Robert Neumann gewinnt den Pianistenpreis

Habe nur ich das Gefühl oder werden die Teilnehmer jedes Jahr besser?“, fragt die Moderatorin Samira ­Maleki den ehemaligen Bundesverkehrsminister und Schirmherrn des Inter­nationalen Deutschen Pianistenpreises, Peter Ramsauer (CSU). Es ist der am Abend des Grand-Prix-Konzerts: Zum 14. Mal wurde der 2011 von Maryam Maleki ins Leben gerufene Preis jetzt im Casals Forum verliehen.

„Das sehe ich auch so“, bestätigt der ehe­malige Politiker. Seiner Meinung nach sei das Niveau mit den Jahren exponentiell gestiegen. Auch die Jury, bestehend aus Lukas Beck, Künstlerischer Direktor des Klavier-Festivals Ruhr, dem Dirigenten Juri Gilbo, den Hochschulprofessoren Bernd Goetzke, Wolfgang Manz und Wolfram Schmitt-Leonardy sowie der Vorjahressiegerin Magdalene Ho, hat das in diesem Jahr vor neue ­Herausforderungen gestellt: Während der erste Finalist schnell feststand, gab es zwei Nominierte, die mit der gleichen Punktzahl den zweiten Platz belegt ­haben. „Einige Jurymitglieder haben nach den Bewertungen und Punktzahlen der Bewerbungsvideos geschaut und so einen zweiten Finalisten ermittelt“, ­erklärt die Notarin Annette Bödeker.

Zwei Nominierte machen das Finale schwer

Am Ende haben es die zwei jüngsten Nominierten ins Finale geschafft: der Ukrainer Roman Fediurko und Robert Neumann aus Deutschland haben sich in drei Runden gegen die Russen Uladzislau Khandohi, Stanislav Korchagin und Philipp Lynov sowie den Usbeken Evgeny Konnov durchgesetzt.

Den Auftakt beim großen Finalkonzert machte der 20 Jahre alte Roman Fediurko mit Edvard Griegs Klavierkonzert a-Moll. Der junge Pianist, der im direkten Gespräch immer etwas zurückhaltend, ja, fast wie aus der Zeit gefallen wirkt, entfaltete am Klavier eine unerwartete Leichtigkeit und ­Eleganz sowohl in seiner Gestik als auch in seinem Spiel. Das emotionale und expressive Werk verstand er gleichermaßen ausdrucksstark zu vermitteln, im Zusammenspiel mit der Philharmonia Frankfurt als auch im Solopart des ersten Satzes.

Fediurko vermittelte das Gefühl, sich ganz der Musik verschrieben zu haben, zeigte keinerlei Ego, sondern pure Musikalität, die besonders im zweiten Satz zur Geltung kam. Juri Gilbo, Dirigent und künstlerischer Leiter der Philharmonia Frankfurt, gab in ruhigen und fließenden Bewegungen den Takt an, doch geriet das Orchester durch Fediurkos Strahlkraft am Flügel in eine unterstützende Nebenrolle.

„Wir sind alle gestandene Pianisten“

Wesentlich lässiger und entspannter erschien nach der Pause der 2001 in Freiburg geborene Robert Neumann auf der Bühne und präsentierte Franz Liszts 1857 uraufgeführtes zweites Klavierkonzert in A-Dur. Auch wenn dem sympathischen Pianisten schon zu Beginn eine große Spielfreude anzumerken war, hatte man das Gefühl, dass die Philharmonia Frankfurt sein Spiel zunächst dominierte. Mit der Zeit groovten sich Solist und Orchester aber ein, sodass schließlich ein umso schönerer Dialog zwischen den beiden entstand.

Dieser überzeugte schließlich Jury wie Publikum gleichermaßen, sodass Neumann zunächst mit dem mit 3000 Euro dotierten Schott-Music-Publikumspreis ausgezeichnet wurde und sich im Anschluss daran auch über den mit 20.000 Euro dotierten ersten Preis des 14. Internationalen Deutschen Pianistenpreises freuen durfte. „Die letzten beiden Tage waren schon next level“, gesteht er im Anschluss. „Wir sind alle gestandene Pianisten, die unglaubliche Sachen in ihrem Fach erreicht haben. Und auch wenn man es hier nicht schafft, kann ein solcher Wettbewerb trotzdem als Katalysator wirken.“

Das gilt insbesondere für den Zweitplatzierten Fediurko, der einigen Jurymitgliedern vor dem Wettbewerb noch unbekannt war, nun aber durch sein tiefes Verständnis für die Musik und sein virtuoses Spiel bei allen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.