Trotz Risiken: Dax startet erfolgreich ins Jahr 2026


Der Auftakt ist gelungen. Am ersten Handelstag des Jahres 2026 kam der Dax seinem erst im Oktober 2025 mit 24.677 Punkten aufgestellten Rekord recht nahe. Weniger als hundert Punkte fehlten. Dabei dürften erst in der kommenden Woche die großen Kapitalsammelstellen wieder aktiv werden. Versicherer und Pensionskassen erhalten oft auf einen Schlag die Prämieneinnahmen fürs ganze Jahr, die dann am Kapitalmarkt angelegt werden. Damit herrscht zu Jahresanfang tendenziell eine die Kurse stützende Nachfrage.

Kaufinteresse war auch gleich am Freitag spürbar. Dabei hat der Dax eine Gewinnserie hinter sich, wie es sie zuletzt vor zwanzig Jahren gab. 23 Prozent hat der Leitindex der Deutschen Börse 2025 zugelegt, auch in den beiden Jahren zuvor ging es um rund 20 Prozent aufwärts. Auf derart lange Aufwärtszyklen folgten in der Vergangenheit tiefe Abwärtsphasen, etwa mit Ausbruch der Finanzkrise ab 2008, dem Crash von 1987 oder dem Platzen der Dotcom-Blase zwischen März 2000 und März 2003.

Noch aber wirkt der aktuelle Aufschwung am deutschen Aktienmarkt intakt. Am ersten Handelstag des Jahres 2026 setzten Anleger sowohl auf Stahlwerte wie Thyssenkrupp und Salzgitter , die in den vergangenen Wochen schon wegen Abwehrmaßnahmen der EU-Kommission gegen Stahlimporte zugelegt hatten, als auch auf zurückgebliebene Aktien. Dazu zählt Aixtron , ein Anlagenbauer für die Halbleiterindustrie. Der Aixtron-Kurs sprang im M-Dax am Freitag um zeitweise neun Prozent in die Höhe, liegt aber dennoch im Zwei-Jahres-Vergleich fast 50 Prozent im Minus.

Euro Stoxx 50 mit Rekord

Ein starkes Signal für einen weiterhin breiten Aktienaufschwung in Europa lieferte der Euro Stoxx 50. Der europäische Leitaktienindex kletterte am ersten Handelstag des Jahres 2026 getragen von Kursgewinnen des niederländischen Chipherstellers ASML auf einen neuen Rekordstand, liegt aber im Zwölf-Monats-Vergleich mit Plus 18 Prozent noch hinter dem Dax mit Plus 23 Prozent.

Der Dax wirkt teuer. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, die wohl wichtigste Bewertungskennziffer, gibt Bloomberg für die 40 Dax-Unternehmen mit fast 16 an. Das heißt: Ihr Börsenwert ist etwa 16-mal so hoch wie der geschätzte Gewinn, den die Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten erzielen. Der Durchschnitt seit den Neunzigerjahren liegt eher bei 14.

8 Billionen Dollar müssen die USA 2026 umschulden

Als Belastung für einen weiteren Aufschwung am Aktienmarkt könnte sich auch die Zinsentwicklung entpuppen. Nachdem die Europäische Zentralbank die Leitzinsen im ersten Halbjahr 2025 viermal gesenkt hat, blieben sie seither stabil. Die möglicherweise künftige EZB-Präsidentin Isabel Schnabel erwartet, dass die nächste Zinsänderung eine Anhebung sein wird. Steigende Zinsen waren selten eine gute Nachricht für Aktien. Denn sie lenken eher Geld in den Anleihemarkt.

Investoren werden gerade auch am US-Staatsanleihenmarkt gebraucht. Für acht Billionen Dollar muss das Schatzamt in Washington 2026 neue Anleihen verkaufen, um fällig werdende Staatsanleihen zurückzuzahlen und den laufenden Haushalt zu finanzieren. Mit dieser Summe könnte man theoretisch die Jahreswirtschaftsleistung (BIP) Deutschlands zuzüglich der Frankreichs „kaufen“. Auch Deutschland verschuldet sich wie nie zuvor. 2026 wird die Finanzagentur des Bundes für 512 Milliarden Euro Bundesanleihen verkaufen müssen – ein Rekord, mit dem natürlich Zinslasten einhergehen. Die Sonderkredite („Sondervermögen“) für Verteidigung und Infrastruktur erfordern ihren Tribut.

Allen Unkenrufen zum Trotz finden aber bisher sowohl Treasuries als auch Bundesanleihen ohne Schwierigkeiten Käufer. Der Trump-Administration ist es sogar gelungen, das US-Handelsdefizit durch die erhöhten Zolleinnahmen im zweiten Halbjahr 2025 etwas einzudämmen. Allerdings befürchten Fachleute, dass die Zölle auf längere Sicht die Inflation in den USA nach oben treiben. Weitere Leitzinssenkungen in den USA könnte es dennoch geben, vor allem dann, wenn Präsident Trump neben Stephen Miran einen weiteren Getreuen in die Notenbank Federal Reserve beruft – dann gleich als Nachfolger des Vorsitzenden Jerome Powell, dessen Amtszeit im Mai endet.

Die hohe Bewertung der Aktien im historischen Vergleich, die Zinsentwicklung und die hohen Staatsschulden machen manche ängstlich. Die Rekordpreise, die derzeit für die Krisenwährungen Gold und Silber gezahlt werden, zeigen das. Vorsicht ist am Aktienmarkt in der Tat nach einer derart langen Erfolgssträhne geboten. Doch der erste Handelstag kann auch Mut machen: Noch weist der Trend klar nach oben.