Hoffnungsträger für den Angriff: Ebnoutalib startet bei Eintracht Frankfurt: „Schon krass“

Younes Ebnoutalib (rechts) im Training von Eintracht Frankfurt.

Stand: 06.01.2026 08:23 Uhr

„Schon krass“ sei es, sagt Eintracht-Neuzugang Younes Ebnoutalib und meint damit seinen Aufstieg vom Regionalliga-Kicker zum Bundesliga-Profi binnen eines Jahres. Am Freitag gegen Dortmund winkt dem Stürmer gar die Startelf, ist ein möglicher Konkurrent doch weiterhin nicht da.

Und plötzlich zischte der Ball an ihm vorbei, drehte sich Robin Koch um und fluchte in sich hinein. Gibt’s doch nicht – nicht zu verteidigen, nicht zu parieren, dieses Geschoss. Das hatte der gegnerische Stürmer schon exzellent gemacht. Den Ball mit dem Rücken zum Tor angenommen, den Allerwertesten heraus- und damit Eintracht-Kapitän Koch weggedrückt, um die eigene Achse gedreht und mit einem satten Hieb unter die Latte geknallt. Sehenswert.

Younes Ebnoutalib ist angekommen bei Eintracht Frankfurt. Der Angreifer, vor dem Jahreswechsel verpflichtet von Zweitligist SV Elversberg mit der Empfehlung von zwölf Saisontoren, machte am Montag beim ersten für Medien zugänglichen Training des Jahres einen ordentlichen Eindruck. Ordentlich deshalb, weil der 22-Jährige auf keinen Fall ab-, sondern hier und da positiv auffiel. „Ich bin einfach stolz, es ist eine Ehre, hier zu sein und für seine eigene Stadt zu spielen“, sagte der gebürtige Frankfurter zwei Stunden später in einer Vorstellungs-Pressekonferenz. Alles sei in den ersten Tagen zwar „sehr aufregend“ gewesen, „aber die Jungs sind alle korrekt.“

„Schon krass, bald gegen Weltstars zu spielen“

Nun sollte klar benannt werden, dass die anfangs beschriebene Sequenz, die noch gefolgt wurde von einem Abstauber-Treffer des Angreifers, keinesfalls überhöht werden darf. Denn Ebnoutalib, der als seine Stärken „den Abschluss, das Tempodribbling und die Physis“ nennt, stach aus der Masse an 28 Fußballprofis, zu denen nicht die verletzten Jonathan Burkardt, Elias Baum, Michy Batshuayi und Timothy Chandler sowie der erkrankte Jean-Mattéo Bahoya und der urlaubende Ellyes Skhiri gehörten, keinesfalls übermäßig heraus.

Und doch darf er sich berechtigte Hoffnungen auf seinen ersten Erstligaeinsatz am Freitag (20.30 Uhr) im Heimspiel gegen Borussia Dortmund machen. „Ich fühle mich bereit – und will auch bereit sein“, so Ebnoutalib, der 15 Karten für Familie und Freunde beim Klub geordert hat. Das ist ja auch eine wirklich besondere Geschichte, jene vom waschechten Frankfurter Bub in Diensten der Eintracht. Dazu dieser sportliche Raketenaufstieg binnen eines Jahres von der Regionalliga beim FC Gießen in die Bundesliga.

„Schon krass“, fasste auch der Neuzugang zusammen, „bald gegen Weltstars zu spielen.“ Er werde seine Emotionen zwar versuchen in Schach zu halten, auszuschließen seien Tränen aber nicht. „Das kann schon passieren“, sagte Ebnoutalib mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Da ist einer voller Euphorie.

Ronaldo und Barkok als Vorbilder

Der 1,88-Meter-Mann, der Cristiano Ronaldo und den ebenfalls in der Frankfurter Nordweststadt aufgewachsenen Aymen Barkok („Inspirierende Person“) als seine sportlichen Vorbilder nennt, war am Montag einer von fünf Neuen auf dem Übungsplatz. Auch Linksverteidiger Keita Kosugi, Angreifer Keito Kumashiro (hauptsächlich für die zweite Mannschaft eingeplant), Mittelfeld-Talent Love Arrhov und Rechtsaußen Ayoube Amaimouni-Echghouyab stellten sich erstmals den Medienleuten am Ball vor. Jedoch: Von belastbaren Analysen sollte weitestgehend abgesehen werden, waren die Eindrücken dann doch noch recht begrenzt.

Überhaupt waren es die Altbekannten, die den Ton angaben. Im wortwörtlichen Sinne natürlich Dino Toppmöller, der Trainer, der dick eingemummelt mit Mütze und Schal die Anweisungen gab und tatsächlich nur noch übertönt wurde von Rasmus Kristensen. Der dänischen Rechtsverteidiger, als einer der wenigen in kurzer Hose gekleidet, rastete gleich mehrfach aus. Einmal nach einem eigenen Fehler, ein anderes Mal, als die komplette Hintermannschaft aus seiner Sicht zu fahrlässig agierte. Kristensen schrie, fuchtelte mit den Armen und schrie noch lauter. Da lief einer richtig heiß bei Minusgraden.  

Kalimuendo-Deal weiterhin nicht fix

Mit den Füßen überzeugte derweil vor allem Can Uzun. Der im Spätherbst und Frühwinter schmerzlich vermisste Offensivgestalter schoss Tor um Tor – mal simpel mit der Innenseite ins Eck, mal spektakulär in den Winkel. Wichtig fürs Team, dass Uzun wieder fit ist und gegen Dortmund in die Startelf zurückkehren dürfte.

Und sonst so? „Druck gibt’s immer im Leistungssport“, sagte der für rund acht Millionen Euro verpflichtete Ebnoutalib noch, „aber ich freue mich einfach und genieße die Zeit.“ Zeitnah soll dem Neuzugang noch weitere interne Konkurrenz zugeführt werden. Arnaud Kalimuendo von Nottingham Forest steht bekanntlich vor einem Wechsel nach Frankfurt. Mit dem französischen Angreifer sei sich die Eintracht einig, heißt es. Als fix konnten die Frankfurter den Transfer bisher jedoch noch nicht vermelden.