

So hatte etwa der Kommandeur der Landstreitkräfte, Mychajlo Drapatyj, am Wochenende seine Unterstützung für Maljuk bekundet. Drapatyj lobte Maljuk in sozialen Netzwerken als systematisch, besonnen und entschlossen. „Er steht genau an dem Platz, an den er gehört“, schrieb Drapatyj vor dem Rücktritt. Auch der Kommandeur des 3. Armeekorps, Andrij Biletzkyj, schrieb, die Ablösung Maljuks wäre „eine direkte Schwächung eines der effektivsten Elemente der ukrainischen Militärmaschine.“ Der Kommandeur der Drohnenstreitkräfte und der prominente Kommandeur des 1. Armeekorps äußerten sich ähnlich und versuchten auf diese Weise wohl, die Absetzung zu verhindern.
Maljuk hatte die Leitung des SBU im Februar 2023 während der russischen Vollinvasion von einem Vertrauten Selenskyjs übernommen. Seither trugen aufsehenerregende Militäroperationen zu einer Verbesserung der Reputation des Dienstes bei. Der SBU koordinierte etwa die als Operation „Spinnennetz“ bezeichnete Zerstörung von Bombern auf Flugfeldern tief im russischen Hinterland. Mindestens umstritten ist aber die Rolle des SBU beim Vorgehen gegen die Antikorruptionsbehörde NABU im Sommer. So führten SBU-Leute gemeinsam mit der Generalstaatsanwaltschaft Durchsuchungen bei zahlreichen NABU-Ermittlern durch. Der SBU verfügt über einen „politischen Arm“ und wurde von Präsidenten stets als Machtmittel benutzt. Die EU dringt auch deshalb seit langem auf eine Verkleinerung und Reformierung des Dienstes, dessen Struktur noch ein Überbleibsel aus der Sowjetzeit ist.
Was Selenskyj zur Ablösung des SBU-Chefs bewogen hat, ist unklar. Politische Ambitionen werden Maljuk nicht nachgesagt. Antikorruptionsaktivisten kritisierten Maljuk aber für dessen Rolle beim Angriff auf die Antikorruptionsbehörden. Der Oppositionsabgeordnete Jaroslaw Schelesnjak hingegen erklärte die Ablösung hingegen mit Maljuks Weigerung, noch schärfer gegen die Antikorruptionsbehörden vorzugehen. Selenskyj will Maljuk dauerhaft mit dem nun kommissarischen SBU-Chef Jewhen Chmara ersetzen. Dafür ist die Zustimmung des Parlaments erforderlich. Einige Abgeordnete kündigten an, dagegen zu stimmen. Dass der Präsident, dessen Fraktion nur noch auf dem Papier eine Mehrheit hat, genügend Stimmen zusammenbekommt, gilt als wahrscheinlich – aber nicht als sicher.
