufsausbildung waren es 21,3 Prozent. Am folgenden Grundsatz, den der Bericht zitiert, rütteln also auch die großen Zuwächse arbeitsloser Uniabsolventen nicht: „Je geringer die Qualifikation, desto höher ist das Risiko, arbeitslos zu sein.“ Zur Vollständigkeit gehört ein tröstlicher Befund für jene Menschen, die gegenwärtig fest angestellt sind: Das Risiko, aus einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung arbeitslos zu werden, ist auch im langjährigen Vergleich immer noch gering. Zumindest statistisch gibt es also wenig Anlass zur Sorge, einen festen Job zu verlieren.

Im Dezember setzte sich der negative Trend fort, wie die jüngsten Zahlen zeigen: Die Arbeitslosigkeit stieg in diesem Monat um 23.000 Menschen auf 2,91 Millionen. Ein solcher Anstieg ist zu dieser Jahreszeit durchaus üblich, viele Betriebe gehen in die Winterpause. Rechnet man diese Muster heraus, ergibt sich ein Zuwachs um 3000 Personen oder, in anderen Worten: Am Arbeitsmarkt tut sich nichts. Damit waren im Dezember 2025 etwas mehr als 100.000 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als im Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote stieg von November auf Dezember um 0,1 Prozentpunkte und beträgt derzeit 6,2 Prozent.

Das Beschäftigungswachstum habe sich im Verlauf des Jahres mehr und mehr abgeflacht und sich gegen Ende in eine Stagnation verwandelt, erklärte Nahles am Mittwoch. Nach Hochrechnungen der Bundesagentur hat sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von September auf Oktober nicht verändert. Bis dahin reichen die neuesten Daten. Nach letztem Stand waren hierzulande rund 35,23 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sei – bei allem Pessimismus – immer noch ein erfreulich hoher Wert, schloss Nahles. Die Zuwächse beruhten schon seit Langem ausschließlich auf Teilzeit.

„Dem Arbeitsmarkt fehlt weiterhin der wirtschaftliche Rückenwind – auch zum Jahresende“, sagte die BA-Chefin in Nürnberg. Sie erwarte „Licht und Schatten“ im kommenden Jahr. Nehme die Wirtschaft an Fahrt auf, wie führende Forschungsinstitute vermuten, dann erhole sich auch der Arbeitsmarkt mit zeitlicher Verzögerung. Es gebe aber auch viel Ungewissheit. „Es wirken weiterhin negative Faktoren wie Demographie, Zölle und die Transformation ganzer Branchen auf das Arbeitsmarktgeschehen“, erklärte Nahles. Das könne die Dynamik bremsen. Mit einer Besserung sei erst Mitte des Jahres zu rechnen, ergänzte sie auf Nachfrage. Vorher werde man die Talsohle nicht verlassen.